Artikel lesen

Schweiz: Die Pflanzen- und Pilzproduktion

Unter anderem die wechselhaften Wetterbedingungen, aber auch Schädlinge und Krankheiten sowie ökonomische Herausforderungen beeinflussten das Wachstum und die Erträge der verschiedenen Pflanzenbaukulturen, berichtet der Landwirtschaftlicher Informationsdienst Lid.

Bildquelle: Shutterstock.com Anbau
Bildquelle: Shutterstock.com

Obst & Beeren: Zwischen Qualitätsfrüchten und Rückschlägen

Das Wetter spielte 2023 eine zentrale Rolle in der Obstproduktion. «Der kalte und nasse Frühling beeinträchtigte die Bestäubung der Blüten und Blütenknospen - im Sommer haben sich die Unwetter dann in der Ostschweiz und im Wallis negativ auf die Erntemengen ausgewirkt und die Hitzeperiode hat zusätzlich vor allem dem Steinobst stark zugesetzt», erklärt Chantale Meyer vom Schweizer Obstverband SOV.

Die Wetterbedingungen führten ausserdem zu Schwierigkeiten in der Bekämpfung von Krankheiten wie Schorfbildung beim Apfel. Aber auch die Wicklerentwicklung und die Kirschessigfliege habe die Produzentinnen und Produzenten vor grosse Herausforderungen gestellt. «Vor allem der Zwetschgenwickler hat massiven Schaden verursacht», so Chantale Meyer. Daneben haben neue invasive Schädlinge, wie der Japankäfer oder die Mittelmeerfliege, in der Branche für Unruhe gesorgt.

Beeren: Lichtblicke und Schattenseiten

Im Gegensatz zu anderen Obstsorten profitierten hingegen die Beeren von den Wetterverhältnissen. Chantale Meyer berichtet von einer leichten Steigerung der Beerenernte im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre, mit einer Gesamtmenge von rund 11’195 Tonnen.

«Die warmen und trockenen Wetterbedingungen Anfang Juni nahmen Einfluss auf die Beerensaison und liessen die Beeren sehr schnell und sehr früh reifen – so kam es beispielsweise bei den Erdbeeren im Juni während drei Wochen zu Rekordernten», ergänzt Meyer. Allerdings habe die fehlende Staffelung bei den Beeren zu negativen Preisentwicklungen geführt, was die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigte.

Resistenzmanagement und Pflanzenschutz

Ein weiteres grosses Thema war die Reduktion der verfügbaren Pflanzenschutzmittel. Chantale Meyer betont die Schwierigkeiten, die sich daraus für die Produzentinnen und Produzenten ergeben: «Wirksame Mittel wurden verboten, ohne wirkungsvolle Alternativen – die geringere Wirksamkeit und den dadurch vermehrt gleichen Mitteleinsatz erhöhen die Risiken einer Resistenz und machen eine gute Agrarpraxis schwieriger.»

Gleichzeitig verschärfe die Kombination des sich verändernden Klimas und dem Auftreten von Krankheiten und Schädlinge die Lage, erklärt Chantale Meyer weiter. «Die extremen Witterungen erhöhen die Komplexität und beeinflussen das Auftreten von Schädlingen und die Anzahl der notwendigen Interventionen», ergänzt sie. Die Risiken, dass der Schutz der Kulturen nicht gewährleistet sei, werde somit immer grösser.

Entwicklung des Anbaus und Preissituation

Trotz der Herausforderungen bleibe der Sektor dynamisch. Die Anzahl der Betriebe sei zwar leicht rückläufig, aber die Anbauflächen seien stabil bis leicht steigend. Zudem gebe es seit Jahren eine leichte Entwicklung Richtung Bio-Produktion und auch die IP-Suisse-Produktion habe vor allem im letzten Jahr im Bereich Kernobst etwas zulegen können.

Derweil seien die Preise für Kernobst für die Kernobstkampagne 2023/24 leicht besser als im Vorjahr, während bei den Beeren negative Preisentwicklungen zu verzeichnen seien. Abschliessend betont Chantale Meyer die Priorität Schweizer Äpfel bei den Abnehmern und die Notwendigkeit, sich frühzeitig über Kontingente oder die freie Phase zu beraten: «Wir werden uns im Frühling mit unseren Branchenpartnern darüber beraten.»

Weniger Gemüse geerntet

Die Gemüsegesamtmenge liegt seit Saisonbeginn unter dem Vorjahr. Der nasse Frühling zögerte den Start hinaus und der eher trockene und heisse Sommer förderte die Entwicklung weiter. «Trotzdem könne man nicht von einem aussergewöhnlichen Gemüsejahr sprechen, wie beispielsweise im Sommer 2021», erklärt Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten VSGP. Damals war es sehr nass und viele Salate konnten dadurch nicht geerntet werden.

Bei den zwei stärksten Lagergemüsen, Karotten und Zwiebeln, konnte weniger geerntet werden. «Bei den Zwiebeln sorgten die Sommerhitze gefolgt von starken Niederschlägen und der Herbstwärme nicht für ein optimales Wachstum und schwierige Einlagerungsbedingungen», so Markus Waber. Mengenmässig liegt die Ernte von rund 16’700 Tonnen bei nur zirka 10 Prozent über dem Niveau von 2021 beziehungsweise gut 15 Prozent unter einem normalen Jahr.

Bei den Karotten hätten die sehr nassen Monate Oktober und November für erschwerte Erntebedingungen gesorgt, sagt Markus Waber weiter. Teils konnten Felder gar nicht mehr geerntet werden. Aktuell ist eine definitive Prognose bei den Karotten schwierig, da zum Zeitpunkt der Lagererhebung noch Karotten auf den Feldern standen. Nach Produzentenschätzungen wird der Ertrag aber zirka 20 Prozent unter dem der Vorjahre liegen. Über alle Lagergemüse hinweg betrachtet liegt die Menge 16 Prozent unter den Erntemengen der letzten vier Jahre.

Hohe Kosten und gestrichene Pflanzenschutzmittel

«Die Herausforderungen im Gemüsebau sind und bleiben vielfältig», sagt Markus Waber und ergänzt: «Die Produktionskosten erhöhten sich, weil auch die Produktionsmittel wie Dünger, Strom, Gas oder Setzlinge teurer wurden.» Er betont zudem, dass im Bereich Pflanzenschutz Mittel gestrichen werden, für welche es teilweise keine wirksamen Alternativen gebe. Das erschwere den Anbau zusätzlich. Gewächshausproduzenten müssten präventive Massnahmen vornehmen, um sich vor dem Jordanvirus zu schützen. Zudem bleibt laut VSGP die Personalrekrutierung eine grosse Herausforderung.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Quelle: Lid.ch
 

Veröffentlichungsdatum: 22. Dezember 2023