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AMI: Endlich kostendeckende Apfelpreise?

Die EU-Apfelernte fällt geringer als im Vorjahr aus. Zusätzlich wird der Saisonstart 2023/24 durch die gut abgebauten Vorräte aus der Ernte 2022 und durch kleinere Überseezufuhren erleichtert. Daraus sind höhere und damit hoffentlich kostendeckende Erzeugerpreise abzuleiten, so die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI).

Bildquelle: Shutterstock.com Apfel
Bildquelle: Shutterstock.com

Durch alternierende Erträge und Frühjahrsfröste in einzelnen Regionen wird die diesjährige europäische Apfelernte auf 11,3 Mio. t geschätzt. Das Minus von 4 % gegenüber dem Jahr 2022 garantiert aber immer noch eine volle Warenverfügbarkeit für den Frischmarkt. Polen und Deutschland verfügen über weniger Äpfel, während die übrigen maßgeblichen Anbauregionen, wie Italien, Frankreich oder der Benelux-Raum, keine relevanten Abweichungen melden. Lediglich Spanien prognostiziert einen Zuwachs und ist weniger auf Importe angewiesen. Elstar und die Jonagold-Gruppe alternieren im Ertrag und stehen in kleineren Mengen zur Verfügung. Dagegen legen die Sorten Gala und Golden Delicious im Angebot deutlich zu.

Qualität zählt

Für die Monate August bis Oktober hofft man nun auf moderate Temperaturen, die sich dann positiv auf die Qualität der Äpfel auswirken. Die europaweite Hitzewelle im Herbst 2022 forcierte die Reifeentwicklung, drückte auf das Preisniveau und erhöhte den Anteil Industrieäpfel. Mit stabileren Qualitäten im Jahr 2023 besteht die Möglichkeit die Saison zu strecken.

Extrem gute Startbedingungen

Nach dem starken Absatz in den letzten Monaten bewegen sich die aktuellen Apfelvorräte auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Übergang zur neuen Ernte wird reibungslos verlaufen und schon heute wartet der Einzelhandel auf „frische Ware“. Für die ersten Frühsorten werden Spitzenpreise erwartet, marktrelevante frische Äpfel für die Supermärkte und Discounter werden ab der zweiten Augustwoche folgen. Die große Unbekannte bleibt das Kaufverhalten der Konsumenten, wobei die immer noch relativ hohe Inflationsrate und die Preissteigerungen für Lebensmittel/Mieten das frei verfügbare Nettoeinkommen schmälern. Ist der Konsument bereit, einen Mehrpreis für Äpfel zu zahlen und damit den Produzenten ein einträgliches Einkommen zu sichern? Gegenüber dem desaströsen Vorjahr müssen die Erzeugerpreise um 20,- EUR/100 kg (mindestens 20/25 %) anziehen. Zeigt der Einzelhandel dafür Empathie? Ansonsten beschleunigt sich das „Sterben“ der Obstbaubetriebe, auch in Deutschland.

Kleinere deutsche Apfelernte

Die AMI schätzt die diesjährige deutsche Apfelernte auf leicht unterdurchschnittliche 952.000 t. Die maßgeblichen Anbauregionen im Norden und Süden erwarten rund 10 % weniger Äpfel als im Vorjahr, im Osten zeigen die Frühjahrsfröste Wirkung und die Prognosen tendieren zu minus 15-20 %. Insgesamt wird die bevorstehende Erntemenge als marktgerecht eingestuft, zumal es im Apfelkonsum eine leicht rückläufige Entwicklung gibt. Die Apfelernte im Streuobstanbau und in den Hausgärten fällt mit 300.000 t gering aus und schwächt damit die Eigenversorgung der Konsumenten. Aus Erfahrung der Vorjahre stimuliert dies das Einkaufsverhalten für Äpfel im Zeitraum September bis Dezember.

Regional sehr unterschiedliche Birnenernte

Die diesjährige EU-Birnenproduktion fällt unter die Marke von 2 Mio. t und zählt damit zu den schwächsten Ernten der letzten Jahrzehnte. Den Ausschlag gibt Italien mit einer empfindlichen Ertragseinbuße von nahezu 65 %. Dies wird die Warenströme in Europa verändern und insbesondere den Benelux-Raum mit einer „normalen“ Angebotslage in eine sehr gute Marktposition versetzen. Die in den letzten Jahren stark schwankenden Ernten in Italien resultieren aus der Klimaveränderung mit Frühjahrsfrösten, Trockenheit oder Überschwemmungen. Zahlreiche Produzenten roden ihre Anlagen und suchen nach Alternativen.

Es deutet sich eine sehr spannende Kernobstsaison an.

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Quelle und Copyright: AMI-informiert.de (AMI, 03.08.2023)
 

Veröffentlichungsdatum: 04. August 2023