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Schwache Obsternte in Deutschland und Europa

Die Obstbranche Europas hatte auch im Jahr 2023 einige Hürden zu meistern. Einerseits haben extreme Wetterereignisse maßgeblichen Einfluss auf die Ernte und im Anschluss auf die Vermarktung gehabt. Auf der anderen Seite blieben die Kosten für die Produktion hoch, während auf Verbraucherseite die inflationsbedingte Kaufzurückhaltung weiter zu spüren war. Das teilt die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) mit.


Bildquelle: Shutterstock.com

Bei der Preisfindung galt es nicht nur kostendeckende Preise für Frischobst zu erzielen, gleichzeitig gab es die Gefahr bei einem zu starken Preisanstieg die Nachfrage noch weiter auszubremsen. Europaweit war die Konkurrenzsituation durch Obst ab Frühjahr 2023 bis in den Herbst hinein schwächer als in anderen Jahren. Das hatte eine preisstabilisierende Wirkung für deutsches Obst.

Schwache deutsche Obsternte 2023
Mit dem Abschluss der deutschen Kernobsternte kann hinsichtlich der Erntemenge Bilanz gezogen werden. Eine Hochrechnung der AMI schätzt die deutsche Obsternte im Jahr 2023 auf 1,179 Mio. t. Die Obsternte 2023 gehört damit zu den kleinsten der vergangenen zehn Jahre. Zunächst sah es nach guten Bedingungen für die deutsche Ernte 2023 aus. Frühjahrsfröste blieben weitgehend aus, so dass beim Baumobst nur wenige Blüten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Allerdings war es während der Blüte oft zu kühl, und es fehlte die Sonneneinstrahlung. Im weiteren Verlauf wechselten sich über den Sommer extreme Witterungsbedingungen ab. Auf der einen Seite Trockenheit, Hitze und starke Einstrahlung, auf der anderen Seite Dauerregen und Überflutungen. Das hatte direkte Auswirkungen auf die Ernte, die Qualitäten und für die späteren Arten, auf den Behang und die Fruchtgrößenentwicklung. Mit Ausnahme der Birnen konnten die anderen in Deutschland produzierten Obstarten nicht an die Vorjahresergebnisse anknüpfen.


Grafik © Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH

Europa: Wetterkapriolen dezimieren Obsternte
Die Folgen des Klimawandels in Form von Hitzewellen im Sommer in Südeuropa und damit verbundene Trockenheit gepaart mit regional auftretenden teils unwetterartigen Regenfällen haben tiefe Einschnitte in der europäischen Obsternte verursacht. Eine AMI-Hochrechnung schätzt die Obsternte der Mitgliedstaaten der EU-27 auf 40,8 Mio. t. Damit zählt die Obsternte zu den kleinsten der vergangenen zehn Jahre und verfehlt das Niveau der Ernte 2022 um knapp 6 %. In Spanien, dem größten Obstproduzenten der EU, steht ein Minus von rund 8 % gegenüber dem langjährigen Mittel zu Buche. Italien, als Nummer 2, verliert in der europäischen Konkurrenz bei einigen einst großen Obstkulturen wie Birnen oder Kiwi mehr und mehr Anteile. Polen, drittgrößter Obstproduzent, fuhr nach der starken Vorjahresernte im Jahr 2023 eine unterdurchschnittliche Ernte ein.

Deutschland importiert weniger Frischobst
Im Jahr 2022 hatte die starke Konkurrenz durch Importobst die Erlöse der deutschen Produzenten stark gedrückt. Dieses Szenarios wiederholte sich trotz der niedrigen deutschen Obsternte nicht. Denn mit der beschränkten Warenverfügbarkeit in Europa sank die Exportaktivität innerhalb der EU. Neben den extremen Wetterereignissen im Frühjahr und Sommer hatte im Herbst das Sturmtief Bernard in Marokko und auf der Iberischen Halbinsel der Beerenproduktion zugesetzt. Zu selben Zeit waren Heidelbeeren aus Peru wie auch exotische Früchte nur eingeschränkt verfügbar. Temporär kam es im Herbst zu einer schwachen Versorgung mit Bananen. Aber auch weitere Schwergewichte wie Äpfel aus Übersee oder Zitrusfrüchte passierten in geringeren Mengen die deutschen Grenzen. Nach einer AMI-Hochrechnungen basierend auf den vorläufigen Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes setzte sich 2023 der negative Importtrend der Vorjahre fort.

Ausblick 2024 für Deutschland
Die Kostenspirale dreht sich ungebremst nach oben. Ab 1. Januar ist der Mindestlohn auf 12,41 je Stunde gestiegen und wird gerade Landwirte mit Kulturen, die in der Kulturführung und für die Ernte viel Personalaufwand benötigen, treffen. Betriebe und Händler mit Transportern ab 3,5-Tonnen stehen mit der Einführung der Maut ab 1. Juli 2024 zusätzlich steigenden Transportkosten gegenüber. Durch die eingeführte CO2-Abgabe für Lkw ab 1. Dezember 2023 ist ein Preisaufschlag auch für einen Teil des Importobstes absehbar.

Quelle und Copyright: AMI-informiert.de (AMI, 05.01.2024) 

 

Veröffentlichungsdatum: 11. Januar 2024