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Kampagne „Stopp Japankäfer“ lanciert

Schweiz: Blinder Passagier mit grossem Schadpotential

Der Japankäfer breitet sich in der Schweiz weiter aus. Nun lancieren Bund und Kantone die Kampagne «Stopp Japankäfer». Sie richtet sich besonders an Reisende – denn der Käfer reist oft unbemerkt in Autos, Zügen oder Gepäckstücken mit, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID). Für die Landwirtschaft steht viel auf dem Spiel.


Wenn er sich bedroht fühlt, spreizt der Japankäfer ein Beinpaar seitlich ab. (Foto © Agroscope / Christian Linder)

Der Japankäfer ist klein, aber sein Schadpotential ist gross. Der aus Asien stammende Käfer frisst an Blättern, Blüten und Früchten von mehr als 400 Pflanzenarten. 

Seine Larven leben im Boden und schädigen dort Wurzeln von Rasen- und Grünflächen. Für Landwirtschaft, Gartenbau und Umwelt ist der Käfer deshalb ein ernstzunehmender Schadorganismus.

Nun hat das Bundesamt für Landwirtschaft BLW gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der kantonalen Pflanzenschutzdienste die Kampagne «Stopp Japankäfer» lanciert. 

Sie soll die Bevölkerung und insbesondere Reisende sensibilisieren. Denn von Juni bis September ist das Risiko besonders gross, dass Japankäfer unbemerkt verschleppt werden – etwa als «blinde Passagiere» im Auto, im Zug oder im Gepäck.

«Wir wollen die Ausbreitung dieses Käfers verlangsamen, damit er möglichst wenig Schaden anrichtet», sagte BLW-Direktor Christian Hofer an der Medienkonferenz. Gerade mit Blick auf den zunehmenden Reiseverkehr von Süden nach Norden sei der Zeitpunkt vor Auffahrt, Pfingsten und den Sommerferien bewusst gewählt.

Im Tessin sind die Schäden sichtbar

Wie gross das Problem werden kann, zeigte Christian Hofer anhand eines persönlichen Eindrucks aus dem Tessin. Er habe dort im vergangenen Jahr Rebberge besucht, die stark vom Japankäfer befallen waren. «Die Reben waren teilweise von oben her ausradiert», erzählte er. 

Man habe eindrücklich gesehen, wie sich die Käfer über die Pflanzen hermachten und Erträge massiv reduzierten.

Diese Bilder hätten ihm gezeigt, «dass wir unbedingt versuchen müssen, alles einzusetzen, damit diese Verbreitung verlangsamt werden kann», so Christian Hofer. 

Denn Zeitgewinn sei zentral: Je langsamer sich der Käfer ausbreite, desto mehr Spielraum bleibe, um Bekämpfungsstrategien weiterzuentwickeln und Schäden zu begrenzen.

In der Schweiz wurde der Japankäfer erstmals 2017 nachgewiesen. Seither hat er sich vor allem südlich der Alpen stark ausgebreitet. 2025 wurden grössere Befallsherde in den Kantonen Basel, Tessin, Zürich und Wallis abgegrenzt, in weiteren Kantonen gab es Meldungen. 

Während im Süden bereits eine Eindämmungsstrategie gilt, will man nördlich der Alpen punktuelle Populationen weiterhin tilgen.

«Der Käfer ist da, den bringt man nicht einfach mehr weg», sagte Christian Hofer. Umso wichtiger sei es, seine weitere Ausbreitung zu verlangsamen. 

Das Schadpotential bezifferte er grob auf mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr – abhängig davon, welche Kulturen betroffen wären. Besonders gefährdet sind unter anderem Reben, Obstkulturen und Mais.


Weinrebe mit stark durchlöcherten und skelettierten Blättern. (Foto © Eidgenössischer Pflanzenschutzdienst EPSD / Luca Gaggini)

Zwei Strategien für zwei Situationen

Andreas von Felten, stellvertretender Fachbereichsleiter Pflanzengesundheit beim BLW, sprach von einer zweigeteilten Situation in der Schweiz. 

Südlich der Alpen, vor allem im Tessin und teilweise im Wallis, sei der Befall bereits so hoch, dass man mit dem Käfer leben müsse. Dort gehe es darum, die Populationen und die Schäden zu verringern.

Nördlich der Alpen hingegen gebe es bisher nur punktuelle Auftreten. «Dort fahren wir weiterhin mit einer Tilgungsstrategie», erklärte Andreas von Felten. Wird ein Japankäfer früh entdeckt, besteht grundsätzlich noch die Möglichkeit, eine Population zu tilgen. Wird sie zu gross, wird dies rasch schwierig.

Die Bekämpfung läuft dabei auf mehreren Ebenen. Gegen adulte Käfer werden unter anderem Lockstofffallen und punktuell Insektizide eingesetzt. 

Gegen Larven kommen Nematodenbehandlungen infrage. Zudem gibt es Auflagen im Pflanzenhandel, für Schnittgut, Kompost, Kultursubstrate und Bodenverschiebungen. Auch Bewässerungsverbote können eine Rolle spielen, weil die Käfer ihre Eier bevorzugt in feuchten Böden ablegen.

Doch ein entscheidender Faktor liegt laut BLW ausserhalb der Landwirtschaft: der Personenverkehr. «Wir können nur gegen den Japankäfer etwas machen, wenn wir alle dagegen etwas tun», sagte Andreas von Felten. 

Wer aus einem Befallsgebiet zurückreist, soll Gepäckstücke, Kleider und Fahrzeuge kontrollieren. Ein offenes Autofenster im Sommer könne bereits reichen, damit ein Käfer ins Fahrzeug fliege und sich dort verstecke.


Bildquelle: Pixabay

Weisse Haarbüschel als Erkennungsmerkmal

Damit die Bevölkerung den Käfer erkennt, setzt die Kampagne auf einfache Merkmale. Der Japankäfer ist etwa so gross wie eine Kaffeebohne oder ein Fünfrappenstück.

Auffällig sind die weissen Haarbüschel: fünf auf jeder Seite und zwei grössere am Hinterende. Typisch ist auch, dass der Käfer bei Gefahr die Beine spreizt.

Michel Gygax, Leiter des Ressorts Quarantäne der kantonalen Pflanzenschutzdienste, betonte die Rolle der Kantone. Sie seien für die Überwachung und Umsetzung vieler Massnahmen im Inland zuständig. Dazu gehören Fallen, die Prüfung von Verdachtsmeldungen und das Anordnen von Bekämpfungsmassnahmen. 

«Wir ziehen die Ärmel hoch», sagte Michel Gygax und betonte damit die Dringlichkeit rund um die Bekämpfung respektive Eindämmung des Japankäfers. Entscheidend sei aber, dass Bund und Kantone koordiniert vorgingen.

Die Kantone seien dabei auch auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen. Wenn Reisende aus dem Süden zurückkehrten und ihr Gepäck, ihre Kleider oder ihr Fahrzeug kontrollierten, helfe das direkt bei der Bekämpfung.

Was tun bei einem Fund?

Wer einen verdächtigen Käfer findet, soll ihn einfangen, eindeutig identifizieren und dann unschädlich machen. Ausserdem kann man die Käfer fotografieren, den Standort des Fundorts notieren und diese Informationen dem zuständigen kantonalen Pflanzenschutzdienst melden.

Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Kampagne zu mehr Meldungen führen wird. Das sei auch erwünscht, sagte Christian Hofer: Je stärker die Bevölkerung sensibilisiert sei, desto eher würden Käfer entdeckt, die sonst unbemerkt weiterreisen könnten.

Gleichzeitig sei es schwierig, die Zahl der Meldungen heute exakt zu beziffern, weil diese über verschiedene Stellen eingehen – etwa bei Kantonen, Agroscope oder beim BLW. Künftig sollen die Informationen besser gebündelt werden.

Auch international ist die Schweiz im Austausch. In Deutschland, Slowenien und Italien gibt es bereits Ausbrüche, in Frankreich gemäss Angaben an der Medienkonferenz bisher noch nicht. 

Zudem arbeitet die Schweiz mit Pflanzenschutzdiensten betroffener Länder und der EU zusammen. Der Japankäfer ist ein Quarantäneorganismus – entsprechend bestehen auch internationale Verpflichtungen zur Bekämpfung.

Für die Landwirtschaft geht es nun vor allem darum, Zeit zu gewinnen. Zeit, um die bestehenden Methoden zu verbessern, neue Ansätze zu entwickeln und die Schäden möglichst klein zu halten.

 

Quelle: LID

Veröffentlichungsdatum: 12. Mai 2026