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Rheinische Obstbauern schaffen Lebensraum für Turmfalken und ihren Nachwuchs – eine Win-win-Situation für Mensch und Vogel

In den Obstanlagen der rheinischen Obstbäuerinnen und Obstbauern finden sich viele tierische Mitbewohner – allen voran Bienen und Hummeln. Aber zwischen den Obstbäumen fühlen sich nicht nur Nützlinge, sondern auch Schadtiere wohl.

Foto © C. Giese, pixtura
Die Webcam-Aufnahme zeigt: Am 18. April 2021 hat ein Turmfalken-Paar den Falkenkasten besucht. Foto © C. Giese, pixtura

Beispielsweise Wühlmäuse: Sie leben in unterirdischen Gangsystemen und ernähren sich von den Wurzeln der Obstbäume und Beerensträucher. Die beschädigten oder gar ganz aufgefressenen Wurzeln lassen manch einen Baum oder Strauch absterben. Doch es gibt eine Lösung: „Um die Mäuseplage einzudämmen, setzen viele Obstbauern im Rheinland auf einen natürlichen Gegenspieler“, sagt Hubertus Wolf, Obstbauer aus Wachtberg-Werthhoven, und meint damit: Den Turmfalken. „Auf seiner Speisekarte stehen Mäuse ganz oben“, weiß der Rheinländer. „Eine klassische Win-win-Situation.“

Im Rheinland zählen Anlagen der regionalen Obstbauern zum bevorzugten Lebensraum eines Turmfalken. Denn am wohlsten fühlen sich die Greifvögel in Landschaften, die aus Wiesen, Blühstreifen und Feldgehölzen bestehen. Man muss übrigens kein Vogelkundler sein, um auf ihn aufmerksam zu werden – sein sogenannter Rüttelflug ist unverkennbar: Über Felder und Böschungen steht er mit raschem Flügelschlag und breit gefächertem Schwanz punktgenau in der Luft – er „rüttelt“ also am Himmel.

Damit die Greifvögel die Obstplantagen von Obstbauer Hubertus Wolf und die seiner Berufskolleginnen und –kollegen als neues Jagdrevier annehmen, stellen die Obstbauern im Rheinland schon seit vielen Jahren sogenannte Ansitzstangen auf ihre Felder. Darauf können sich die Greifvögel niederlassen, um sich zum einen von der Jagd zu erholen – und zum anderen nach der nächsten Beute Ausschau zu halten.

Foto © Matthias Overmann, NABU Bonn
Hier lässt es sich leben – und nisten: Turmfalken in einem Falkenkasten im Rheinland. Foto © Matthias Overmann, NABU Bonn

Zusätzlich haben die Obstbauern mittlerweile mehr als 120 Falkenkästen in ihren Obstanlagen aufgebaut. Dabei wurden sie im Rahmen des PRO PLANET-Biodiversitätsprojekts von der REWE Group und vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) unterstützt. Mit Erfolg: Von den 80 Kästen, die die Bonner Kreisgruppe des NABU im vergangenen Jahr kontrolliert hatte, fanden sie in mehr als jedem vierten Kasten Turmfalken-Nachwuchs – insgesamt 27 Bruten mit 101 Jungvögeln.

Auch Hubertus Wolf setzt auf Falkenkästen. Seit 2015 hängt an der Lagerhalle des Obstbauern aus Wachtberg ein Nistkasten. Im ersten Jahr nisteten darin Schleiereulen, danach nahmen Turmfalken den Kasten Jahr für Jahr in Beschlag. Und Hubertus Wolf gibt sich Mühe, es den Falken und anderen Vögeln in seinen Anlagen so bequem wie möglich zu machen: „Vor fünf Jahren haben wir damit begonnen, Totholzhaufen anzulegen, mehrere Blühstreifen zu säen und Zieräpfel zu pflanzen. Die kleinen Früchte dienen Vögeln in den Wintermonaten als Nahrungssicherung“, erklärt der Wachtbeger Obstbauer. „Diese Umweltmaßnahmen machen wir nicht nur freiwillig und gerne, sondern auch unentgeltlich. Unser Engagement ist ein wichtiger Baustein, um nachhaltigen Obstbau zu unterstützen und zu fördern.“

Hubertus Wolf hat übrigens nicht nur einen Nistkasten an seiner Lagerhalle aufgebaut, sondern darin vom NABU auch eine Kamera installieren lassen – so können Internetnutzer dem Turmfalken-Nachwuchs live beim Aufwachsen zuschauen. Auch in diesem Jahr wurde die Webcam wieder eingeschaltet.

Die Live-Bilder sind über den folgenden Link abrufbar: https://nrw.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/webcam-turmfalke/index.html

Kleiner Spoiler: Noch liegt in keinem der Nistkästen ein Ei. Aber das wird sich sicherlich bald ändern.

Quelle: Kreisfachgruppe Obstbau Bonn/Rhein-Sieg

Veröffentlichungsdatum: 29. April 2021