BLE: Bio-Zwiebelanbau - Ausgewählte alte Landsorten erreichen Niveau von Hybriden
Im ökologischen Zwiebelanbau sind alte, samenfeste Landsorten wie „Stunova“ und „Birnenförmige“ zu den heute überwiegend eingesetzten Hybridsorten konkurrenzfähig.
Sie können sowohl beim Ertrag als auch bei den Inhaltsstoffen mithalten und schneiden bei weiteren Eigenschaften wie der Stickstoffaufnahme zum Teil sogar besser ab.

ZwiebÖL-Versuchsfläche. (Foto © Maria-Luisa Romo-Perez)
Das haben Forschende des Max Rubner-Instituts und der Universität Hohenheim im Projekt „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL) herausgefunden.
Bei den mehrjährigen Anbauversuchen auf Versuchs- und Praxisflächen an unterschiedlichen Standorten erreichten viele Landsorten unter ökologischen Bedingungen im Durchschnitt vergleichbare Erträge wie die aktuellen Hybridsorten.
Vor allem die Sorte „Stunova“ erzielte in den Versuchen stabil hohe Erträge, während die fränkische Landsorte „Birnenförmige“ neben guten Erträgen auch ein günstiges Profil bei den Inhaltsstoffen zeigte.
Außerdem überzeugte die Sorte durch eine frühzeitige Abreife, eine überdurchschnittlich gute Lagerfähigkeit sowie eine, im Vergleich zu den Hybriden, bessere Stickstoffaufnahme.
Grundsätzliches Interesse an samenfesten Sorten
In einer Befragung unter 112 konventionellen und ökologischen Betrieben, die Zwiebeln anbauen, gaben drei Viertel der Befragten an, ausschließlich Hybridsorten einzusetzen.
Nur die befragten Ökobetriebe setzten auch samenfeste Landsorten ein.
Überraschenderweise gaben die meisten Teilnehmenden an, grundsätzlich an samenfesten Sorten interessiert zu sein.
Nach Einschätzung der Forschenden zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass neben der mangelnden Verfügbarkeit von Saatgut auch die fehlende Anbauerfahrung ein wichtiger Grund für die geringe Verbreitung samenfester Sorten sein könnte.
Im Projekt setzten die Forschenden auf einen intensiven Austausch mit den Praxisbetrieben und eine breite Vermittlung der erarbeiteten Erkenntnisse über zahlreiche Informationsveranstaltungen.
Um die notwendige Kompetenz beim Anbau samenfester Sorten wieder aufzubauen, sind aus Sicht des Forscherteams weitere Untersuchungen zum Anbau-, Qualitäts- und Lagerpotenzial ausgewählter samenfester Sorten sinnvoll.
Hintergrund
Im Jahr 2025 bauten in Deutschland knapp 2.000 Betriebe auf einer Fläche von rund 20.000 Hektar Speisezwiebeln an. Etwa elf Prozent dieser Fläche wurde ökologisch bewirtschaftet.
Auch im Ökolandbau ist der Einsatz von konventionellem Hybridsaatgut verbreitet. Ein Hauptgrund ist die mangelnde Verfügbarkeit von Saatgut samenfester Sorten.
Ein weiterer Grund ist das bislang unzureichende Wissen über die Vor- und Nachteile samenfester Zwiebelsorten.
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat das Projekt „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL) über das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) finanziert, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Arbeiten als Projektträger begleitet.

Den vollständigen Abschlussbericht gibt es HIER.
Quelle: BLE
Veröffentlichungsdatum: 24.09.2026