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Belgien: Chicorée-Preise erreichten im August ihren Höchststand – ist die Krise damit überwunden?

14. September 2026

Die Chicorée-Preise verzeichneten im August einen bemerkenswerten Anstieg mit Spitzenwerten von rund 2 EUR. Die Experten und Expertinnen führen dies auf ein geringeres Angebot und höhere Preise bei anderem Gemüse zurück, was dazu führte, dass Verbraucher/innen häufiger für Chicorée-Salate optierten. 

 
Bildquelle: Pixabay

Doch läutet dieses Sommerhoch eine Erholung des Sektors ein, der seit einigen Jahren in der Krise ist?

Etliche Betriebe mussten bereits Insolvenz anmelden, so berichtet das Flämische Infozentrum für Landwirtschaft und Gartenbau (VILT). „Vieles wird von dem diesjährigen Wurzelertrag abhängen“, heißt es. 

Bereits früher im Jahr hatte der Bauernverband (Boerenbond) wegen der Lage im Chicorée-Anbau Alarm geschlagen. 

„Seit einigen Jahren bereiten die niedrigen Preise den Erzeugern und Erzeugerinnen Kopfzerbrechen“, so der Verband. 

„Der durchschnittliche Jahrespreis, den die Landwirte und Landwirtinnen für ihren Chicorée erhalten, ist von 2,13 EUR/kg auf 1,13 EUR/kg gesunken, während die durchschnittlichen Produktionskosten steigen“, erklärte der Bauernverband und plädierte für eine Absatzförderung durch öffentliche Kampagnen. 

Der Konsum des flämischen Klassikers ist seit Jahren rückläufig, insbesondere junge Menschen finden kaum Zugang zu diesem Gemüse. Sechs Monate nach dem Appell des Bauernverbands zeigt sich eine bemerkenswerte Wende am Markt. 

Im August stieg der Medianpreis (ein Durchschnittswert für alle Chicorée-Sorten) kräftig von 1,20 EUR/kg auf 2,20 EUR/kg an. Im Vergleich zu dem Vorjahresmonat kletterte der durchschnittliche Medianpreis im August von 1,1 EUR/kg auf 1,9 EUR/kg. 

„Wir haben in den letzten Wochen eine Verbesserung der Marktlage beobachtet“, bestätigt Chicorée-Erzeuger Bert Emmerechts. 

„Doch die Erholung ist fragil und bei weitem nicht ausreichend, um die Verluste der vergangenen zwei Jahre auszugleichen. Bis zum Sommer haben wir zwei Jahre lang weitgehend unter den Selbstkosten verkauft“, stellt er klar. 

Gestiegene Nachfrage im Sommer durch Ausfälle bei anderem Gemüse
 
Die Experten und Expertinnen führen den plötzlichen Preisanstieg auf eine verringerte Produktion und einen wieder ansteigenden Konsum zurück. 

„Aufgrund des heißen und trockenen Sommers hatte auch Blattgemüse zu kämpfen und dessen Preise sind stark angestiegen. Infolgedessen griffen die Verbraucher/innen möglicherweise früher zu Chicorée“, sagt Benny Cuypers. 

Chicorée gilt zwar als Wintergemüse, wird aber auch im Sommer für Salate verwendet. 

„Aufgrund der geringeren Nachfrage im Sommer produzieren die Erzeuger/innen während der Ferienzeit traditionell weniger“, erklärt Remie Dewitte, kaufmännischer Leiter bei REO, mit Blick auf das niedrigere Angebot bei den Versteigerungen. 

Der Chicorée-Erzeuger Emmerechts halbierte seine Produktion im August. „Das machen wir jedes Jahr so. Das gibt auch den Saisonarbeitskräften die Möglichkeit, für einen Urlaub nach Hause zu fahren.“ 
 
Erster flämischer Chicorée-Erzeuger insolvent
 
Die prekäre Lage in dem Chicorée-Sektor führte Anfang letzten Jahres zur Insolvenz des niederländischen Unternehmens Frysk-Witlof, Berichten zufolge der größte Chicorée-Betrieb der Niederlande. 

Auch in Flandern gibt es bedauerliche Insolvenzen. Ende Juli meldete ein Erzeuger der Genossenschaft BelOrta Insolvenz an.
 
Emmerechts befürchtet, dass weitere folgen könnten. „Vieles wird auch von dem Wurzelertrag in dieser Saison abhängen. Wenn weniger Wurzeln zur Verfügung stehen, sinkt das Angebot und der Preis könnte sich erholen“, erklärt er. 

Der Erzeuger selbst hat 5 bis 10 % weniger Wurzeln ausgesät und hofft, dass andere Erzeuger/innen seinem Beispiel folgen.
 
Chicorée ist eine zweijährige Kultur. Im ersten Jahr werden die Wurzeln angebaut, aus denen im darauffolgenden Jahr in der Treiberei der eigentliche Chicorée entsteht.
 
 Neben der heimischen Produktion ist auch das Angebot aus dem Ausland ein preisbestimmender Faktor. Die Niederlande und Frankreich sind bedeutende Erzeugerländer. 

„In Frankreich haben die Genossenschaften Berichten zufolge beschlossen, die Produktion zu drosseln, um das Marktgleichgewicht wiederherzustellen“, sagt er und verweist zudem auf das Erscheinen der Wurzeln. 

„Aufgrund der Trockenheit war es ein sehr schwieriges Jahr. Die Kultur hinkt hinterher, sie kann sich zwar noch erholen, aber es wird erwartet, dass der Ertrag in diesem Jahr enttäuschend ausfallen wird.“ 

Hoffnung auf strukturelle Erholung 

Kurzfristig rechnet Cuypers damit, dass die Preise erneut unter Druck geraten. „In den kommenden Wochen werden die Chicorée-Erzeuger/innen zu ihrem normalen Produktionsrhythmus zurückkehren. Angesichts der aktuellen Preise werden sie sicherlich dazu neigen, die Produktion zu erhöhen.“ 

Er erwartet zudem, dass die Preise wieder fallen. „Diesen Rückgang haben wir bereits diese Woche bei der Versteigerung beobachtet.“ Langfristig blickt er jedoch optimistisch in die Zukunft. 

„Im Jahr 2024 lag die Produktion auf einem sehr hohen Niveau, was in diesem Jahr zu einem großen Angebot führte. Aufgrund der geringeren Aussaat und der voraussichtlich niedrigeren Sommerernte hoffen wir jedoch weiter, dass sich die Situation ändern wird.“


Quelle: Vilt.be

 

Veröffentlichungsdatum: 14.09.2026

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