Regionale Bio-Tomaten werden knapp – Bio.Fru.Pro fordert mehr Planungssicherheit
Der deutsche Bio-Markt wächst weiter: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Tomatensaison, wie anfällig die Versorgung bei klimatischen Problemen in den europäischen Anbauregionen ist.

Geschützter Bio-Tomatenbestand im Hochsommer. (Foto © Bio Fruchtgemüse Produzenten e.V.)
Die AMI berichtet von geringeren Erntemengen und einer lebhaften Nachfrage.
Für Rudolf Dworschak, Vorstandsvorsitzender des Bio Fruchtgemüse Produzenten e.V. (Bio.Fru.Pro), ist die Situation eindeutig: „Unsere Bio-Gewächshäuser sind aktuell komplett leergekauft. Was wir produzieren, wird vom Markt unmittelbar aufgenommen.“
Die hohe Abhängigkeit von Importen verschärft die Situation.
Nach der letzten detaillierten AMI-Warenstromanalyse stammen rund 88 Prozent der in Deutschland vermarkteten Bio-Tomaten aus dem Ausland.
Die deutsche Bio-Tomatenproduktion lag 2025 bei 19.563 Tonnen.
„Wenn in Südeuropa Hitze und andere Wetterextreme die Ernten beeinträchtigen, fehlen diese Mengen auf dem europäischen Markt.
Das kann für Handel und Verbraucher schnell zu Versorgungsengpässen führen. Gerade dann zeigt sich der Wert einer leistungsfähigen regionalen Produktion“, so Dworschak.
Erweiterungsprojekte stehen bereit
Dabei könnten deutsche Bio-Erzeuger ihre Produktionskapazitäten ausbauen. Nach Angaben des Bio.Fru.Pro stehen Erweiterungsprojekte für zusätzliche Bio-Fruchtgemüseflächen in den Startlöchern.
Steigende Produktions- und Investitionskosten sowie der Preisdruck durch Importware erschweren jedoch die Umsetzung.
Michael Schudde, Geschäftsführer Süd des Bio.Fru.Pro.: „Unsere Betriebe können und wollen wachsen. Aber ein modernes Gewächshaus ist eine langfristige Investition.
Wenn die Mitglieder - wie in den nachfrageschwachen Jahren 2023 und 2024 geschehen – Tomaten und Gurken vernichten müssen, da sie von billiger Importware aus dem Markt gedrängt werden, birgt das wenig Anreiz für Flächenerweiterungen.
Umgekehrt sollen wir uns jetzt rechtfertigen, warum die Mengen nicht reichen, wenn die Importe ausbleiben. Hier braucht es zügig neue Lösungsansätze und echten Dialog auf Augenhöhe.“

Moderne Bio-Gewächshäuser sind hochtechnologische Investitionen. (Foto © Bio Fruchtgemüse Produzenten e.V.)
„Handel und Erzeuger müssen Risiken gemeinsam tragen“
Der Bio.Fru.Pro fordert deshalb eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit zwischen Handel und Erzeugern.
Moderne deutsche Gewächshäuser könnten auch bei schwierigen Wetterbedingungen eine hohe Lieferfähigkeit gewährleisten. Dafür benötigten die Betriebe jedoch ausreichende Planungssicherheit.
„Die Frage ist: Wie können wir den Anteil von regionalem Bio-Fruchtgemüse am Markt langfristig erhöhen, damit das Angebot in schlechten Importjahren absichern und gleichzeitig nicht auf unserer Ware sitzenbleiben, wenn die Ernte in Südeuropa gut ausfällt?“, fragt Dworschak.
„Die Ertragsschwankungen fallen bei Extremwetter in unseren modernen Gewächshäusern deutlich moderater aus.
Aber wir brauchen die Sicherheit, unsere Ware auch in guten Importjahren vollständig und zu einem angemessenen Preis abzusetzen. Sonst fehlt die Grundlage für die notwendigen Investitionen.“
Der Verband sieht dabei keinen Gegensatz zwischen regionaler Produktion und Importen.
„Es ist verständlich, dass der Handel Importware zur Stabilisierung der Verbraucherpreise braucht. Wir wollen den Import nicht ersetzen.
Wir benötigen vielmehr Vereinbarungen, die das Risiko für beide Seiten gering halten, fair verteilen und die Planungssicherheit stärken“, erklärt Michael Schudde.
Ziel müsse es sein, den regionalen Anteil schrittweise zu erhöhen und gleichzeitig die Flexibilität des Handels zu erhalten.
Dazu könnten ernst gemeinte Mengenvereinbarungen, Abnahmezusagen und ausgewogene Preisstrukturen beitragen.
Der Bio.Fru.Pro appelliert deshalb an Handel und Erzeuger, jetzt gemeinsam die Voraussetzungen für eine resilientere Bio-Fruchtgemüseversorgung zu schaffen – die nächste Angebotskrise ist sonst vorprogrammiert.
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Veröffentlichungsdatum: 08.09.2026