Landvolk: Heidelbeere - Anbauer kämpfen gegen Produktionskosten und Ware aus dem Ausland
„Die Heidelbeere ist und bleibt die Lieblingsbeere der Niedersachsen. Die Anbaufläche für Kulturheidelbeeren ist in den vergangenen fünf Jahren sogar um 7,3 Prozent gewachsen.“
Im Jahr 2025 standen auf 2.239 Hektar von insgesamt rund 2.600 Hektar Strauchbeerenanbau Heidelbeersträucher. Insgesamt bauten 221 Betriebe Strauchbeeren an.

Niedersachsens Beerenanbauer können ihre Früchte nicht mehr kostendeckend absetzen. (Foto © Landvolk Niedersachsen)
Die Erntemenge der Kulturheidelbeeren lag 2025 bei rund 10.460 Tonnen und damit etwa 4,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, zitiert der Landvolk-Pressedienst das Landesamt für Statistik.
Mit 60,6 Prozent stammt deutlich mehr als die Hälfte aller in Deutschland erzeugten Kulturheidelbeeren aus Niedersachsen.
Auch für dieses Jahr erwartet Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, eine sehr große Ernte mit einer hervorragenden Fruchtqualität.
„Zwar haben sich die extreme Trockenheit und Hitze hier und da auch negativ ausgewirkt, doch für die Ernte brachte sie einen entscheidenden Vorteil: Es konnte durchgehend gepflückt werden, und auch die Vollernter konnten dank des trockenen Wetters nahezu pausenlos laufen“, beschreibt er die Lage.
Fast alle Heidelbeeranbauer beregnen ihre Pflanzen oder setzen auf eine Tröpfchenbewässerung, die die Sträucher vor dem Austrocknen schützt.
Der im gesamten Obstbau spürbare Preisdruck im Lebensmitteleinzelhandel durch günstiger im Ausland produzierte Ware macht auch den Heidelbeeranbauern schwer zu schaffen.
„Unsere Beerenanbauer können ihre Früchte hier nicht mehr kostendeckend absetzen. Düster sieht es vor allem für die Höfe aus, die ihre vor 20 Jahren gepflanzten Sorten noch von Hand ernten müssen. Sie können wirtschaftlich kaum kostendeckend ernten – es sei denn, sie vermarkten ihre Heidelbeeren ausschließlich über die Direktvermarktung“, schildert Eickhorst die Lage.
Verhalten zufrieden aufgrund der hohen Erntemenge seien hingegen die Betriebe, die in Automatisierung mittels Vollernter oder in neue Sorten investiert haben, die sich besser von Hand pflücken lassen und größere Früchte tragen, führt Eickhorst aus.
Die Heidelbeere ist das einzige Obst, das vollautomatisch geerntet werden kann. Eine Millioneninvestition in einen Vollernter lohne sich jedoch nur für größere Betriebe.
Im Heidelbeeranbau entfallen rund 60 Prozent der Produktionskosten auf Lohnkosten.
„Wir müssen uns jetzt für die heimische Obstproduktion entscheiden“, warnt Eickhorst abschließend, denn die deutschen Obstbaubetriebe arbeiten mit hohen Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards.
Sie sichern Arbeitsplätze, erhalten Kulturlandschaften und sorgen für kurze Transportwege sowie regionale Wertschöpfung.
„Das gilt es zu erhalten. Jeder Hof, der verschwindet, kommt nicht wieder.“ Eine Übersicht über direktvermarktende Heidelbeerbetriebe bietet die Landwirtschaftskammer im Portal „Service vom Hof“ unter dem Suchbegriff „Heidelbeeren“.
Veröffentlichungsdatum: 07.08.2026