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Umschlag im Rotterdamer Hafen in der ersten Jahreshälfte um 0,4 % gestiegen

24. Juli 2026

Der Umschlag im Rotterdamer Hafen ist im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,4 % gestiegen. Der Gesamtumschlag belief sich damit auf 212,0 Mio.Tonnen.

Das Segment des trockenen Massenguts verzeichnete einen Anstieg von 1,7 %. Auch der Umschlag von flüssigem Massengut stieg um 2,4 %. Im Container- und Stückgutsegment war ein Rückgang des Umschlags zu verzeichnen. 


Foto © Rotterdamer Hafen

Der Containerumschlag sank um 0,1 % in TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) und um 2,6 % in Tonnen. Der Umschlag an Stückgut ist um 1,1 % zurückgegangen. Das vergangene Halbjahr war von großer Unsicherheit geprägt.

Obwohl der Rotterdamer Hafen dank seiner Größe, Infrastruktur und der Vielfalt der Güterströme weiterhin widerstandsfähig operierte, machten die Entwicklungen deutlich, wie wichtig Investitionen in Energiesicherheit, nachhaltige Alternativen und die Resilienz der Lieferketten sind.

In finanzieller Hinsicht verlief das erste Halbjahr mit einem Nettoergebnis von 144,8 Mio. EUR stabil. Die Investitionen der Port of Rotterdam Authority beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf 126,0 Mio. EUR.

Boudewijn Siemons, CEO der Port of Rotterdam Authority: „Der Krieg im Persischen Golf hat schwerwiegende humanitäre Folgen für die Menschen in der Region. Darüber hinaus macht die Sperrung der Straße von Hormus deutlich, wie eng globale Handels- und Energieströme miteinander verflochten sind. 

Obwohl die unmittelbaren Auswirkungen auf den Rotterdamer Hafen und den Umschlag im Hafen bislang begrenzt sind, haben höhere Energiepreise und zunehmende Unsicherheit die internationalen Märkte belastet. 

Diese Ereignisse unterstreichen die Bedeutung robuster Lieferketten und einer starken europäischen Energieinfrastruktur. 

Der Rotterdamer Hafen hat unter schwierigen Bedingungen seine Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt. Dies ist nicht nur für die Position des Hafens von Bedeutung, sondern auch für die Widerstandsfähigkeit der Niederlande und Europas.“

Nachhaltige Entwicklung von Hafen und Industrie

Gemeinsam mit der Stadt Rotterdam hat die Port of Rotterdam Authority einen weiteren Schritt zur nachhaltigen Entwicklung des Hafens und der Stadt unternommen. 

Nach der Inbetriebnahme einer Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe an der Wilhelminakade können nun auch Schiffe, die an der Parkkade im Stadtgebiet anlegen, Landstrom nutzen. 

Dies sorgt für sauberere Luft, geringere CO₂-Emissionen und weniger Lärmbelästigung für die Umgebung.

Mit der Fertigstellung des ersten Abschnitts des landesweiten Wasserstoffnetzes, das in Rotterdam symbolisch vom niederländischen König in Betrieb genommen wurde, wurde ein weiterer Meilenstein erreicht. 

Über die 32 Kilometer lange Leitung zwischen der Maasvlakte und Pernis kann in Zukunft Wasserstoff aus den Wasserstoffanlagen auf der Maasvlakte zu den industriellen Abnehmern transportiert werden. In den kommenden Jahren wird das Netz auf weitere Industrieregionen ausgeweitet und an Speicherstandorte sowie Wasserstoffnetze in Deutschland und Belgien angebunden.

Im Bereich des Bunkerns mit alternativen Kraftstoffen hat der Hafen von Rotterdam im Mai mit der ersten Ethanol-Betankung eines Seeschiffs eine weitere Premiere erzielt. 

Der erfolgreiche Einsatz eines Ethanol-Methanol-Kraftstoffgemischs zeigt das Potenzial alternativer Kraftstoffe für die Nachhaltigkeit der Schifffahrt und stärkt die Position Rotterdams als führender Bunkerhafen für nachhaltige Kraftstoffe.  

Sicherheit und Resilienz

Im Rotterdamer Hafen setzen Unternehmen, Einsatzkräfte und Behörden zunehmend Drohnen ein, unter anderem für Kontrollen, Sicherheitsmaßnahmen, Messungen, allgemeine und Umweltüberwachung sowie die Bewältigung von Zwischenfällen. Drohnen spielen somit eine immer wichtigere Rolle im täglichen Betrieb des Hafens. 

Diese Entwicklung erfordert einen sicheren und gut organisierten unteren Luftraum. Um dies zu verwirklichen, hat die Port of Rotterdam Authority Ende Juni beim niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft einen Antrag auf Ausweisung eines „Pre-U-space“ über dem Hafengebiet eingereicht. 

Der Pre-U-space-Luftraum konzentriert sich als vorbereitende Phase für einen vollständigen U-space-Luftraum auf die Anmeldung, Zulassung und Genehmigung von Drohnenflügen. Damit wurde das formelle Verfahren zur Schaffung eines besser regulierten unteren Luftraums eingeleitet.

Ferm Zeehavens, die Cybersicherheitsplattform für die niederländischen Seehäfen von nationaler Bedeutung, hat einen wichtigen Schritt zur Stärkung der digitalen Resilienz des Rotterdamer Hafens unternommen. 

Gemeinsam mit einem niederländischen Start-up hat Ferm einen innovativen digitalen „Cyber-Schutzschild“ entwickelt, der internetfähige Systeme kontinuierlich überwacht und Schwachstellen frühzeitig erkennt. Inzwischen werden mehr als fünfzehn kritische Organisationen und Tausende von Systemen aktiv auf bekannte und neue Sicherheitslücken überprüft.

 Diese Entwicklung erfolgt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Am 7. Juli stimmte die Erste Kammer des niederländischen Parlaments dem Gesetz zur Cybersicherheit (Cbw) und dem Gesetz zur Resilienz kritischer Einrichtungen (Wwke) zu, mit denen die europäischen Richtlinien NIS2 und CER in nationales Recht umgesetzt werden. 

Ab dem 15. August 2026 unterliegen Hunderte von Hafenunternehmen den neuen Cybersicherheitsverpflichtungen, darunter die Registrierungs-, Sorgfalts- und Meldepflichten für schwerwiegende Cybervorfälle. Damit gewinnt die gemeinsame digitale Resilienz weiter an Bedeutung. Zudem wurde kürzlich eine gesicherte Umgebung eingerichtet, in der die angeschlossenen Organisationen Informationen zu Vorfällen und Bedrohungen proaktiv mit dem Netzwerk von Ferm Zeehavens austauschen können.

Investitionen und Finanzen

Die Port of Rotterdam Authority blickt auf ein finanziell stabiles erstes Halbjahr zurück. Die Einnahmen der Port of Rotterdam Authority sind um 3,2 % auf 477,0 Mio. EUR gestiegen. Sowohl die Vertragserlöse als auch die Hafengebühren sind gestiegen, hauptsächlich infolge von Indexanpassungen.

Die betrieblichen Aufwendungen stiegen um 10,9 Mio. EUR auf 178,2 Mio. EUR. Auch hier handelt es sich in erster Linie um Preissteigerungen in Verträgen aufgrund vereinbarter Indexierungen sowie Lohnerhöhungen infolge der Tarifvertragsänderung im Jahr 2025. Darüber hinaus fiel ein einmaliger Sanierungsaufwand an.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bzw. Wertminderungen (EBITDA) stieg um 1,3 % auf 298,8 Mio. EUR. Dieser Betrag ist Gradmesser für die Fähigkeit der Port of Rotterdam Authority, über ihre eigene Bilanz weiter in die Entwicklung des Hafen- und Industriekomplexes zu investieren.

Der Nettogewinn stieg um 0,9 % beziehungsweise 1,2 Mio. EUR auf 144,8 Mio. EUR.

Im ersten Halbjahr 2026 investierte die Port of Rotterdam Authority insgesamt 126,0 Mio. EUR. Dies waren 7 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das liegt vor allem daran, dass im Jahr 2025 höhere Kapitaleinlagen in Porthos geleistet wurden als im Jahr 2026.

Umschlag

Trockenes Massengut

Der Umschlag von trockenem Massengut ist im ersten Halbjahr 2026 um 1,7 % gestiegen. Der Umschlag von Eisenerz und Schrott ging um 8,3 % zurück. Der Eisenerzumschlag lag in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 9,6 % unter dem Vorjahresniveau. Obwohl die deutsche Stahlproduktion gestiegen ist, hat dies bislang noch nicht zu höheren Umschlagmengen geführt. 

Die Stahlhersteller griffen auf ihre vorhandenen Lagerbestände zurück. Der Schrottumschlag stieg im ersten Halbjahr 2026 dagegen um 6,1 %, vor allem aufgrund des Wachstums der Elektrostahlproduktion in wichtigen Absatzmärkten außerhalb der Europäischen Union. Insbesondere Ägypten war ein wichtiger Absatzmarkt.

Der Kohleumschlag nahm im ersten Halbjahr 2026 um 17,8 % zu. Der Anstieg ist vor allem auf die Erholung des Umschlags von Kokskohle gegenüber dem außergewöhnlich niedrigen Niveau des Jahres 2025 zurückzuführen. Darüber hinaus lag auch der Umschlag von Energiekohle über dem Vorjahresniveau, was unter anderem auf die relativ hohen Gaspreise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zurückzuführen war.

Der Umschlag von Agrar-Schüttgut lag in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 14,2 % unter dem Vorjahresniveau und belief sich auf rund 4,9 Mio. Tonnen. Der Rückgang folgt auf das außergewöhnlich starke Jahr 2025 und spiegelt unter anderem die gesunkene Importnachfrage wider, die auf die größere Verfügbarkeit von Agrar-Schüttgut in Europa zurückzuführen ist.

Der Umschlag von sonstigem trockenen Massengut nahm im ersten Halbjahr um 18,5 % zu. Dieses Wachstum ist in erster Linie auf die Erholung der Bauwirtschaft in den Niederlanden zurückzuführen. Diese führte zu einer höheren Nachfrage nach Rohstoffen für den Bausektor. Darüber hinaus sorgten Lageraufbau und Verschiebungen in den Handelsströmen für zusätzliche Umschlagmengen.


Foto © Rotterdamer Hafen

Container und Stückgut

Der Containerumschlag blieb mit einem Rückgang von 0,1 % in TEU nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. In Tonnen gemessen, verringerte sich der Umschlag um 2,6 % auf 98,5 Mio. Tonnen. Das Deepsea-Volumen stieg um 5,2 % in TEU, da die Importmengen aus Asien um 8 % zugenommen haben. 

Der Export beladener Container ging um 1 % zurück. Dadurch hat sich das Ungleichgewicht weiter verstärkt, und der Umschlag in Tonnen ist stärker zurückgegangen als in TEU. Der Umschlag von und nach Nordamerika nahm aufgrund einer höheren Anzahl von Liniendiensten 13 % zu. 

Das Transshipment-Volumen sank dagegen infolge Kapazitätsengpässen in Rotterdam um 20 %. Dies führte insgesamt dazu, dass im ersten Halbjahr kein Wachstum beim Containerumschlag zu verzeichnen war. 

Ab Ende dieses Jahres wird an mehreren Containerterminals zusätzliche Kapazität zur Verfügung stehen, wodurch wieder neue Wachstumsmöglichkeiten für den Containersektor in Rotterdam geschaffen werden.

Der direkte Containerverkehr von und zu Ländern am Persischen Golf macht rund 1 % des gesamten Containeraufkommens aus. Nach der Sperrung der Straße von Hormus entstanden relativ schnell neue Verbindungen über Häfen außerhalb des Persischen Golfs. Die negativen Auswirkungen auf den Hafen von Rotterdam blieben dadurch begrenzt.

Der RoRo-Umschlag stieg um 1,0 % auf 13 Mio. Tonnen. Ursache hierfür ist die steigende Nachfrage nach Gütern im Vereinigten Königreich.

Der Umschlag des übrigen Stückguts ging um 9,5 % zurück. Grund dafür ist die anhaltende Schwäche der europäischen Fertigungsindustrie, vor allem in den Bereichen Maschinenbau und Automobilindustrie. Insbesondere der Umschlag von Aluminium liegt unter dem üblichen Niveau. Auch die verschärften Sanktionen gegen russische Frachtgüter zeigen Wirkung.

 

Quelle: Rotterdamer Hafen

Veröffentlichungsdatum: 24.07.2026

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