fruchtportal.de
Copa-Cogeca vermisst Modernisierung des 30 Jahre alten Regelwerks

EU-Nitratrichtlinie: Kommission beharrt trotz Düngerkrise auf Status quo

21. Juli 2026

Nach dreijähriger Prüfung hat die Europäische Kommission ihre lang erwartete Evaluierung der Nitratrichtlinie vergangene Woche veröffentlicht. 

Die Bewertung kommt zu dem Schluss, dass diese Gesetzgebung weiterhin wirksam ist, um ihre Umweltziele zu erreichen. Die verbleibenden Mängel führt die Kommission in erster Linie auf eine unzureichende Umsetzung in den einzelnen Mitgliedstaaten zurück.


Bildquelle: Pixabay

  • Copa-Cogeca vermisst Modernisierung des 30 Jahre alten Regelwerks
  • Dachverband fordert praxistaugliche Lösungen statt reiner Absichtserklärungen

Der Dachverband der EU-Landwirte und -Genossenschaften, Copa-Cogeca, nimmt die Veröffentlichung dieser Evaluierung zur Kenntnis. 

Die europäischen Branchenvertreter kritisieren jedoch, dass der Bericht die tiefgreifenden Veränderungen ignorierte, die in der europäischen Landwirtschaft seit der Verabschiedung der Richtlinie im Jahr 1991 stattgefunden haben. 

Die Europäische Union hat sich vergrößert, die klimatischen Bedingungen haben sich verändert, und das wissenschaftliche Wissen sowie die landwirtschaftlichen Praktiken haben sich massiv weiterentwickelt. 

Zudem bieten moderne Technologien heute völlig neue Möglichkeiten, Umweltziele durch gezieltere und effizientere Ansätze zu erreichen.

Während die Richtlinie anfänglich zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen hat, stagnieren die Fortschritte in vielen Mitgliedstaaten seit einigen Jahren. 

Gleichzeitig ist die Einhaltung der Vorgaben für die Landwirte immer komplexer und kostspieliger geworden. 

Die Erfüllung der Richtlinienanforderungen erfordert oft erhebliche Investitionen und eine langfristige Planung, und das in einem wirtschaftlich, klimatisch und geopolitisch zunehmend volatilen Umfeld. 

Aus Sicht von Copa-Cogeca versäumt es die Evaluierung zudem, die wirtschaftlichen Auswirkungen und Folgen für die Betriebe angemessen zu bewerten. 

Die Entwicklung der Agrarstrukturen, die Vielfalt der Produktionssysteme und die kumulativen Effekte aufeinanderfolgender politischer Maßnahmen der letzten drei Jahrzehnte spiegeln sich im Bericht nicht ausreichend wider.

Kaum praktische Lösungen für die heutigen Realitäten

Vor diesem Hintergrund bedauert Copa-Cogeca zutiefst, dass die Evaluierung keinerlei sinnvolle Vorschläge zur Modernisierung oder Vereinfachung des gesetzlichen Rahmens enthält. 

Abgesehen vom anhaltenden Ruf nach einer besseren Umsetzung durch die Mitgliedstaaten bietet Brüssel kaum praktische Lösungen für die heutigen Realitäten – wie die anhaltende Düngemittelkrise, die wachsenden Auswirkungen des Klimawandels und den Bedarf an mehr Flexibilität im Nährstoffmanagement.

Diese Evaluierung hätte der Beginn eines echten Umdenkens darüber sein müssen, ob ein vor über drei Jahrzehnten konzipierter Rechtsrahmen den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts noch vollkommen gerecht wird. Stattdessen zementiert die Europäische Kommission weitgehend den Status quo.

Für Copa-Cogeca ist dies schwer nachvollziehbar. Einerseits beharrt die Europäische Union darauf, dass die Richtlinie zweckmäßig sei.

Andererseits müssen Kreislaufalternativen und Wirtschaftsdüngermanagement dringend im Mainstream verankert werden, während veraltete und fehlerhafte Aspekte der Richtlinie einfach nicht angegangen werden.

Es ist enttäuschend, dass dieser greifbar nahe und notwendige Schritt zur Modernisierung nicht vollzogen wird.

Schließlich bemängeln die europäischen Verbände einen eklatanten Mangel an Kohärenz zwischen den ehrgeizigen Zielen der „Vision für die Zukunft der Landwirtschaft“, der Viehhaltungsstrategie sowie dem Düngemittel-Aktionsplan und den jetzigen Schlussfolgerungen dieser Evaluierung.

Copa-Cogeca betrachtet diese Evaluierung daher nur als einen allerersten Schritt: "Es ist unerlässlich, dass der laufende Umsetzungsdialog und die kommenden Bewertungsprozesse der Nitratrichtlinie echte Vereinfachungen bringen, Innovationen ermöglichen und den Landwirten einen modernen, wissenschaftlich fundierten und praxistauglichen Rechtsrahmen bieten. 

Nur so lassen sich die Umweltziele erreichen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft aufs Spiel zu setzen."
 

Quelle: AIZ.info

Veröffentlichungsdatum: 21.07.2026

Fruchtportal © 2004 - 2026
Online Fachzeitschrift für den internationalen Handel mit frischem Obst und Gemüse