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BWGV: Obst- und Gemüsebranche leidet unter hohen Kosten

23. April 2026

Trotz guter Ernte und steigender Umsätze 2025 steht die Obst- und Gemüsewirtschaft in Baden-Württemberg unter Druck: Hohe Kosten, stagnierende Preise und wachsender Wettbewerb gefährden die Zukunft der Betriebe.

Die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft in Baden-Württemberg blickt auf ein solides Ernte- und Vermarktungsjahr 2025 zurück – und steht dennoch vor erheblichen wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen. 


Foto © BWGV

„Es ist eine paradoxe Situation: Die Betriebe können in einem witterungsbedingt insgesamt erfreulichen Jahr ihre Vermarktungsmengen und im Zuge dessen ihre Umsätze steigern und geraten trotzdem immer mehr in eine wirtschaftlich herausfordernde Lage“, betont Dr. Ulrich Theileis, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV).

„Die Preise, die am Markt erzielt werden können, stagnieren, während die Kosten – nicht zuletzt auch aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten – stark steigen. Das ist toxisch“, so Dr. Ulrich Theileis. 

Bei der Jahrespressekonferenz der baden-württembergischen Obst- und Gemüsegenossenschaften macht er deutlich: „Die Erzeugerinnen und Erzeuger stemmen sich mit enormem Einsatz gegen die Herausforderungen. Doch sie brauchen Unterstützung: Die Politik muss die Situation endlich anerkennen und für spürbare Entlastung sorgen. Gleichzeitig kann auch der Verbraucher seinen Teil beitragen, indem er im Supermarkt noch mehr zu Produkten aus Baden-Württemberg greift.“ 

Als wichtiger Partner der deutschen Landwirtschaft trage auch der Handel Verantwortung. 

Theileis: „Regionale Produkte müssen sichtbar sein. Ausreichende Regalflächen sind dafür ebenso entscheidend wie die klare Zusage aus dem Strategiedialog Landwirtschaft, heimische Produkte stärker zu listen und gezielt zu bewerben.“


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Mindestlohnabschlag für Saisonarbeitskräfte im Sonderkulturbereich wichtig

Neben den wachsenden Ausgaben für Betriebsmittel und Energie sind es vor allem die Lohnkosten und der kontinuierlich ansteigende Mindestlohn, der den Erzeugerinnen und Erzeugern zusetzt. 

Theileis verweist darauf, dass 2027 der Mindestlohn auf dann 14,60 Euro pro Stunde klettern wird: „Baden-Württemberg ist geprägt vom handarbeitsintensiven Sonderkulturbereich. Dort ist der Mindestlohn ein wesentlicher zusätzlicher Kostentreiber.“

Der BWGV-Präsident betont, dass im Obst-, Gemüse- und Weinbau die Lohnkosten aufgrund des hohen Anteils an händischen Arbeiten bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten ausmachen. 

Er fordert daher einen Abschlag beim Mindestlohn für in der Regel ungelernte landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte zu ermöglichen. 

„Laut aktuellem Rechtsgutachten steht ein Mindestlohnabschlag von 20 Prozent im Einklang mit dem Grundgesetz und europäischem Recht. Daher liegt es nun am politischen Willen, die Realitäten in der Branche anzuerkennen und die Betriebe zu entlasten“, sagt der BWGV-Präsident.

Außerdem mahnt Theileis eine rechtssichere Ausgestaltung der sozialversicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung an. 

In der Praxis gebe es immer mehr Fälle, in denen die Deutsche Rentenversicherung Angaben von Saisonarbeitskräften zu ihrem Erwerbsstatus nicht mehr anerkennt. 

„Damit werden die Betriebe mit teils hohen Nachzahlungen konfrontiert und sind plötzlich in der Beweispflicht. Das ist wie ein Damoklesschwert, das zusätzlich über den Betrieben schwebt.“

Hoher Kostendruck: Abwanderung der Produktion ins Ausland muss verhindert werden

Ein weiterer bedeutender Kostenfaktor sind die Energiepreise: „Die Erzeugerbetriebe und die Genossenschaften trifft die im Zuge des Irankriegs steigenden Energiepreise hart. Die Senkung der Energiesteuer ist daher ein erster wichtiger Schritt, gerade für Transport und Maschineneinsätze auf dem Feld“, sagt Theileis. 

Er stellt heraus: „Fakt ist aber, es braucht mehr als solche kurzfristigen Maßnahmen. Es braucht ein auf dauerhafte Entlastung ausgerichtetes Gesamtkonzept. Nur so können unsere Betriebe langfristig wettbewerbsfähig sein.“

Letztendlich müsse der Kostendruck in Gänze bewertet werden, inklusive der starken Belastung durch Bürokratie und Berichtspflichten. 

„Die steigenden Kosten können sich nicht an der Supermarktkasse vollständig kompensieren lassen“, so Theileis. 

Daher bestehe die Gefahr, dass gerade im Obst- und Gemüseanbau Kulturen mit geringeren Margen zurückgehen und die Produktion sich auf höherpreisige Segmente konzentriert. 

Perspektivisch bedeute dies einen Rückgang der Sortimentsvielfalt – und damit eine höhere Abhängigkeit von Importen. 

„Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einer weiteren Verlagerung der Produktion ins Ausland kommt und Deutschland von seinem ohnehin geringen Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse noch mehr einbüßt. Ein hoher Selbstversorgungsgrad ist Ernährungssicherheit.“


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293.500 Obst und 117.500 Tonnen Gemüse vermarktet

Dass die genossenschaftliche Obst- und Gemüsewirtschaft in Baden-Württemberg trotz aller Herausforderungen leistungsfähig ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen des Jahres 2025: Insgesamt rund 411.000 Tonnen Obst und Gemüse haben die genossenschaftlichen Erzeugermärkte inklusive ihrer Vertriebsgesellschaften im vergangenen Jahr vermarktet, ein Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Im Zuge der größeren Menge entwickelte sich auch der Gesamtumsatz positiv und wuchs um 9 Prozent auf rund 525 Millionen Euro. 

„Es war ein gutes Jahr ohne größere Ernteeinbußen durch Frost oder Unwetter“, resümiert Theileis.

Die genossenschaftliche Vermarktungsmenge beim Obst stieg um 42.700 Tonnen oder 17 Prozent auf 293.500 Tonnen. 

Dies ist vor allem den Äpfeln geschuldet: 36.500 Tonnen mehr wurden von den baden-württembergischen Genossenschaften vermarktet, insgesamt 218.000 Tonnen. 

Der Gesamtumsatz Obst erhöhte sich um 44 Millionen (19 Prozent) auf 272 Millionen Euro.

Das Fazit für das Vermarktungsjahr 2025 bei den Äpfeln fällt zweigeteilt aus – einem guten ersten Halbjahr folgte eine sehr herausfordernde zweite Jahreshälfte. 

Die Vermarktungssituation im ersten Halbjahr war noch geprägt von der kleineren Ernte in Norddeutschland und dem fast kompletten Ernteausfall in Ostdeutschland. 

Dies führte dazu, dass Äpfel aus Baden-Württemberg in einem mit deutscher Ware unterversorgten Markt bundesweit gut nachgefragt waren.

„Unsere baden-württembergischen Äpfel wurden im ersten Halbjahr bei guter Nachfrage zu guten Preisen verkauft“, resümiert Jürgen Nüssle, Geschäftsführer der Württembergische Obstgenossenschaft Raiffeisen (WOG).

Aufgrund von Schätzungen war von gleichen Rahmenbedingungen auch für das zweite Halbjahr ausgegangen worden.

Außerdem bestand durch einen etwas niedrigeren Mostobstpreises die Hoffnung, auch kleinere Qualitäten erfolgreich zu vermarkten. Doch die Ernte in Norddeutschland fiel höher aus, als gemeinhin erwartet, was zu Beginn der Vermarktung dazu führte, dass Erntekisten und Lagerplätze in dieser Region knapp wurden.

„Die Konsequenz daraus war, dass der Markt schon im Herbst mit Billigangeboten überrannt wurde. Gleichzeitig kam es zu einem spürbaren Nachfragerückgang seitens der Verbraucherinnen und Verbraucher. In der Folge sind die Preise gesunken und haben sich bis zum heutigen Tag nicht erholt“, erklärt Nüssle.

Lichtblick für die Obsterzeuger seien verhältnismäßig stabile Preise bei Apfel-Clubsorten wie Kanzi, Greenstar und Kiku, sowie eine positive Vermarktung bei Birnen (Xenia). 

Nüssle: „Die Lage der heimischen Obsterzeuger hat sich in diesem Jahr weiter eingetrübt. Insbesondere Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern aufgrund der steigenden Personalkosten, sowie Auflagen beim Anbau und Bürokratieerschwernissen belasten die Obstbranche.“

Ungleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb des EU-Binnenmarkts stellen auch die baden-württembergische Gemüsewirtschaft vor große Herausforderungen. 

„Der Anteil importierter Ware nimmt weiter zu – Produkte aus dem Ausland, die unter deutlich günstigeren Rahmenbedingungen erzeugt werden, drängen zunehmend in den deutschen Markt“, betont Johannes Bliestle, Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse eG. 

Dies führe zu einem erheblichen wirtschaftlichen Druck auf die heimischen Erzeugerinnen und Erzeuger. 
„Die deutlich gestiegenen Produktionskosten – insbesondere bei Energie, Betriebsmitteln und Löhnen – können am Markt, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt über höhere Preise weitergegeben werden“, so Bliestle.

Er macht deutlich: „Unabhängig davon, wie die Ernte in Baden-Württemberg oder Deutschland ausfällt, ist der Markt in der Regel ganzjährig gut mit Lebensmitteln aus anderen Regionen Europas oder aus Übersee versorgt.“ 

Dadurch entstehe auf den ersten Blick der Eindruck einer Vollversorgung.

„Langfristig müssen wir uns jedoch die Frage stellen, welche Folgen eine zunehmende Abhängigkeit von Importen für die regionale Versorgungssicherheit und für unsere Kulturlandschaft hat“, warnt Bliestle.

Die genossenschaftliche Gemüseernte in Baden-Württemberg lag mit 117.500 Tonnen auf Vorjahresniveau (117.800 Tonnen). 

Auch der Umsatz 2025 war mit 253 Millionen Euro nahezu identisch wie 2024 (252 Millionen Euro).

Internationale Apfelsorten wie Sprizzle oder Kanzi werden vermehrt angebaut

Die Vermarktung von Äpfeln aus Baden-Württemberg stand 2025 unter besonderen Vorzeichen: „Nahezu die Hälfte aller deutschen Äpfel, die 2025 verkauft wurden, kamen aus Baden-Württemberg. Im Gegensatz zu vielen anderen Apfelregion in Deutschland blieb der Südwesten im Jahr 2024 von größeren Hagel- und Frostschäden verschont und verzeichnete daher eine gute Ernte“, betont Theileis. 

Er verweist darauf, dass die im Herbst geernteten Äpfel bis ins Folgejahr vermarktet werden. 

Die Vermarktungsmenge baden-württembergischer Äpfel stieg 2025 um 20 Prozent auf mehr als 218.000 Tonnen. Der Umsatz der Genossenschaften erhöhte sich parallel dazu auf 157 Millionen Euro. 

Nach wie vor steht bei den Äpfeln die Sorte Elstar ganz oben in der Gunst der Verbraucherinnen und Verbraucher, gefolgt von Gala und Jonagold sowie Braeburn. 

„Die Erzeuger bauen vermehrt auch international erfolgreiche Clubsorten wie Sprizzle oder Kanzi an. Außerdem gewinnen robuste und schorfresistente Apfelsorten weiter an Bedeutung“, so Theileis.


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Die Apfelernte 2025 in Baden-Württemberg liegt leicht unter der guten Vorjahresmenge: Die Apfelbauern im Land haben rund 387.000 Tonnen geerntet (Vorjahr: 395.000 Tonnen). 

Der Vermarkungsdruck wird aber größer gegenüber dem Vorjahr werden. Denn deutschlandweit wurde mit 1,14 Millionen Tonnen die zweitgrößte Apfelernte der zurückliegenden zehn Jahre eingeholt. Zum Vergleich: 2024 lag sie bei 872.000 Tonnen. 

Theileis: „Die Versorgung mit Äpfeln aus Deutschland und auch aus Baden-Württemberg ist somit für das kommende Jahr sichergestellt. Es gibt keinen Grund, im Supermarkt nicht zu heimischen und regionalen Äpfeln zu greifen. Damit werden die Erzeuger vor der eigenen Haustür und unsere besonderen Umwelt- und Kulturlandschaften unterstützt. Außerdem sind vor dem Hintergrund der Energiepreiskrise kurze Transportwege sinnvoller denn je.“ 

Außerdem berichten die Erzeuger von einer sehr guten Qualität der heimischen Äpfel: „Die Fruchtfleischfestigkeit und das Zucker-Säure-Verhältnis liegen auf einem sehr guten Niveau“, betont Nüssle.


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Zwetschgenmenge rückläufig

Rückläufige Vermarktungsmengen verzeichnen die baden-württembergischen Genossenschaften bei den Zwetschgen: Sie sank um 2,3 Tonnen oder 19 Prozent auf rund 9.800 Tonnen. 

Trotz eines etwas höheren Kilopreises – er stieg von 0,72 Euro auf 0,79 Euro – reduzierte sich der Umsatz um 10 Prozent auf 7,8 Millionen Euro. Aufgrund eines überdurchschnittlich großen Zwetschgenangebots gab es spürbare Vermarkungsprobleme im Jahresverlauf.


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Sinkende Anbaufläche für Erdbeeren und Spargel

Zufrieden zeigen sich die Erzeuger mit der Erdbeersaison 2025 in Baden-Württemberg: Die Menge lag mit 5.000 Tonnen nur leicht (1,2 Prozent) unter Vorjahresniveau. 

Der Umsatz steigerte sich moderat um 4 Prozent auf 19,5 Millionen Euro. Die Erzeugerpreise stiegen auf durchschnittlich 3,89 Euro pro Kilogramm – rund 20 Cent mehr als im Vorjahr. 

Mit 2.387 Hektar Anbaufläche liegt Baden-Württemberg bundesweit an der Spitze, wobei die Anbaufläche seit Jahren rückläufig ist – allein zwischen 2024 und 2025 wurden drei Prozent der Ertragsflächen aus der Produktion genommen. 

„Deutschlandweit ist die Anbaufläche für Erdbeeren in den vier Jahren zwischen 2021 und 2025 um nahezu 23 Prozent zurückgegangen“, verweist Theileis auch auf Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Spargel: Die Anbaufläche im Südwesten nahm innerhalb eines Jahres um 4 Prozent auf rund 1.800 Hektar ab. 

In Folge dessen reduzierte sich die Vermarktungsmenge 2025 trotz guter Witterungsbedingungen um rund 520 Tonnen oder knapp 11 Prozent auf 4.300 Tonnen. 

Die Nachfrage war gut, was zu höheren Erzeugerpreisen führte: Der durchschnittliche Kilopreis lag 2025 bei 7,24 Euro gegenüber 6,28 Euro im Vorjahr. 

In Summe erhöhte sich der Gesamtumsatz um knapp 3 Prozent auf 31,4 Millionen Euro.

Theileis: „Beim Erdbeer- und Spargelanbau zeigen sich deutlich die Folgen der seit Jahren ansteigenden Kosten und der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit. Die stetig abnehmende Anbaufläche ist ein Indiz, dass immer mehr Betriebe einfach aufgeben und sich keine Nachfolge zur Bewirtschaftung der Flächen findet.“

 

Quelle: BWGV

Veröffentlichungsdatum: 23.04.2026

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