fruchtportal.de
Interaktive Nitrat-Karte jetzt online

Proplanta: Nitratbelastung im Grundwasser - Vielerorts Grenzwerte deutlich überschritten

08. April 2026

Proplanta hat die aktuellsten Erhebungen 2024 vom Umweltbundesamt (UBA) zur Nitratbelastung im Grundwasser ausgewertet und auf einer interaktiven Nitrat-Karte visualisiert.

Die Nitratwerte in Deutschland stehen jetzt für den Zeitraum 2016-2024 gebündelt bereit. Sie verdeutlichen die regionalen Unterschiede und Entwicklungen auf einen Blick.


Bildquelle: Pixabay

Die höchste Nitratbelastung 2024 verzeichnete im Mittel der Kreis Viersen in Nordrhein-Westfalen mit 244,8 mg/l, gefolgt vom Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz mit 160,0 mg/l und der kreisfreien Stadt Wolfsburg in Niedersachsen mit 143,34 mg/l. Insgesamt wurde an 24 Prozent der Messstellen der Grenzwert von 50 mg Nitrat/l – teils sogar deutlich – überschritten. 

Proplanta betont ausdrücklich, dass die Nitratbelastung innerhalb eines visualisierten Gebietes stark variieren kann. Dies wird insbesondere bei Proben aus Mecklenburg-Vorpommern deutlich, die eine Spannweite von 0,22-489,9 mg/l Nitrat aufweisen.

Das gesamte EUA-Messnetz zur repräsentativen Beschreibung der Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland umfasst derzeit 1.219 Messstellen (Stand März 2024), wovon 679 den Einfluss der landwirtschaftlichen Nutzung auf die Beschaffenheit des oberflächennahen Grundwassers in Deutschland beschreiben. 2024 wurden davon 646 beprobt.

Sowohl die EU-Nitratrichtlinie (91/676/EWG) und die Grundwasserrichtlinie (2006/118/EG) als auch die entsprechenden deutschen Verordnungen zum Grund- und Trinkwasserschutz (TrinkwV/GrwV) regeln, dass der Nitratgrenzwert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten werden darf, da höhere Konzentrationen ein ernstes Gesundheitsrisiko darstellen.

Am Ende jedes Vierjahreszeitraums ist Deutschland aufgefordert einen Bericht der Europäischen Kommission vorzulegen. Die 1. Mitteilung erfolgte 1996, inzwischen wurde 2024 der 8. EU-Nitratbericht veröffentlicht.

Deutschland ist bereits in den Jahren 2002 und 2018 vom Europäischen Gerichtshof wegen unzureichender Umsetzung der Nitratrichtlinie verurteilt worden. 

2023 konnte die Festsetzung der Zahlung eines Pauschalbetrags von mindestens 17.248.000 Euro und das tägliche Zwangsgeld in Höhe von bis zu 1.108.800 Euro abgewendet werden. 

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hatte eine Reform des Düngegesetzes angestoßen, die strengere Auflagen für landwirtschaftliche Betriebe vorsah. 

Das Vorhaben scheiterte jedoch im Juli 2024 im Bundesrat, wo mehrere Länder insbesondere einen zu hohen bürokratischen Aufwand kritisierten. 

Sein Nachfolger, Alois Rainer (CSU), kündigte daraufhin an, die Vorgaben für Landwirte zu lockern. 

Insbesondere sollten die Betriebe von einer Dokumentationspflicht der Stoffstrombilanz entbunden werden.

Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch – aufgrund des enormen Widerstandes von Landwirten und Verbänden – in seinem Urteil (BVerwG 10 CN 1.25, BVerwG 10 CN 2.25, BVerwG 10 CN 3.25, BVerwG 10 CN 4.25) vom 24. Oktober 2025 ausdrücklich festgestellt, dass die nach § 13a Abs. 2 der Düngeverordnung auferlegten Maßnahmen zur Zielerreichung sowohl erforderlich als auch angemessen sind. 

Gleichzeitig ist die Ausweisung sogenannter „roter Gebiete“ (nitratbelastete Gebiete > 50 mg/l), die an verschärfte Verordnungen geknüpft sind, für verfassungswidrig erklärt worden.

In der Agrarministerkonferenz im März 2026 wird zwar akzentuiert, dass die Vorgaben der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie unabhängig von dieser gerichtlichen Entscheidung eingehalten und umgesetzt werden müssen; aber ein Konzept bzw. Aktionsplan liegt aufgrund der vielschichtigen Belange der einzelnen Bundesländer bislang noch nicht auf dem Tisch. 

Ob die anvisierte Neufassung des § 13a der Düngeverordnung bis 2027 umgesetzt wird, bleibt daher fraglich.


Top Nitratwerte im Grundwasser 2024:

  • Mecklenburg-Vorpommern: 489,9 mg/l
  • Sachsen-Anhalt: 335,0 mg/l
  • Nordrhein-Westfalen: 244,8 mg/l
  • Niedersachen: 193,1 mg/l
  • Rheinland-Pfalz: 160,0 mg/l
  • Brandenburg: 158,5 mg/l
  • Baden-Württemberg: 149,0 mg/l
  • Thüringen: 144,0 mg/l
  • Sachsen: 140,0 mg/l
  • Hessen: 140,0 mg/l
  • Bayern: 110,0 mg/l
  • Schleswig-Holstein: 97,7 mg/l
  • Saarland: 37,0 mg/l

Interaktive Nitrat-Karte


Quelle: Proplanta GmbH & Co. KG

Veröffentlichungsdatum: 08.04.2026

Fruchtportal © 2004 - 2026
Online Fachzeitschrift für den internationalen Handel mit frischem Obst und Gemüse