Schweiz: Vom Abfall zum Rohstoff - Bauern recyceln mehr Plastik
Im vergangenen Jahr sammelte das freiwillige Rücknahmesystem ERDE Schweiz 2’660 Tonnen Agrarkunststoffe – rund ein Drittel der in der Schweiz verbrauchten Menge. Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz benötigen pro Jahr zwischen 6’000 und 8’000 Tonnen Agrarkunststoffe.
Dazu gehören Siloflachfolien, Unterziehfolien, Netzersatzfolien, aber auch Rundballennetze oder Pressgarneberichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID).

127 Sammelstellen sammeln Silofolien und andere Agrarkunststoffe für die Wiederverwertung. (Foto © ERDE Schweiz)
Siloballen bieten den Landwirtinnen und Landwirten eine hohe Flexibilität: Sie lassen sich witterungsunabhängig konservieren, sind leicht zu transportieren und einfach zu portionieren.
Doch dabei fällt auch eine Menge Plastikabfall an. In der Schweiz werden Agrarkunststoffe seit einigen Jahren gesammelt, seit 2021 über das System ERDE Schweiz.
Daran beteiligt sind neben Landwirtinnen und Landwirten auch Hersteller und Betreiber von Sammelstellen. Unterstützt wird das System unter anderem vom Schweizer Bauernverband und vom Lohnunternehmerverband.
So funktioniert der Kreislauf
Seit der Übernahme des Vorgängersystems RESI konnte die Sammelmenge kontinuierlich gesteigert werden: Über 2’660 Tonnen Agrarkunststoffe wurden im Jahr gesammelt und Silo- und Stretchfolien dem Recycling zugeführt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 6,5 Prozent.
Doch was geschieht mit dem gesammelten Plastik? Landwirtinnen und Landwirte bringen es freiwillig und grob gereinigt zu einer der 127 Sammelstellen. Diese werden von Landwirtinnen und Landwirten, Lohnunternehmern, Entsorgungsbetrieben oder Maschinenringen betrieben.
Die gesammelten Kunststoffe werden anschliessend zu Ballen gepresst und an Recyclingbetriebe weitergegeben, wo sie als Rohstoffe für neue Produkte dienen. Man spricht dabei von sogenanntem Sekundärmaterial.
Im Gegensatz dazu basiert Primärmaterial auf Erdöl. «Silofolie aus Sekundärmaterial ist rund 10 bis 20 Prozent teurer als die neue», erklärt Kurt Röschli, Präsident von ERDE Schweiz. Der Preisunterschied liegt vor allem am aktuell tiefen Preis der Neuware.
Die Herstellung von Rezyklaten ist aufwendig, da Sammlung, Transport und Aufbereitung der Folien Kosten verursachen, die sich kaum weiter reduzieren lassen.
Europäischer Recyclingmarkt unter Druck
Aus dem recycelten Kunststoff entstehen längst nicht nur Silofolien. Die Nachfrage nach Recyclingkunstoff sei jedoch stark abhängig vom Erdölpreis, sagt Kurt Röschli. Ist das Erdöl günstig, werden mehr Produkte aus Primärrohstoff hergestellt.
Grundsätzlich sei weltweit ein Anstieg der Nachfrage nach Recyclingmaterial zu verzeichnen, der insbesondere durch intensivierte behördliche Eingriffe und regulatorische Massnahmen begünstigt werde.
«Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Lage der Recycler in ganz Europa schwierig», sagt Hannah von Ballmoos-Hofer, Co-Leiterin Energie und Umwelt beim Schweizer Bauernverband.
Die Preise für Recyclingkunststoffe stehen stark unter Druck.
Viele Recyclingbetriebe kämpfen mit der Konkurrenz der am Markt verfügbaren sehr günstigen Kunststoffimporten aus Asien und Amerika, was den Absatz von Rezyklaten erschwert – dazu kommen zusätzlich hohe Energie- und Verarbeitungskosten.
Dadurch ist der Markt derzeit angespannt und die Nachfrage nach Recyclingmaterial ungewöhnlich tief.
In Deutschland warnt die Branche vor einem möglichen Zusammenbruch des Kunststoffrecyclings. Eine Welle von Anlagenschliessungen in Europa bedrohe die gesamte Wertschöpfungskette, so der Fachverband Kunststoffrecycling in Deutschland.
Neben dem Konkurrenzdruck durch günstigere Importmaterialien kämpft die europäische Recyclingindustrie mit steigenden Energiekosten und höheren Preisen für Abfallinput.
Zudem fehlt bei importierten Materialien oft die Transparenz hinsichtlich Herkunft und Nachhaltigkeit.
«Gleichzeitig sieht ERDE Schweiz eine wichtige Herausforderung darin, die Recyclingkapazitäten in Europa zu erhalten, um langfristig eine umweltgerechte Verwertung der Kunststoffe innerhalb Europas sicherzustellen», sagt Kurt Röschli.
Günstiger als Verbrennen
Durch das Recycling und die Wiederverwendung von Agrarkunststoffen konnten laut Schweizer Bauernverband 1’387 Tonnen CO2 eingespart werden.
Der Transport fällt dabei kaum ins Gewicht – der grösste Effekt entsteht durch die Vermeidung der energieintensiven Neuproduktion.
Derzeit wird in der Schweiz bereits – oder erst – ein Drittel der gebrauchten Silofolien recycelt. ERDE Schweiz ist ein freiwilliges System und soll es auch bleiben. Entsorgt ein Landwirtschaftsbetrieb die Silofolie in einer Kehrichtverbrennungsanlage (KVA), so kostet ihn dies 110 bis 210 Franken pro Tonne.
Die Kosten können je nach Region und Saison unterschiedlich sein. ERDE Schweiz unterstützt Sammelstellen finanziell bei der Sammlung und dem Recycling der Folien.
Ziel ist, dass die Abgabe der Folien bei einer Sammelstelle rund 30 Prozent günstiger ist als die Entsorgung in einer KVA.
«Gerade in Zeiten starker Marktschwankungen ist ein stabiles und effizientes System hilfreich, das Angebot einer umweltgerechten Verwertung der Agrarkunststoffe für die Landwirte weiterhin attraktiv zu gestalten», sagt Hannah von Ballmoos-Hofer. «Das Potenzial bleibt weiterhin gross», ist Kurt Röschli überzeugt.
Gemeinsam mit dem Systembetreiber RIGK sucht Erde Schweiz weitere Sammelstellen, um zusätzliche Regionen abzudecken. «Das Recycling von Agrarkunststoffen leistet einen klaren Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz», betont er.
Quelle: LID
Veröffentlichungsdatum: 23.03.2026