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Die zweite Welle der Blaubeerbranche: „Anpassen oder zurückbleiben“

26. Februar 2026

Die peruanische Blaubeerindustrie steht vor ihrer größten strukturellen Transformation, sagt José Antonio Gómez Bazán. Die globale Blaubeerbranche, insbesondere die peruanische, durchläuft eine Phase radikaler Veränderungen. Nur jene, die sich rechtzeitig an das neue Paradigma anpassen, werden überleben, berichtet Agencia Agraria de Noticias Peru.


Bildquelle: Pixabay

So sieht es José Antonio Gómez Bazán, ehemaliger CEO von Camposol, der warnt, dass die sogenannte „zweite Welle“ die Spielregeln völlig verändert hat.

„Vor einigen Jahren war das Geschäft einfach: Schnelles Anpflanzen, rasche Skalierung und den richtigen Moment nutzen – das entschied über Sieg oder Niederlage. Diese Welt existiert nicht mehr“, so der Experte. 

Heute ist das Geschäft komplexer, weniger nachsichtig und im Wesentlichen strategischer. Der Schlüssel liegt nicht mehr nur in Genetik oder Qualität, sondern in Zugang, Geschwindigkeit und der Struktur des Geschäftsmodells.  

Vom Außergewöhnlichen zur Norm: Der Aufstieg der Premium-Heidelbeeren  

Der Wendepunkt ist deutlich: 51 % der peruanischen Heidelbeerexporte sind heute Premium-Sorten. Was einst ein Privileg war, ist nun der Standard und verliert damit seinen Wert als Unterscheidungsmerkmal. 

Premium ist nicht mehr knapp und kann daher keine außergewöhnlichen Preise für alle aufrechterhalten. Qualität ist nach wie vor wichtig, aber die Latte liegt nun viel höher“, erklärt Gómez Bazán.

Die Entstehung von Sortenclubs  

In diesem neuen Szenario spielen sogenannte „Sortenclubs“ eine entscheidende Rolle. Diese geschlossenen Ökosysteme, in denen Produzent, Züchter und Vermarkter aufeinander abgestimmt sind, legen fest, wer anbauen darf, wie viel und über welche Kanäle verkauft werden kann.  

„Ein wachsender Teil des Premium-Volumens bewegt sich nicht mehr auf offenen Märkten, sondern in geschlossenen Ökosystemen, in denen Produzent, Züchter und Vermarkter eng zusammenarbeiten. Diese Vereinbarungen legen nicht nur die Genetik fest; sie definieren, wer anbauen darf, wie viel angebaut werden kann und über welche Kanäle die Früchte verkauft werden dürfen. In der Praxis ist der Premiummarkt kein freier Markt mehr“, betont Gómez Bazán. 

„Von diesen Clubs ausgeschlossen zu sein, bedeutet den Verlust von Zugang und damit auch der kommerziellen Relevanz.“  

Der Niedergang traditioneller Sorten  

Ikonische Sorten wie Biloxi, Ventura und Emerald, die die anfängliche Expansion Perus antrieben, zeigen angesichts des neuen Standards Ermüdungserscheinungen. 

„Sie werden nicht über Nacht verschwinden, aber sie verlieren an Wettbewerbsfähigkeit bei Preis, Präferenz und Zugang zu Premium-Kanälen. Produzenten, die auf sie setzen, werden mit schmaleren Margen und zunehmenden Einschränkungen konfrontiert sein“, warnt Gómez Bazán.  

Die eigentliche Herausforderung: Kapital, Zugang und Geschwindigkeit  

Die größte Hürde ist nicht das Wissen, was gepflanzt werden soll, sondern die Verfügbarkeit von Kapital und die Agilität, den Wandel rechtzeitig zu vollziehen. 

„Die Sortenumstellung erfordert Ressourcen, Timing und Umsetzung. Nicht jeder ist darauf vorbereitet“, betont er. 

„Die Branche spricht viel über Genetik, aber wenig über das Entscheidende: Der Mangel an rechtzeitigem Kapital und langsame Entscheidungsprozesse sind schädlicher als agronomische Unkenntnis.“  

Die Branche hat sich bereits verändert. Es geht nicht mehr nur darum, ob bessere Früchte produziert werden, sondern ob das notwendige Kapital, der Zugang und die Geschwindigkeit vorhanden sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die zweite Welle ist bereits da“, stellt Gómez Bazán fest.


Quelle: Agraria.pe

 

Veröffentlichungsdatum: 26.02.2026

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