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Podiumsdiskussion zur Frischwarenlogistik

Global Coalition of Fresh Produce: Resilienz in unvorhersehbaren Zeiten aufbauen

16. Februar 2026

Während die Frischobst- und -gemüsebranche auf dem Weg ins Jahr 2026 ist, sieht sie sich weiterhin systemischer Volatilität ausgesetzt: veränderte Handelsströme, geopolitische Erschütterungen und unvorhersehbare regulatorische Rahmenbedingungen.

Auf dem Logistics Hub der Fruit Logistica versammelten Branchenführer der Global Coalition of Fresh Produce, um zu erörtern, wie sich diese Belastungen auf Frachtraten, Kapazitäten, Zuverlässigkeit und die Unversehrtheit verderblicher Güter auswirken. 


(v.l.n.r.): Alexis Taylor, IFPA; Dirk Hoffmann, DP World; Tineke van de Voorde, Hafen Antwerpen-Brügge; Werner van Rooyen, FPEF und SFA; Steve Alaerts, Foodcareplus und IFPA. (Foto © Global Coalition of Fresh Produce)

Unter der Moderation von Steve Alaerts (Foodcareplus, Belgien, Vorsitzender des Supply Chain Council der International Fresh Produce Association, IFPA) erstreckte sich die Diskussion über Fragen wie „Welche Herausforderungen stehen wir heute gegenüber?“, „Wie könnte ein resilienteres Modell für die Frischwarenlogistik aussehen?“ bis hin zu „Was können wir konkret tun, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.“

Greg Palmer, Vorsitzender der Koalition und Vizepräsident für Handel und Marktentwicklung der kanadischen  Obst- und Gemüsevermarktungs-Vereinigung (Produce Marketing Association, CPMA), nannte drei häufige Störfaktoren in der Lieferkette: zunehmende Transportverzögerungen, volatile Zollstrukturen bei Importen und die Zunahme von Cyberkriminalität. Ihm zufolge sind für globale Versender heute digitale Rückverfolgbarkeit und Transparenz am wichtigsten; darüber hinaus besteht ein dringender Bedarf, Kapazität und Geschwindigkeit in weltweiten Schifffahrtsrouten zu verbessern.


Bildquelle: Pixabay

Werner van Rooyen, COO des Fresh Produce Exporters’ Forum (FPEF) Südafrikas und Leiter der Arbeitsgruppe für Logistik der Southern Hemisphere Fruit Alliance (SFA), forderte mehr Transparenz und Vorhersehbarkeit im Umgang aller Akteure der Logistikkette. Klare und stabile Preise, Vertragsbedingungen und Serviceleistungen seien eine Grundlage für nachhaltige, widerstandsfähige Lieferketten. Ein weiterer zentraler Vorschlag ist die Priorisierung von Frischware: Obst und Gemüse sind leicht verderbliche Produkte und sollten bei Verschiffung, Handhabung sowie Hafenabfertigung und Zollverfahren Vorrang vor nicht verderblicher Ware erhalten.

Tineke van de Voorde, Key Account Managerin für Shippers & Forwarders im Hafen Antwerpen-Brügge, betonte die entscheidende Rolle der Hafenbehörden als „Vernetzer“ zwischen den Akteuren der Lieferkette. Ihre Kernbotschaft war ein Appell zum Handeln: Kooperation entlang der Kette kann helfen, große Herausforderungen zu bewältigen. Hafenstaus beispielsweise erfordern, dass Hafenbehörden eine zentrale Vermittlerrolle im Informationsfluss zwischen den Beteiligten einnehmen.

Dirk Hoffmann, Reefer Manager bei DP World, warnte das Publikum deutlich: Der Klimawandel ist keine ferne Zukunftsmusik – er findet bereits statt. Die Frischwarenbranche muss dringend innovative Lösungen entwickeln, um ihren logistischen Fußabdruck zu verringern. Als Beispiel nannte er den neu eingeführten DP World Atlas-Service, der Marokko mit Belgien und Großbritannien verbindet und bis zu 150.000 Tonnen Frischware vom Land auf See verlagert – was die CO₂-Emissionen um etwa 70 % reduziert.

Alexis Taylor, Chief Global Policy Officer der International Fresh Produce Association (IFPA), schloss den Kreis, indem er die Branchenorganisationen einbezog. Aus Taylors Sicht können diese Gruppen dazu beitragen, widerstandsfähigere Lieferketten zu realisieren, indem sie gemeinsame Good Practices entwickeln und fördern: Standards, Instrumente und Verhaltensweisen, die Transparenz, Effizienz und Fairness entlang der gesamten Lieferkette stärken. Ein Paradebeispiel ist IFPA’s „Supply Chain of the Future“, das funktionale Lösungen bietet, um sicherzustellen, dass Frischwaren nahtlos vom Erzeuger zum Verbraucher gelangen.

Wie geht es von hier aus weiter?

Alaerts griff die Eingangsfrage wieder auf: Welche konkreten Maßnahmen können wir ergreifen, um die Vision widerstandsfähiger und effizienter Lieferketten Wirklichkeit werden zu lassen? 

Ein zentraler Punkt war die Notwendigkeit eines grundlegenden Rahmens – einer Sammlung gemeinsamer Werte, Prinzipien oder Leitlinien, die das Verhalten und die Prozesse entlang der Logistikketten untermauern, leiten und fördern. 

Durch die Beachtung der Prinzipien Zusammenarbeit, Transparenz und Fairness könnte dieser Rahmen Silos aufbrechen, ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache schaffen sowie Handlungen auf das gemeinsame Ziel ausrichten: effiziente, widerstandsfähige globale Logistikketten, die hochwertige Frischwaren vom Erzeuger zum Verbraucher bringen – mit weniger Verschwendung und fairem Ertrag für alle.

Alaerts abschließende Bemerkung war eine Einladung an alle Beteiligten an der Frischwarenlogistik, gemeinsam einen grundlegenden Wertekatalog zu entwickeln, um die globalen Lieferketten zu verankern und zu transformieren.

 

 

Veröffentlichungsdatum: 16.02.2026

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