fruchtportal.de
Fruchtwelt Bodensee

Stabile Ernte und hohe Qualität treffen im Obstbau auf ein herausforderndes Umfeld

11. Februar 2026

Eine sehr gute Qualität sowie eine stabile Mengenlage zeichnen die Apfelernte für das Jahr 2025 in der Bodenseeregion aus. Mit rund 250.000 Tonnen Tafeläpfeln stammt knapp ein Viertel der nationalen Obstproduktion von insgesamt 1,07 Millionen Tonnen aus dem zweitgrößten Anbaugebiet in Deutschland. 

Europaweit lag die Produktion von Tafeläpfeln 2025 bei rund 10,9 Millionen Tonnen und damit leicht über dem Vorjahr. 


Foto © Messe Friedrichshafen GmbH

„Die Erntequalität wird branchenweit als sehr gut bewertet – mit hoher Festigkeit, ausgewogenem Zucker-Säure-Verhältnis und hervorragendem Geschmack“, berichtet Anja Renz, Geschäftsführerin des Obstregion Bodensee e.V.. Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen für den Obstbau in Deutschland weiterhin anspruchsvoll. 

Steigende Produktionskosten, zunehmende regulatorische Anforderungen und klimatische Risiken belasten die Betriebe, wie Anja Renz betont. Die Fruchtwelt Bodensee bringt die relevanten Akteure aus Erzeugung, Handel, Politik und Wissenschaft vom 20. bis 22. Februar 2026 bei der Messe Friedrichshafen zusammen, um praxisnahe Antworten zu entwickeln.


Foto © Messe Friedrichshafen GmbH

Herausfordernde Rahmenbedingungen für den Obstbau

„Durch die offenen Grenzen konkurrieren wir mit unseren Produkten europa- und weltweit letztlich über den Preis. In unserer handarbeitsintensiven Branche unterscheiden sich die Stundenlöhne jedoch erheblich“, erklärt Thomas Heilig, Vorsitzender des Obstregion Bodensee e.V. und fordert tragbare politische Lösungen wie branchenspezifische Sonderregelungen. 

Auch Anja Renz sieht Handlungsbedarf bei der Wertschöpfung: „Eine größere Teilhabe der Erzeuger am Ladenpreis könnte sehr bei der Bewältigung der gestiegenen Produktionskosten helfen.“ 

Darüber hinaus fordert sie gleiche Wettbewerbsbedingungen, indem einheitliche europäische Standards konsequent auch für Importware gelten, was die heimische Obstproduktion stärke. 

Ebenso bedeutend seien flexiblere Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln, um schneller auf neue Schaderreger reagieren zu können. Als konkrete Unterstützungsinitiative nennt Thomas Heilig unter anderem die Nachhaltigkeitsinitiative FAIRDI, die den Anbau neuer, robuster Sorten fördert, Pflanzenschutzmittel einspart und gleichzeitig eine gerechtere Entlohnung der Erzeuger ermöglichen soll.


Foto © Messe Friedrichshafen GmbH

Ausloten möglicher Lösungen und Strategien

Neben den Produktionsbedingungen beeinflusst auch das Konsumverhalten die Branche. „Der Pro-Kopf-Verbrauch von Tafeläpfeln ist in den vergangenen Jahren spürbar gesunken – von etwa 16 auf unter 14 Kilogramm – während der Importanteil steigt“, beschreibt Anja Renz die momentane Lage, die auch in der Podiumsdiskussion zum Start der Fruchtwelt Bodensee aufgegriffen wird.

Praxisnah sind die Messe-Vorträge zur anstehenden digitalen Dokumentationspflicht, die im Jahr 2027 eingeführt werden soll. „Es macht definitiv Sinn, sich bereits jetzt damit auseinanderzusetzen, denn richtig eingesetzt bringt die digitale Ackerschlagkartei auch einige Vorteile mit sich, wie die Optimierung von Ressourcen, eine detaillierte Auswertung und damit eine verbesserte Betriebsführung. Letztendlich bedeutet es auch eine Zeitersparnis, wenn man seine Analysewerte auf Knopfdruck auswertet“, ist Jürgen Sittner vom Landratsamt Bodenseekreis überzeugt. 

Vier Ackerschlagkarteien, die diese Voraussetzungen erfüllen, werden unter anderem am Messe-Sonntag vorgestellt. Eine weitere Herausforderung für den Obstbau stellt der Klimawandel dar, im Zuge dessen eine bedarfsgerechte Wasserversorgung zunehmend an Bedeutung gewinnt. In einer ganzen Vortragsreihe beleuchtet das KOB am Messe-Samstag die neuesten Entwicklungen.

Wertschöpfung aus Streuobst in einem veränderten Marktumfeld

Mit einer Neuinterpretation von Obstbränden stellen sich die Klein- und Obstbrenner der spürbaren Zurückhaltung des Alkoholkonsums entgegen. 

„Wir wollen zeigen, dass man unsere hochwertigen regionalen Produkte aus Streuobst vielfältig einsetzen kann und sie zu einer modernen Trinkkultur dazugehören“, betont Andreas Metzler, Landesvorsitzender des Verbands der Klein- und Obstbrenner Südwürttemberg-Hohenzollern und berichtet: „Bei unseren Vorträgen auf der Messe zeigen wir, warum unsere fruchtigen Destillate geschmacklich wunderbar in Cocktails passen und wie aus guten Obstbränden durch Fasslagerung Premium-Produkte für die Cocktailbar entstehen.“ 

Außerdem fordert er die Alkoholsteuer auf ein zeitgemäßes Niveau anzuheben: „Die günstigen Spirituosen-Preise auf dem Weltmarkt fördern Missbrauch und schaden dem Ansehen unserer Produkte. Gerade auch im Hinblick auf das Freihandelsabkommen mit Indien und Mercosur. Zumindest eine inflationäre Anpassung wäre dringend nötig“, ist Andreas Metzler überzeugt.

Preise und Öffnungszeiten

Die Fruchtwelt Bodensee ist vom 20. bis 22. Februar 2026 von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 23 Euro, online 19 Euro. Der Ticketshop ist bereits geöffnet. 

Weitere Informationen und das Vortragsprogramm im Detail.

 

Veröffentlichungsdatum: 11.02.2026

Fruchtportal © 2004 - 2026
Online Fachzeitschrift für den internationalen Handel mit frischem Obst und Gemüse