Schweiz: Vielfalt ist zwingend, weil die Landschaft vielfältig ist
In einer vielfältigen Landschaft kann nur eine vielfältige Landwirtschaft die agrarpolitischen Ziele produktiv umsetzen. Vielfalt administrativ gut zu unterstützen, ist jedoch herausfordernd, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID).
«Die Verwaltung erfindet keine eigenen Aufgaben – sie versucht, die Vorgaben der Politik effizient und mit Augenmass umzusetzen,» betont Michael Gysi, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern, im Agrarpolitik-Podcast.
Michael Gysi ist Vorsteher des Amtes für Landwirtschaft und Natur im Kanton Bern – davor war er unter anderem Chef von Agroscope. (Foto © LID / zvg)
«Die Berner Landwirtschaft ist so vielfältig wie die Landschaft, in der sie sich abspielt», findet Michael Gysi, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern.
Zudem sei sie ein Abbild der Schweizer Landwirtschaft, einfach fünfmal kleiner: Bergbetriebe mit Schwerpunkt Futterbau, grosse Talbetriebe mit Ackerbau und typische Jura-Betriebe.
«Eine gute Landwirtschaft passt sich den topografischen und klimatischen Verhältnissen an», sagt Michael Gysi im Agrarpolitik-Podcast.
Vielfalt sei deshalb zwingend und eine Chance – aber auch eine Herausforderung. Nur mit Vielfalt könnten die Ziele umgesetzt werden, welche die Bundesverfassung vorgibt: sichere Versorgung mit Lebensmitteln, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kulturlandschaft sowie dezentrale Besiedlung.
Nutz- und Schutzinteressen in einem Amt vereint
Das Amt für Landwirtschaft und Natur umfasst Abteilungen, die schwergewichtig für den Schutz der Landschaft zuständig sind, und Abteilungen, die schwergewichtig für die Nutzinteressen arbeiten. «Das ist ein Vorteil», ist der Amtsvorsteher überzeugt.
Diskussionen innerhalb der Geschäftsleitung führten oft dazu, dass Schutz und Nutz profitierten, weil die Nutz- und Schutzverantwortlichen sich kennen.
Als Beispiel nennt er einen Bach, der freigelegt und an den Rand einer Parzelle verschoben wurde: «Der Landwirt hat mehr zusammenhängende Nutzfläche und die Biodiversität wird gefördert.»
Unterstützen, nicht lenken
Die Aufgabe seines Amtes sieht Michael Gysi darin, Betriebsleitende zu unterstützen, auch über die Bildung. Diese soll Spezialisierung genauso ermöglichen wie Vielfalt.
«Die Betriebsentwicklung soll individuell entschieden werden», betont er. Sein Amt verfolge keine übergeordneten politischen Ziele. «Matchentscheidend ist die Betriebsleiterin und der Betriebsleiter», findet er.
Manche seien risikofreudig und wollten in einem Gebiet die Besten sein, sie würden sich eher spezialisieren. Manche wollten oder könnten weniger Risiko tragen und würden sich eher breit aufstellen.
Weitere Faktoren seien die Infrastruktur, das Umfeld des Betriebs und die verfügbaren Arbeitskräfte.
Der Bund macht die Politik, die Kantone machen den Vollzug
Über die Konferenz der Landwirtschaftsämter und die Landwirtschaftsdirektorenkonferenz seien die Kantone in die Diskussion über die Agrarpolitik 2030+ einbezogen.
«Grosse Agrarkantone sollen sich zur nationalen Politik äussern», findet Michael Gysi. Der Bund solle jedoch kleine Kantone auch hören. «Das ist für die Landwirtschaft wichtig», denkt er.
Die Aufteilung zwischen Bund und Kantonen findet er gut. «Landwirtschaft ist nationale Politik – sie wird auch über 90 Prozent national finanziert», begründet der Amtsvorsteher. Ausserdem gebe das eine Linie in die kantonale Umsetzung.
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Quelle: LID
Veröffentlichungsdatum: 09.02.2026