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Fruit Logistica Fresh Produce Forum

PPWR - Europas Frischwarenindustrie fordert datengestützte Umsetzungsregelungen und Binnenmarktgarantien

05. Februar 2026

Regulatorische Klarheit, einheitliche Umsetzungsregeln und -zeitpläne sowie der Schutz des Binnenmarktes: Das sind die Hauptforderungen der europäischen Frischwarenbranche im Vorfeld der allgemeinen Anwendung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation).


Foto © Freshfel Europe / Pro Food 

Dies ist das Ergebnis eines Austauschs zwischen der Verpackungsindustrie und Vertretern der Frischwaren-Lieferkette, der auf dem von Freshfel Europe und Pro Food organisierten Fruit Logistica Fresh Produce Forum stattfand.

Laut Branchenvertretern drohen unklare Definitionen, unvorhersehbare und unangemessen lange Umsetzungsfristen sowie ein harmonisierter EU-weiter Ansatz zu höheren Kosten in der gesamten Lieferkette zu führen.

Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, die Verfügbarkeit von frischem Obst und Gemüse sowie letztlich den Konsum gesunder Produkte und das reibungslose Funktionieren des europäischen Binnenmarktes beeinträchtigen.

Diese Punkte wurden auf dem Fresh Produce Forum diskutiert, das gestern während der Fruit Logistica in der Sitzung „Unwrap the PPWR – Auswirkungen, Herausforderungen und Perspektiven für die Frischobst- und -gemüse-Lieferkette“ stattfand. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von Freshfel Europe und Pro Food organisiert.

Vertreter der Verpackungsindustrie und des Frischwarensektors analysierten den Umsetzungsrahmen der Verordnung, die Rolle delegierter Rechtsakte und künftiger Leitlinien sowie die wichtigsten operativen und wirtschaftlichen Herausforderungen, denen die Branche in den kommenden Jahren gegenüberstehen wird.


Foto © Freshfel Europe / Pro Food 

Die Veranstaltung wurde von Philippe Binard, Generaldelegierter von Freshfel Europe, eröffnet – dem europäischen Verband, der die gesamte Frischwarenlieferkette von Produktion bis Distribution vertritt.

In seiner Einführung gab Freshfel Europe einen umfassenden Überblick über die PPWR-Verordnung und wies auf die Umsetzungszeitpläne sowie die spezifischen Auswirkungen auf den Frischobst- und -gemüsesektor hin.

„Ein Sektor, der nur einen geringen Anteil an der europäischen Lebensmittelverpackung ausmacht, aber stark von der PPWR betroffen ist und im Vergleich zu anderen Sektoren mit höherem Verpackungsanteil benachteiligt wurde. Verpackungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der Produktqualität, Lebensmittelsicherheit und Abfallvermeidung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Maria Pamies Vallvé, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Freshfel Europe, erläuterte anschließend die Umsetzungsaspekte der Verordnung und skizzierte die Fortschritte bei den delegierten Rechtsakten sowie die künftigen Leitlinien zur Implementierung.

Sie hob dabei auch die kritischen Punkte hervor, die in der kürzlich von der Europäischen Kommission durchgeführten EFSA-Erhebung identifiziert wurden, und betonte die Notwendigkeit eines konsistenten, datengestützten Ansatzes sowie einer stärkeren Ausrichtung auf die besonderen operativen Gegebenheiten der Frischobst- und -gemüselieferkette.

Roberto Zanichelli, Mitglied des Kommunikationsausschusses von Pro Food – der Produktgruppe innerhalb der italienischen Vereinigung für Gummi und Kunststoff (Federazione Gomma Plastica), die Hersteller von Verpackungen für Frischwaren vertritt – nahm ebenfalls an der Diskussion teil.

Zanichelli betonte, dass die Branche Regulierungen grundsätzlich nicht ablehne, jedoch fordere, dass die Umsetzung der PPWR auf einem pragmatischen, evidenzbasierten Ansatz basiere, insbesondere unter Nutzung von Lebenszyklusanalysen (LCA).
Dies solle vermeiden, dass ideologische Entscheidungen getroffen werden, die Lebensmittelverschwendung erhöhen und die Gesamtnachhaltigkeit der Lieferkette gefährden könnten.

Er wies außerdem auf die erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Verordnung hin und betonte, dass das Fehlen klarer und stabiler Definitionen in den delegierten Rechtsakten zu hohen Umstellungskosten, fehlgeleiteten Investitionen und größerer Unsicherheit für die Unternehmen führen könne – mit potenziell negativen Folgen für die Nachhaltigkeit des Sektors.

Weiterhin lenkte er die Aufmerksamkeit auf kritische Fragen im Zusammenhang mit Anhang V und differenzierten nationalen Ausnahmelisten, die das Prinzip des EU-Binnenmarkts gefährden und zu regulatorischer Zersplitterung führen könnten.

Auch Marzia Scopelliti, Senior Public Affairs Manager bei EUROPEN – der europäischen Organisation, die die gesamte Wertschöpfungskette der Verpackungsindustrie vertritt – sprach auf dem Forum.

In ihrem Beitrag hob Scopelliti hervor, dass die Phase der Ausarbeitung delegierter Rechtsakte und Durchführungsleitlinien entscheidend für regulatorische Klarheit, Konsistenz und Vorhersehbarkeit sei.

Diese Bedingungen seien essenziell, damit Unternehmen der Lieferkette Investitionen und operative Compliance innerhalb eines sicheren Rechtsrahmens planen könnten.


Foto © Freshfel Europe / Pro Food 

Ein zentrales Thema der Diskussion war das Risiko einer Fragmentierung innerhalb des europäischen Binnenmarktes. Hierzu brachte Ann De Craene als Vertreterin des VBT die Befürchtungen der Frischobst- und -gemüse-Erzeuger hinsichtlich der Möglichkeit zur Sprache, dass Mitgliedstaaten unterschiedliche nationale Ausnahmelisten für Obst- und Gemüseprodukte einführen könnten.

Ein solches Szenario würde das Risiko wettbewerbsverzerrender Maßnahmen und Hindernisse für den freien Warenverkehr bergen und das reibungslose Funktionieren des europäischen Binnenmarktes gefährden.


Foto © Freshfel Europe / Pro Food 

Am Ende der Sitzung zeichnete sich eine branchenübergreifende gemeinsame Position ab: „Ohne einen harmonisierten EU-weiten Ansatz und eine objektive Bewertung der Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialauswirkungen verschiedener Verpackungslösungen könnte die Umsetzung der PPWR zu erhöhten Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette führen.“

„Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, die Verfügbarkeit von frischem Obst und Gemüse sowie letztlich die Verbrauchsquoten beeinträchtigen, die in vielen europäischen Ländern bereits rückläufig sind – ohne greifbare Umweltvorteile zu bringen.“

 

Bevor die PPWR allgemein anwendbar wird – geplant für die zweite Hälfte des Jahres 2026 – fordert die europäische Frischwarenbranche die Umsetzung datengestützter Verordnungen, die den Binnenmarkt schützen können.

„Dieses Ziel kann durch die umfassende Einbindung der Interessengruppen und durch die Ausrichtung der Maßnahmen auf ökologische Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit und den Schutz des europäischen Binnenmarktes erreicht werden.“

 

Veröffentlichungsdatum: 05.02.2026

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