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Mindestpreis von 60 Cent/kg gefordert

Ein Viertel weniger Äpfel in der Steiermark erwartet - Klimawandel hinterlässt Spuren

07. September 2023

Die Apfelernte in der Steiermark fällt aufgrund von Spätfrösten und verregnetem Blühwetter vermutlich um ein Viertel kleiner aus als im Jahr davor. Die Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark rechnet mit einer diesjährigen Gesamtproduktion von 111.000 t, die für die Versorgung der heimischen Bevölkerung ausreichen soll.

Foto © LK Steiermark/Foto Fischer
Apfelernte heuer geringer, aber Versorgung ist gesichert. Präsident Franz Titschenbacher, Vizepräsidentin Maria Pein, Apfelprinzessin Helene I., Obstbauer Martin Gschweitl und Obstbaupräsident der steirischen und österreichischen Obstbauern Manfred Kohlfürst (v.l.n.r.) Foto © LK Steiermark/Foto Fischer

Titschenbacher fordert Mindestpreis von 60 Cent/kg

Während die Haupternte in den nächsten vier Wochen erwartet wird, werden bereits jetzt die Sorten Gala und Elstar geerntet. "Genügend Regen und die in der zweiten Augusthälfte hohen Temperaturen lassen saftige Äpfel mit besonders gutem Geschmack erwarten", verweist LK Steiermark-Präsident Franz Titschenbacher gleichzeitig auf einen enormen Preisdruck, "der jahrelang in voller Härte auf den Schultern der Obstbauern lastet und sich drastisch in einem Rückgang der Obstbauflächen und Betriebe zeigt". Titschenbacher appelliert für einen Drittel-Anteil in der Wertschöpfungskette oder für einen Auszahlungspreis von mindestens 60 Cent/kg Äpfel, so das Agrarisches Informationszentrum aiz.info.
 
Krasse Schieflage: Gewinne bleiben woanders hängen
 
"Obwohl die heimischen Obstbauern beste Qualität anbieten, maximale Produktionsstandards erfüllen und ein enormes Risiko tragen, haben sie leider mit mageren 23,7% den mit Abstand geringsten Anteil in der Wertschöpfungskette der Branche. Die aktuelle Juni-Erhebung der LK Steiermark zeigt, dass die Obstbauern im Schnitt karge 45 Cent/kg für beste Qualität bezahlt bekommen, obwohl die Produktionskosten bei mindestens 60 Cent liegen - um entscheidende 15 Cent/kg zu wenig", rechnet Titschenbacher vor. "Besonders problematisch ist, dass die Erzeugerpreise für die Obstbauern für die Ernte 2022 gegenüber 2021 trotz erheblich gestiegener Produktionskosten - seit 2020 sind diese im Schnitt um 35,2% hinaufgeschossen - sogar um 5 Cent gefallen sind. Nicht zuletzt durch diesen enormen Preisdruck sind seit 2010 die Obstbauflächen in der Steiermark um 23,5%, von 6.262 auf 4.790 ha zurückgegangen, wie Daten aus dem Mehrfachantrag zeigen", führt Titschenbacher weiter aus.

GRafik © LK Steiermark-Pfeiler
© LK Steiermark-Pfeiler
 
Mit dem anstehenden Generationenwechsel könnten sogar noch mehr Obstbaubetriebe die Weichen in Richtung Aussteigen stellen. Titschenbacher richtet sich an die Partner der Wertschöpfungskette: "Ein Weiter wie bisher geht nicht. Die Obstbauern brauchen Luft zum Atmen und somit betriebswirtschaftlich vertretbare Auszahlungspreise. Ein Drittelanteil an der Wertschöpfungskette für die Bauern oder zumindest 60 Cent/kg sind dringendst erforderlich. Auch in anderen Sparten wie beispielsweise bei Milch ist dies möglich." Und er warnt: "Wird den Obstbauern dieser faire Erlösanteil nicht zugestanden, steht sogar die für unser Land so wichtige Eigenversorgung auf dem Spiel."

Obstbauern steuern aktiv mit Resilienz-Maßnahmen gegen multiple Herausforderungen
 
"Die Apfelproduktion ist eine 10 bis 15-jährige kapitalintensive Langzeit-Investition mit besonders hohem Risiko. Die schwierige Preissituation, die dramatisch gestiegenen Produktionskosten, die Klimakrise und den unfairen Wettbewerb in der EU bei den Arbeitskräften - Österreich hat die höchsten Lohn- und Sozialstandards - bewirken bei den Obstbauern eine große Verunsicherung und bringen sie in arge Bedrängnis", sagt auch Manfred Kohlfürst, Präsident des steirischen und österreichischen Obstbauverbands und selbst Obstproduzent.
 
Er betont aber insbesondere, dass die Obstbauern trotz der äußerst angespannten Lage mit zahlreichen Resilienz-Maßnahmen aktiv gegen die multiplen Herausforderungen steuern. Diese sind etwa der Anbau neuer Sorten mit geringerer Krankheitsanfälligkeit, guter Frostwiderstandsfähigkeit und hoher Marktakzeptanz.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Quelle: aiz.info / Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark

 

Veröffentlichungsdatum: 07.09.2023

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