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Was Speditionen jetzt machen können um dem Fahrermangel vorzubeugen

22. Oktober 2021

Als EU-Mitglieder sehen wir uns die Situation in Großbritannien grade nicht ohne Schadenfreude an. Lieferengpässe haben in der Inselnation dazu geführt, dass Supermärkte leer stehen und Treibstoff knapp wird. Doch so gerne wir uns die Probleme in England und Schottland als etwas ansehen würden, das uns nicht betrifft, ist das leider Wunschdenken, schreibt das Startup Truckerdata.io.
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Natürlich, der Brexit spielt eine große Rolle in alldem, seinetwegen mussten viele Fahrer aus anderen europäischen Nationen das Land verlassen, was die Fahrerzahlen drastisch reduziert hat, doch ist er bei weitem nicht allein für die Wirtschaftskrise in Großbritannien verantwortlich. Und leider fassen viele der Probleme, die die britische Wirtschaft jetzt belasten, auch hier schon lange Fuß.

Fahrermangel in der Transportbranche ist ein weitreichendes Problem, mit dem wir in Europa alle zu kämpfen haben. Laut Branchenquellen sind schon allein in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Fahrer zu wenig unterwegs. Während ältere Fahrer in Rente gehen, rückt gerade mal die Hälfte nach. Aus Fahrermangel entstehen Engpässe. Und während die Trucker:innen die Industrie verlassen, steigt der Bedarf an Lieferungen mit unserer immer weiter dezentralisierten Wirtschaft konstant an. Während aus weniger wohlhabenden Ländern in Europa wie Polen, Tschechien und der Slowakei zu importieren die Krise aufgeschoben hat, müssen Spediteure sich jetzt den Fakten stellen.

Es ist immer schwieriger geworden, Berufskraftfahrer zu rekrutieren. Das ist verständlich, es ist ein Beruf, der größere persönliche Investition als die meisten anderen braucht. Die meisten Arbeitstage enden aus rein logistischen Gründen nicht damit, dass man sich zu Hause aufs Sofa wirft. Auch sind die Qualifikationen für den Beruf hoch, proportional zum Arbeitsaufwand zu hoch für viele. Noch vor einem Jahrzehnt waren deutlich größere Mengen an Lastkraftfahrern verfügbar, da viele diesen Sonderführerschein als Teil der Wehrpflicht automatisch erhalten haben. Da die Wehrpflicht jetzt jedoch Geschichte ist, ist der Beruf heutzutage schwerer zu erreichen.

Während viele Ideen, dem Problem beizukommen, nur durch den Gesetzgeber umgesetzt werden können, gibt es auch vieles, was Betriebe selbst tun können, um es Neueinsteigern zu erleichtern, in die Branche zu kommen, und zugleich bereits etablierten Fahrern den Alltag angenehmer zu machen. Wir haben uns angehört, was Fahrer und andere Experten aus der Branche zu dem Thema zu sagen haben und ihr Feedback ausgewertet.

Löhne erhöhen

Die Löhne zu erhöhen wirkt natürlich direkt wie der beste Weg, neue Arbeiter für die Industrie zu begeistern. Höhere Löhne bedeuten auch, dass Leute eher bereit sind, erst eine Ausbildung zu machen, bevor sie sich in den Beruf wagen. Doch ist das Kernproblem etwas komplexer als nur “zu niedrige Löhne”. Löhne fühlen sich so niedrig an, da der Aufwand, den der Beruf Tag für Tag beinhaltet, einfach nicht proportional zur Bezahlung ist. Und auf das Problem nur mit höherem Lohn zu reagieren und nicht mit Verbesserungen der Arbeitsbedingungen ist einfach nicht ausreichend.

Ja, natürlich sind Löhne für Fahrer zu niedrig. Hier handelt es sich um ein Problem, das ohne Zweifel angesprochen werden muss, um die Transportkrise zu lösen. Doch sich nur auf das Gehalt zu konzentrieren ist auch keine Lösung, sondern bestenfalls ein Schmerzensgeld. Es gibt noch viel mehr zu tun, um neue Fahrer:innen in die Branche zu holen.

Besserer Umgang mit Fahrer:innen

Der Beruf des Berufskraftfahrers hat einen schlechten Ruf. Das ist nicht die Schuld der Fahrer selbst, sondern eher der Tatsache, dass Laster, besonders unter Autofahrern, als nervig angesehen werden. Dazu kommen teils berechtigte Sorgen wegen dem Umweltaufwand, den der Transport in Lastkraftwägen mit sich bringt, sowie Vorurteile, die von den Medien schon seit Jahrzehnten über Trucker verbreitet wurden. Wer sich unter Trucker:innen umhört, findet viele Horrorgeschichten davon, wie Berufskraftfahrer auf Raststätten grundlos angepöbelt werden.

Da hilft es nicht, dass Fahrer auch in ihren Firmen oft mit weniger Respekt als anderen Elemente der Logistikkette betrachtet werden. Sie sollten sich als Teil des Unternehmens fühlen, auch wenn sie nicht in den Genuss der Bürokultur kommen. Das heißt unter anderem geteilte Nutzung von Freizeiträumen und Cafeterien, wenn sich Trucker in der Zentrale befinden, aber auch Gruppenchats und Kommunikation, die auch über Distanz ein geteiltes Arbeitsklima schaffen können.

Höhere Anerkennung von Fahrern

Um das Trucker-Image zu verbessern ist auch höhere Würdigung von Fahrer:innen auf offizieller und öffentlicher Ebene unverzichtbar. Ohne sie kommt das Produkt nicht beim Endnutzer an und es lohnt, diese Tatsache weiter in den Vordergrund zu rücken. Tatsächlich gibt es bereits existierende Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Image von Berufskraftfahrern zu verbessern, wie beispielsweise PROFI (Pro Fahrer-Image), die gerne mit Firmen für die bessere Darstellung ihrer Fahrer zusammenarbeiten. Solche Kooperationen, sowie die Hervorhebung von Fahrern auf Firmenblogs, in Statusberichten oder in Presseveröffentlichungen können dabei helfen, Fahrer für ihre wichtige Rolle besser anzuerkennen.

Das Altersproblem lösen

Junge Fahrer:innen rücken nicht ausreichend nach, um ihre älteren Kollegen, die die Industrie verlassen, ausreichend zu ersetzen. Das bedeutet, dass der Fahrerberuf mit jedem Jahr älter und schwächer besetzt wird. Speditionen werden sich jetzt immer mehr dieses Problems bewusst und werden in den nächsten Jahren dafür arbeiten müssen, die jüngere Bevölkerung für die Transportbranche zu begeistern.

Besonders unter Haupt- und Realschulabsolventen gibt es viele, die ohne ein klares Ziel oder einen klaren Karrierewunsch ihre Schulzeit abschließen. Gerade an dieses Publikum müssen sich Speditionen wenden. Es muss attraktiver für junge Erwachsene gemacht werden, einen Lastkraftwagen-Führerschein abzuschließen und die mit dem Beruf verbundene Ausbildung abzuschließen. Wenn man der jungen Generation aufzeigen kann, dass sie nach dem Überwinden dieser Hürden die Chance auf einen sicheren Beruf haben, kann das in einer unsicheren Wirtschaftssituation wie der, in der wir uns zurzeit finden, ein überzeugendes Argument für Neueinsteiger sein.

Kooperationen mit weit verbreiteten Unternehmen

Eine Idee, die bei einigen Speditionen bereits Anklang gefunden hat, sind Kooperationen mit größeren Firmen und Franchises, die sowohl Geld bei der Firma sparen, als auch zusätzliche Varianz und Unterhaltung bei den Fahrern hervorbringen können. Das kann heißen, dass man mit Tank- oder Raststätten Werbeverträge abschließt, im Austausch gegen reduzierte Kosten oder Unterkünfte, aber auch dass man Kooperationen mit Essensanbietern oder ähnlichen Firmen in Gang bringt, um Fahrer unterwegs zu reduzierten Preisen zu versorgen.

Solche Kooperationen sind in manchen Speditionen schon gang und gäbe, doch sind natürlich auch nicht in allen Bereichen leicht umzusetzen. Es lohnt jedoch, sich nach Optionen umzusehen, Kooperationen als Option im Blick zu behalten und vielleicht auch einmal um die Ecke zu denken.

Einfachere Organisation durch Digitalisierung

Lastwagen sind unter anderem das physische Ende der digitalen Shopping-Welt. Das heißt aber nicht, dass der Prozess nicht durch digitale Hilfsmittel aufgewertet werden kann. Kooperationen können Truckern beispielsweise mithilfe von digitalen Medien und App-Integrationen klar aufgezeigt werden. Auch können große Teile der Disposition mit hilfe von Technologie vom Fahrer selbst erledigt werden, ohne dass sie aufwändige Koordination mit Logistikern im Büro benötigen. Von der Firma gestellte Smartphones und in Laster integrierte Systeme können Fahrer so in ihrer Pflicht unterstützen und die niedrige Fahrerzahl effektiver nutzen.

Weiterentwicklung des Logistikprozesses

Digitalisierte Organisation kann den Transportprozess angenehmer gestalten, doch gibt es noch viele ungenutzte Optionen, die Macken in der Logistik ausbügeln können. Der massive Erfolg des Startups Trucksters aus Spanien, das jetzt auch in den deutschen Markt eingetreten ist, zeigt, wie weit eine einfache Idee eine Industrie revolutionieren kann. Der Gedanke, mit hilfe von Zwischenstationen, in denen Fahrer ausgewechselt werden, die Ruhezeiten von Transportern drastisch zu reduzieren, hat sofort großen Anklang und zahlreiche Investoren gefunden.

Es lohnt sich für Logistikunternehmen, die Augen nach neuen Startups in der Industrie offenzuhalten. Wenn der Transportprozess effizienter gemacht werden kann, heißt das auf lange Sicht weniger Stress für Fahrer.

Bessere Unterhaltung

Das Truckerleben ist nicht einfach. Fahrer haben oft lange Arbeitszeiten, die recht monoton ausfallen, und sind bei Feierabend meistens nicht an ihrem Wohnort. Da Schwertransporter an radikalere Geschwindigkeitsbegrenzungen gebunden sind, als persönliche Kraftfahrzeuge, und sich größtenteils immer auf derselben Spur bewegen, ist das Fahren zudem auch noch nicht sehr abwechslungsreich.

Während Radio dem Abhilfe schaffen kann, sind heutzutage auch bessere Optionen verfügbar. So könnten Firmen ihren Fahrern beispielsweise Abonnements zu Medien-Streaming-Diensten zur Verfügung stellen, um die langen Fahrten zu überbrücken. Services für Hörbücher und Podcasts bieten sich hier an, aber in Pausen auf sonst eher uninteressanten Autobahnraststätten kann auch Videostreaming für Entspannung sorgen, besonders in Fahrzeugen, die ohnehin mit Bildschirmen ausgestattet sind.

Bessere Gesundheit für Fahrer fördern

Eine unproportional hohe Zahl an Berufskraftfahrern leidet an gesundheitlichen Problemen. Laut Umfragen haben um die 40% der Berufskraftfahrer in Deutschland mit Rückenproblemen zu kämpfen, wobei ähnliche gesundheitliche Mängel, die mit den langen Routen einhergehen nicht viel weniger weit verbreitet sind. Die meisten dieser Probleme gehen natürlich auf den Bewegungsmangel zurück, der bei Langstreckenfahrten unvermeidbar ist, welcher zu Verspannungen führt, die ohne Behandlung chronische Schäden hervorrufen können.

Verspannungen durch Bewegungsmangel kann man natürlich mit Bewegung begegnen, auch eine bessere Ernährung kann helfen. Viele Fitnessstudios haben bereits den ersten Schritt gemacht und bieten Preisvergünstigungen und Kooperationen für Berufskraftfahrer an, die Speditionen nur annehmen müssen. Ähnliches gilt auch für Massagen. Was Ernährung angeht, gibt es Programme wie Mobil Aktiv vom ADAC, die unter anderem auf die gesündesten Produkte bei Raststätten und Fastfood-Ketten hinweisen, auf die sich viele Fahrer für ihre Mahlzeiten verlassen müssen. Auch staatliche Förderung für die Gesundheit von Fahrern steht hier zur Verfügung.

Fahrzeugausstattung modernisieren

Ein moderner Laster ist ein kleines Wunderwerk der Technik. Es gibt verbesserte, vergonomische Sitze, die Schäden am Rücken vorbeugen können, aber auch Flatscreen-Bildschirme, moderne Klimaanlagen, sogar Mikrowellen und Kühlschränke in manchen Modellen. Es gibt vieles, was direkt am Fahrzeug getan werden kann, um den Truck mehr zu einem Zuhause zu machen, eine Rolle, die er für viele Fahrer:innen oft für mehrere Tage am Stück erfüllen muss.

Hier lohnt es auch, Fahrer:innen in die Wahl der Ausstattung einzubeziehen. Fahrer, die bei der Einrichtung ihrer Fahrzeuge eine Hand am Steuer hatten, fühlen sich mehr als Teil der Firma. Zudem wissen sie wohl am besten, was sie auf der Straße brauchen.

Deutschland hat Fahrermangel. Noch ist es hier nicht so schlimm wie in Großbritannien, doch die Zahlen sehen düster aus und werden mit jedem Jahr düsterer. Es gibt vieles, was der Gesetzgeber tun kann, sei es die Anforderungen an den Kraftfahrer-Beruf zu reduzieren oder die Ausbildung zum Berufskraftfahrer mit finanziellen Mitteln zu fördern

Aber Logistikunternehmen können sich nicht nur auf eine Rettung durch die Regierung verlassen. Es gibt vieles, das auf individueller Firmenebene verbessert werden kann, wenn wir die Lieferantenkrise lösen wollen, die auf uns zukommt.

Lesen Sie hier über das Startup Truckerdata.io auf fruchtportal.de:  "Die richtigen Daten zur richtigen Zeit europaweit"

www.truckerdata.io

Quelle: Truckerdata.io

Veröffentlichungsdatum: 22.10.2021

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