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AFC Consulting Group: "Lebensmittel-Lieferdienste verbrennen seit Jahrzehnten das Geld der Anleger"

Geschäftsmodelle haben sich als nicht tragfähig erwiesen
08. April 2021

In Rekordzeit versprechen die neu entstandenen Lieferdienste wie Gorillas oder Flink die Belieferung ihrer Kunden mit Lebensmitteln. Sogar in 10 Minuten sind manche Lebensmittel ausgeliefert. "Die Geschäftsmodelle der Lebensmittel-Lieferdienste bergen für Anleger große Risiken bis hin zum Totalverlust", warnt Prof. Dr. Otto A. Strecker, Experte für Lebensmittelmarketing.

Bildquelle: Shutterstock.com Lieferdienste
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"Seit mehr als 20 Jahren werden die immer gleichen Fehler wiederholt", mahnt Strecker, doch es ist offensichtlich zu viel Kapital auf der Suche nach Anlage. Die aktuellen Geschäftsmodelle gleichen vielfach gescheiterten Ansätzen teils bis ins Detail. "Es muss an der Jugend der Start-up-Unternehmer und an dem jugendlichen Leichtsinn der Investment-Banker liegen, dass sich keiner mehr an die Totalverluste aus den beiden letzten Jahrzehnten erinnert, resümiert der Bonner Experte, der seit der Jahrtausendwende das Thema forschend und beratend begleitet. 2001 legte der US-Pionier Webvan eine milliardenschwere Pleite hin. Anleger verloren bis zu 34 Dollar pro Aktie, 2.000 Beschäftigte ihren Job. Beim Platzen der Dotcom-Blase waren zuvor schon ähnliche Geschäftsmodelle von Streamline und weiteren Lebensmittel-Lieferdiensten gescheitert. Der lange als Vorreiter gefeierte Pionier Peapod konnte nur durch eine Übernahme durch Ahold knapp gerettet werden.

In Deutschland ist die Liste der gescheiterten Versuche ähnlich lang. Schon zur Jahrtausend-Wende war mit der Direktkauf AG ein bundesweiter Anbieter am Start, der flächendeckende Lieferungen versprach. Sogar im Bio-Segment waren Spezialisten wie die Unitednature angetreten. Klassische Lebensmittelhändler setzten damals schon eine Belieferung aus den stationären Geschäften dagegen. Keines der Geschäftsmodelle war jemals erfolgreich. Ob Otto, Karstadt, Direktkauf, Kaufhof, Spar, Tegut, LeShop oder andere: Die Liste der eingestellten Versuche ist lang. Gäbe es Gräber für Unternehmen, ließe sich allein mit den verschiedenen Lebensmittel-Bringdiensten ein kleiner Unternehmensfriedhof füllen.

"Man braucht eigentlich nur etwas gesunden Menschenverstand und Kenntnis der grundlegenden Merkmale des Geschäftes", so Strecker weiter, der mit der AFC Consulting Group Unternehmen aus Lebensmittelindustrie und -handel berät. "Für 1,80 Liefergebühr flitzt der Fahrradkurier in ausgewählten Stadtteilen einiger Millionenstädte also im Extremfall zehn Minuten zu nur einem Kunden und zehn Minuten wieder zurück zu dem Mini-Lager, wo die nächste Bestellung auf ihn wartet. Wie soll sich das rechnen, von der Qualität der Arbeitsverhältnisse und der Ressourceneffizienz der Logistik einmal abgesehen?" In kaum einer Branche sind die Umsatzrenditen so gering wie im Lebensmittelhandel. Auch große Player wie Kaisers/Tengelmann oder real waren dem in den letzten Jahren nicht gewachsen. Hier wird das Geld bekanntermaßen im Einkauf verdient. Gegen die Einkaufsvolumina der großen Einzelhändler haben die spezialisierten Bringdienste keine Chance. Selbst, wenn die Handelsmarge auskömmlich wäre, um die Auslieferung zu subventionieren, so müssen darüber hinaus erhebliche Fixkosten verdient werden, die aus dem Geschäftsmodell einfach nicht zu bezahlen sind. Streuverluste der Marketingaufwendungen beispielsweise sind gigantisch, wenn nur einige Innenstadtlagen der Metropolen beliefert werden, dafür aber intensiv landesweit geworben werden muss. Die Kosten der Beschaffung und interne Distribution ebenso wie für Abschriften von Frischwaren sind meist größer, als die Gründer es erwarten.

"Wer in diese Geschäftsmodelle investiert, muss wissen, dass er einen Totalverlust erleiden kann", warnt Strecker.

Prof. Dr. Otto A. Strecker ist Vorstand der AFC Consulting Group AG in Bonn. Er ist Honorarprofessor für Agrarökonomie an der Universität Bonn und Co-Autor des Lehrbuchs "Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte". www.afc.net

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Quelle: Ots - presseportal.deAFC Consulting Group AG

Veröffentlichungsdatum: 08.04.2021

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