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Bayerischer Fruchthandelsverband: Kein Aprilscherz

Ohne Saisonarbeitskräfte aus den EU-Mitgliedsstaaten gibt es keine Versorgungssicherheit mit heimischem Obst und Gemüse

02. April 2020

Der Fruchthandelsverband nimmt die Veröffentlichung der Leitlinien der EU-Kommission für systemrelevante Arbeitskräfte zum Anlass und reagiert verärgert auf die Weigerung der Bundesregierung, die Freizügigkeit der EU-Bürger wenigstens für die Saisonarbeitskräfte aufrecht zu erhalten. Asylbewerber und Studenten können nicht sinnvoll bei Anbau und Ernte eingesetzt werden.

Bildquelle: Shutterstock.com GEmuese
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Bayerischer Fruchthandelsverband: "Kein Aprilscherz"

„Die bayerischen Verbraucher werden sich spätestens in acht bis zwölf Wochen von einigen liebgewonnenen Sorten Obst und Gemüse verabschieden müssen. Wir können nicht nachvollziehen, wie die Einreise von Saisonarbeitskräften nach Deutschland ein Gesundheitsrisiko darstellen kann. Wie kann die über Jahrzehnte mühsam erkämpfte Freizügigkeit der EU-Bürger mit fragwürdigen Argumenten in einem Federstrich weggewischt werden?“, kritisiert Günther Warchola, der Präsident des Verbandes des Bayerischen Frucht-Import und Großhandels, die Weigerung des Bundeskabinetts, Bitten von Landwirtschaftsministerin Klöckner nachzukommen und Saisonarbeitskräfte aus dem EU-Ausland nach Deutschland einreisen zu lassen.

„Dem Appell der EU-Kommission, dass systemrelevante Arbeitskräfte ihr Ziel ohne Zeitverlust erreichen müssen und Erntehelfer in der aktuellen Krise wie medizinisches Personal, Sicherheitskräfte und Arbeitskräfte im Verkehrssektor als systemrelevant eingestuft werden müssen, können wir uns nur anschließen. Die massiven Rückgänge bei Anbau und Ernte werden vor allem sämtliches heimisches Gemüse, Salate, Zucchini, Auberginen, aber auch Beeren wie Heidelbeeren und Himbeeren betreffen. Aber auch das industriell verarbeitete Gemüse wie Einlegegurken, Sauerkirschen, Weißkraut etc. wird knapp werden, weil es sich hier um sehr arbeitsintensive Produkte handelt, für die die Arbeitskräfte fehlen. Dieser Mangel wird erst im Herbst zutage treten, weil im Augenblick noch ausreichend Konserven vorhanden sind. Besonders bitter stößt uns auf, dass von der Bundesregierung übersehen wird, dass die Erntehelfer zumeist in ihren Heimatländern mit dem bei uns verdienten Geld ganze Familien ernähren“, so Warchola.

Anstoß nimmt der Fruchthandelsverband aber auch an der Gleichgültigkeit, mit der mühsam erkämpfte Grundrechte von 13 Millionen Bürgern im Freistaat Bayern an vielen Stellen eingeschränkt werden. Warchola: „Wir haben wahrgenommen, dass der bayerische Weg, als erstes Bundesland den Bürgern harte Ausgangsbeschränkungen aufzuerlegen, besonders effektiv und ehrgeizig sein soll. Wir können aber nicht erkennen, warum auf diesem Weg die Belange der Wirtschaft und der Verbraucher ohne Diskussion geopfert werden. Die Stimmung wird kippen, wenn das Gros der Verbraucher in zwei bis drei Monaten vor leeren Regalen in den Supermärkten steht und für die noch verbleibende Ware exorbitante Preise bezahlen soll.

Wir sind stolz darauf, dass nicht nur unsere Fruchthan-delsunternehmen sehr engagierte und tatkräftige Mitarbeiter haben, die auch nachts und in den frühen Morgenstunden sehr harte Arbeit leisten. Auch die Saisonarbeitnehmer, die immerhin in ein Land einreisen, in dem die Infektionsrate weltweit gesehen an fünfter Stelle liegt, sind zwar Arbeitnehmer, die oft erst angelernt werden, die aber einen wertvollen Beitrag zur Versorgung der bayerischen und bundesdeutschen Bevölkerung mit frischem Obst und Gemüse leisten. Das Engagement dieser Arbeitnehmer in der Vergangenheit und die Bereitschaft, auch in der aktuellen Krise zu helfen, darf auf keinen Fall bestraft werden. Der Vorschlag, Studenten oder Asylbewerber bei Anbau und Ernte von Obst und Gemüse einzusetzen, ist nett gemeint, aber realitätsfern. Wir gehen nicht davon aus, dass diese Bevölkerungsgruppen überhaupt bereit sind, kurzfristig diese Arbeiten auszuführen, geschweige denn, dass Studenten oder Asylbewerber die Fähigkeiten mitbringen, die gefordert sind.“

Die Bundesregierung sollte – so Warchola – den Ernst der Lage bei Anbau und Ernte von deutschem Obst und Gemüse erkennen und die Saisonarbeitskräfte nicht länger diskriminieren.
„Wir werden nicht dulden, dass ein ganzer Bereich der systemrelevanten Lebensmittelerzeugung mit Macht an die Wand gefahren wird. Wir werden deshalb weiterkämpfen! Wer die Fakten außer Acht lässt und sich über die Interessen der Betroffenen hinweg setzt, der muss unseren Widerstand spüren“, so Günther Warchola.

Quelle: Verband des Bayerischen Frucht-Import und -Großhandels e.V.

Veröffentlichungsdatum: 02.04.2020

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