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Hochschule Weihenstephan-Triesdorf schützt regionale Apfel- und Birnensorten

05. März 2020

Frisches Obst aus den letzten Jahrhunderten: In der 'Versuchsstation für Obstbau Schlachters', einem Außenstandort der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) in der Gemeinde Sigmarszell am Bodensee, baut die Hochschule im Rahmen eines zehnjährigen Forschungsprojekts einen Erhaltungs- und Sichtungsgarten für die Sortenvielfalt von Kernobst auf.

Der 'Böblinger Straßenapfel' ist eine der historischen Kernobstsorten. Foto © HSWT
Der 'Böblinger Straßenapfel' ist eine der historischen Kernobstsorten. Foto © HSWT

Neuer Erhaltungsgarten schützt alte Apfel- und Birnensorten vor dem Aussterben

Zu diesem Zweck wählen die Projektbeteiligten der HSWT in Zusammenarbeit mit einem Pomologen, einem Experten für Obstsorten und Obstbau, in Schwaben alte regionale Kernobstsorten aus und sammeln sie. Anschließend werden geeignete Triebe von diesen - das sogenannte Reisermaterial - in der Versuchsstation veredelt, aufgepflanzt und über mehrere Jahre gesichtet. Expertinnen und Experten bewerten die Sorten nach verschiedenen Merkmalen, etwa nach obstbaulichen und sensorischen Eigenschaften oder danach, wie anfällig sie für Pflanzenkrankheiten sind und ob sie sich für die weitere Veredelung eignen.

Kernobstsorten als Genpool

Der Erhaltungs- und Sichtungsgarten dient als Genpool für regionaltypische Kernobstsorten. Reiserschnittgärten und Baumschulen erhalten Reisermaterial zur weiteren Nutzung, so wird ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der alten Sorten geleistet. Zudem sollen diese für Züchtungsarbeiten im Erwerbsanbau zur Verfügung stehen. Wegen ihrer spezifischen Eigenschaften bergen historische Obstsorten hier eventuell neues Potential, etwa hinsichtlich von Resistenzeigenschaften gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Zum Abschluss des Projektes werden die Ergebnisse aus der pomologischen Bewertung in einem Leitfaden zusammengefasst und für Kommunen, Gartenbauvereine sowie Betriebe der gartenbaulichen Branche als Unterstützung bei der Sortenwahl zur Verfügung gestellt. Neben Fachkreisen soll auch die Öffentlichkeit vom Erhaltungs- und Sichtungsgarten profitieren und ihn erleben können: So wurde beispielsweise bei der Auswahl der Fläche auf gute Zugänglichkeit für Besucher geachtet, sodass der Sortenerhaltungsgarten in die Landesgartenschau Lindau 2021 integriert werden kann.

Für den Erhalt von Sorten und Biodiversität

Der Obstanbau spielt in der Region Schwaben seit jeher eine große Rolle. Während sich in den vergangenen hundert Jahren der Erwerbsanbau vor allem in der Bodenseeregion spezialisiert hat, stellen in weiten Teilen Schwabens heute Streuobstwiesen ein landschaftsprägendes Kulturgut dar. Darüber hinaus sind sie wichtige, biodiversitätsfördernde Lebensräume. Auf den Wiesen wächst unter anderem eine große Vielfalt an alten Apfel- und Birnensorten, welche sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte oft sehr regional entwickelt haben und heute zum Teil unbekannt oder vom Aussterben bedroht sind.

Die Projektpartner 'Förderverein Obstbauschule Schlachters e. V.' und der Bezirk Schwaben sichern die Finanzierung des Sortenerhaltungsgartens mit einem Fördervolumen von 500.000 € bis 2029.

Quelle: HSWT

Veröffentlichungsdatum: 05.03.2020

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