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Neue Eckpfeiler für den Umgang mit Pestizidrückständen könnten den Durchbruch für Wachstum im Bio-Sektor darstellen

20. Februar 2020

Auf dem diesjährigen BIOFACH-Kongress am 14. Februar wurde eine der größten Herausforderungen des Bio-Sektors diskutiert: die Harmonisierung im Umgang mit Pestizidrückständen. Bavo van den Idsert, Berater der „Europäischen Organisation für Biologische Weiterentwicklung und Handel“ (OPTA) erklärt, dass eine Lösung dieses Problems dem bereits schnell wachsenden Bio-Sektor einen enormen Schub verleihen würde.

Foto © www.biolseu.eu
Foto © www.biolseu.eu

Doch wie würde solch eine Harmonisierung aussehen? Welche Rolle spielt die Rückstandsanalyse in diesem System? Und was können wir von dem Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) lernen?

Projektleiter Bernhard Speiser präsentierte auf dem BIOFACH-Kongress die vorläufigen Ergebnisse des gemeinsamen Projekts von OPTA und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau“ (FiBL) zur Harmonisierung. Die Ergebnisse des ersten Teils des Projekts, die im Mai 2019 präsentiert wurden, zeigten eine stark unterschiedliche Situation in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten. Ein Null-Toleranz-Ansatz existiert neben Dezertifizierungsgrenzen und einem Vorgehen von Fall zu Fall. Diese Koexistenz der verschiedenen Ansätze war für OPTA der Grund, eine zweite Phase des Projekts zu starten: eine Bewertung hinsichtlich der Stärken und Schwächen der verschiedenen Ansätze. Ein Workshop mit mehr als 20 Spezialisten der verschiedenen Mitglieder zeigte, dass keiner der verschiedenen Ansätze in der EU ein ausgeglichenes System gewährleistet. Am passendsten für eine prozessorientierte und wertschöpfende Regulierung ist der Ansatz von Fall zu Fall, doch ist dieser sehr zeitintensiv und führt nicht zwangsläufig zu einer Harmonisierung. Besonders einfach in der Handhabung ist der Ansatz der Dezertifizierungsgrenze, doch es wurde als ziemlich unfair beurteilt, wenn Landwirte oder Verarbeiter nicht für eine Kontamination verantwortlich gemacht werden können. Und wenn eine Grenze eingeführt wird, macht es einen großen Unterschied, welche gewählt wird. Wenn keine Rückstände gefunden wurden, zeigten 19 Prozent von 10.000 Analysen, die in der Studie zusammengetragen wurden, einige Spuren von Rückständen. Im Fall der Grenze für den BNN-Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) lagen nur zwei Prozent über dieser Grenze. Speiser präsentierte als Start eines neuen Konzepts zwei Hauptsäulen und sechs Instrumente zur Unterstützung. „Das neue System sollte mit der Verpflichtung eines soliden Qualitätsmanagementsystems beginnen, das auf der Ebene des Betreibers installiert wird, wobei die Zertifizierungsstelle eine entsprechende Vorgehensweise angibt. Außerdem muss es ein klares Prozedere im Umgang mit Rückstandsbefunden geben, das in allen EU-Mitgliedsstaaten gleich ist“, erklärt Speiser.

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Johannes Jaschik von Eurofins präsentierte auf dem Kongress neueste Entwicklungen in Hinblick auf Labortechniken. So sank beispielsweise die Nachweisgrenze für Glyphosat innerhalb von zehn Jahren von 1 mg/kg auf 0,001 mg/kg (ppb). Einer der 130 Workshop-Teilnehmer gab an, dass die konventionellen Umweltverschmutzer mehr Verantwortung für die Hintergrundbelastung tragen sollten. Jochen Neuendorff, Spezialist der Anti-Betrugs-Initiative, reagierte dahingehend, dass in einigen deutschen Bundesländern konventionelle Landwirte Trainings erhalten, um Verwehung und das Risiko einer Kontamination durch die von ihnen verwendeten Substanzen zu verhindern. Ein dänischer Behördenvertreter teilte mit, es sei klar, dass einige Substanzen der konventionellen Landwirtschaft Bio-Äpfel durch Verwehung kontaminieren können. Es wird in Betracht gezogen, den Einsatz von Mitteln zu verbieten, bis Bio-Äpfel geerntet werden. Johanna Mirenda, Bio-Handelsverband USA (OTA USA), gab an, dass die Gefahr der Verwehung eines der Hauptanliegen der USA sei. Die Vereinigten Staaten arbeiten an Haftpflichtverträgen, um Bio-Landwirtschaft vor konventioneller Verwehung zu schützen.

Jochen Neuendorff erklärte, dass betrügerische Unternehmen zeitweise betrügen und dies auf eine Weise, die das Auffinden von Rückständen verhindert. Daher sind Rückstandsbefunde nur eins von mehreren Tools, die eine Indikation geben können. Tom Nizet, Berater für den Bio-Sektor, sagte, dass die meisten Untersuchungen beginnen, wenn ein Rückstandsbefund auf dem Tisch liegt. Er schlägt vor, den Spieß umzudrehen: „Wenn eine Kontrolle zu einem Zweifel führt, dann ist eine Rückstandsanalyse wahrscheinlich hilfreich.“

Johanna Mirenda präsentierte abschließend den Ansatz der USDA. Jede Bekundung einer Substanz ist Teil der Kontrolle. Und alle Befunde, die die fünf Prozent der Rückstandshöchstmengen (MRL) überschreiten, sind dezertifiziert. „Die heikelste Gruppe sind Substanzen ohne MRL. In diesen Fällen sind Bio-Bauern meistens von einer Kontamination betroffen.“

Karst Kooistra, Vorstandsmitglied von OPTA und Sourcing Manager von „Trading Organic“, war der Meinung, dass eine Harmonisierung die oberste Priorität sei, um weiter voran zu kommen. Vertreter der Kommission und nationaler Behörden zeigten klare Zurückhaltung. Die Herausforderung für den Bio-Sektor sei es, eine solide Lösung zu finden. Bavo van den Idsert schloss damit, dass der Sektor diese Herausforderung in enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessensverbänden auf EU-Ebene annehme.

Der FiBL-Report wird voraussichtlich im Juni 2020 veröffentlicht werden.
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Quelle: European Organic Partners (EOP)

Veröffentlichungsdatum: 20.02.2020

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