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Vietnam: Eine Möglichkeit für deutsche Äpfel in Asien?

25. Januar 2019

Im Dezember 2018 besuchte Oliver Huesmann in einer Mission Eurofreshproduce die früher als Saigon bekannte Stadt Ho-Chi-Minh-Stadt, um den Markt zu identifizieren und die aktuellen Möglichkeiten für den Verkauf von europäischen Früchten in Vietnam zu erkunden. 

Foto:  Oliver Huesmann mit Nhi Nguyễn ( Annam Gourmet Market Saigon) Foto © Eurofreshproduce
Foto:  Oliver Huesmann mit Nhi Nguyễn (Annam Gourmet Market Saigon). Foto © Eurofreshproduce

Während seiner Reise in das tropische Land mit hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wie im Amazonas-Regenwald besuchte Huesmann in diesem Land mehrere Mitglieder des Obst- und Gemüsesektors sowie Ansprechpartner der Ministerien und Vertretungen wie ICEX, Hierbei ging es darum sich auszutauschen und die Möglichkeiten in diesem Markt zu untersuchen.

Dieses asiatische Land bietet wirtschaftliche Zahlen, die es für den Export unserer Obst-Produkte äußerst attraktiv machen. An allen Orten kann man Kräne für den Bau neuer moderner Gebäude oder von Einkaufszentren mit den luxuriösesten Geschäften der Welt sehen. Die Kapazität des Verbrauchs von importierten Waren ist auch wenn noch etwas langsam aber stetig wachsend. Die Vertriebswege sind unterschiedlich und komplex und die Logistik ist eine weitere Herausforderung, bei der noch Verbesserungen erforderlich sind. Europäische oder deutsche Produkte sind wegen mangelnder Werbung und Einführung wenig bekannt, aber die Möglichkeiten sind deutlich erkennbar, ist die Meinung des Vertreters der Initiative Eurofreshproduce.

Er kommentierte auch: "Als ich sah, dass in den Regalen der Obstgeschäfte spanische Produkte wie Pflaumen und Granatäpfel aus Valencia, oder französische Tomaten und holländische Paprika sowie italienische Äpfel standen,  war ich noch neugieriger, woher sie kamen und wie sie hierher importiert wurden."

Foto: Oliver Huesmann mit Dang (O&G Großmarkt Ho Chi Minh City). Foto © Eurofreshproduce
Foto: Oliver Huesmann mit Dang (O&G Großmarkt Ho Chi Minh City). Foto © Eurofreshproduce

Oliver Huesmann fügt hinzu: Obwohl die Vietnamesen traditionell sind und nationalen Produkten Priorität einräumen, sieht man einen großen Prozentsatz an Produkten aus dem Ausland und gerade bei der jungen Bevölkerung eine Neugier auf Neues. Das am stärksten vertretene nicht-asiatische Ausland bezüglich importierter Früchte war Australien, das vor allem bei Äpfeln und Zitrusfrüchten das prominenteste war. Der Apfel ist das in allen Point of Sale- Formaten dominierende Produkt. Laut den Gesprächen mit Importeuren hat die Lieferung ausländischer Produkte bemerkenswerte positive Ergebnisse gebracht und wird von den Verbrauchern als vertrauenswürdig eingestuft.

Wir müssen auch festhalten, dass es große Unterschiede zwischen Städten und Regionen gibt, denn nach Angaben des vietnamesischen Ministeriums für Industrie und Handel in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt belegen Produkte "made in Vietnam" 40-90 Prozent der Waren die Vertriebskanäle.

Statistiken auf nationaler Ebene zeigen, dass nur 60 Prozent der nationalen Verbraucher angaben, einheimische Produkte zu bevorzugen.

Laut diesem Ministerium nimmt auch die Bewegung vietnamesischer Obst- und Gemüseproduktionsunternehmen zu, die ihre Produkte und Dienstleistungen seit einiger Zeit international fördern und damit  ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern sowie ihre Absatzmärkte auf die asiatischen und europäischen Märkte ausdehnen.

Vietnam wird Schritt für Schritt  in die Fußstapfen anderer asiatischer Nachbarn wie China treten, das sich in den letzten zehn Jahren zu einem attraktiven Absatzmarkt für die Eröffnung von Geschäften durch internationale Einzelhändler entwickelt hat. Das Umsatzvolumen des Riesen des Kontinents liegt zwar weit über dem der Vietnamesen, den China hat 1,4 Milliarden Menschen und Vietnam 95,54 Millionen.

Bis 2050 wird Vietnam ein durchschnittliches Wachstum des realen BIP von mehr als 5% pro Jahr verzeichnen. Damit hat der vietnamesische Markt mehrere Eigenschaften, die ihn äußerst attraktiv machen, weil 95 Millionen Einwohner, von denen 42% unter 25 Jahre alt sind, und eine Prognose eines jährlichen Wirtschaftswachstums von mehr als 5-6%, was die Steigerung begünstigt hat der Kaufkraft. Darüber hinaus eine Arbeitslosenquote von 3%.

Bei der Analyse des Lebensmittelkonsums in Vietnam ist der Verbrauch von Obst und Gemüse in Ihrer Ernährung im Vergleich zu Europa höher. Die Kaufentscheidung stützt sich wie in anderen asiatischen Ländern auf sehr wichtige Faktoren wie die Ernährungssicherheit. In China oder Indien gab es häufig Fälle von Lebensmittelvergiftungen, die durch Produkte sehr schlechter Qualität aus unsicheren Ländern verursacht wurden, was sogar dazu führte, dass neue Gesetze erlassen wurden, die strikt auf alle importierten Produkte angewendet werden. . Bedauerlicherweise wenden sie es nur mit Nachgiebigkeit auf nationale Produkte an, was nicht dazu beiträgt, das Problem zu beseitigen, und erzeugt täglich mehr Misstrauen in Bezug auf nationale Lebensmittelprodukte. Man kann sagen, dass die wichtigsten Faktoren in dieser Reihenfolge sind: der Preis, die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit, die gesundheitlichen Vorteile  und die Neugier (neuartiges Produkt, auffallende Präsentation).

Konsumenten kaufen Nahrungsmittel und Zutaten aus "vertrauenswürdigen" Ländern solange ihr Einkommen dies zulässt
Unter diese vertrauenswürdigen Länder fallen,  Amerika oder Australien und alle Europäischen.

Die traditionellen Vertriebskanäle machen 95% des Lebensmittelmarktes aus. Dies sind typische Verkaufsstellen wie Flussmärkte, Nachbarschaftsmärkte, Straßenverkäufer und kleine Läden, in denen vietnamesische frische Produkte verkauft werden. Es gibt auch "spezialisierte" Straßen, in denen Geschäfte einen einzigen Produkttyp verkaufen.
Verbrauchermärkte, Supermärkte und moderne Convenience-Stores machen nur 5% der Distribution aus. Das vietnamesische Ministerium für Industrie und Handel schätzt, dass es bis 2020 zwischen 1.200 und 1.300 Supermärkte und 157 Einkaufszentren im Land geben wird.

E-Commerce und Online im Obst- und Gemüsesektor sind eine Kombination aus Lebensmittelzustellung und Online-Bestellungen. GrabFood ist Teil eines UBER-ähnlichen Unternehmens, das den Lieferservice über die Formate Grap Car, Grap Moptobike und Grap Express anbietet.

Foto: Oliver Huesmann Wareneingang Grossmarkt Saigon. Foto © Eurofreshproduce
Foto: Oliver Huesmann Wareneingang Grossmarkt Saigon. Foto © Eurofreshproduce

Der vietnamesische Logistikdienstleister spielt eine bedeutungsvolle Rolle bei der Unterstützung und Verbindung des Handels sowie bei der lokalen und nationalen sozioökonomischen Entwicklung. Trotz der Mängel entwickelt sich der vietnamesische Transportdienst Schritt für Schritt und hilft Unternehmen, ihre Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Luft- und Seewege sind offen und verkehren regelmäßig zwischen Europa und Vietnam. Das Hauptproblem beruht auf dem Fehlen einer Kühlkette für frische Produkte wie Obst und Gemüse. Das Angebot an Kühlfahrzeugen wird zu fast 100% durch den Tiefkühlbereich geordert. Der z.b.  im HCMC-Hafen ankommende Obsttransport wird in normalen Lastkraftwagen nach Hanoi transportiert. Diese Reise dauert 37 Stunden und wir rechnen mit einer Durchschnittstemperatur von über 30 Grad Celsius, kommentiert Oliver Huesmann.

In den letzten Jahren wurde der vietnamesische Markt liberalisiert, um seine Abhängigkeit von China zu reduzieren.  Vietnam und die Europäische Union haben 2015 und nach zweijährigen Verhandlungen eine Einigung über die Formalisierung eines Handels- und Investitionsabkommens erzielt. Diese Vereinbarung sieht die Beseitigung einiger Handelsbarrieren vor. Die Wahrheit ist jedoch, dass europäische Unternehmen beim Export ihrer Waren und Produkte nach Vietnam weiterhin auf einige Hindernisse stoßen, die nicht vergessen werden dürfen.

Foto: Ambulante Obstverkäuferin, Khuyen Phan. Foto © Eurofreshproduce
Foto: Ambulante Obstverkäuferin, Khuyen Phan. Foto © Eurofreshproduce

Bei Obst gibt es noch keine klaren Vereinbarungen, die einen direkten Export ermöglichen. Als Huesmann europäische Früchte zu sehr hohen Preisen in den Regalen der Obstgeschäfte sah, fragte er die Händler und Importeure, wie diese Produkte nach Vietnam kommen. Die Antwort war, dass diese Produkte aus anderen asiatischen Ländern wie Malaysia, Hongkong, Kambodscha, importiert werden. Das liegt daran das diese Länder aus Europa beliefert werden und durch ihre Abkommen mit Vietnam in der Einfuhrkontrolle schwächer sind. Leider handelt es sich dabei um ähnliche Zugänge wie beim "grauen Kanal" zwischen Hongkong und China, die nicht ganz legal sind und bei denen der Hersteller jegliche Kontrolle darüber verliert, wo das Produkt verkauft wird, wie die Preispolitik ist oder die Kühl-Logistik.  Hierbei geht man das Risiko ein, dass die Qualität des Produkts verloren geht und dies kann sogar die Marke und unsere Herkunft Europa  beschädigen. 

Zusammenfassend hat Vietnam in den letzten Jahren seine Obst- und Gemüseimporte erhöht, und die Prognosen für diese Produkte zeigen ein kontinuierliches Importwachstum.

Die wichtigsten Obst- und Gemüselieferanten in Vietnam wurden von Thailand, China und den Vereinigten Staaten angeführt. Die Nachfrage der vietnamesischen Konsumenten orientiert sich aber zunehmend am Angebot von Europa, Amerika oder Australien.

Für europäische O&G Produzenten gibt es eine wichtige Chance, aber es fehlt an mehr Werbung für unsere Produkte und Information der Verbraucher bezüglich unserer Lebensmittelsicherheit sowie zu den Versorgungsmöglichkeiten aus Europa in diesem Land.

Äpfel? „Ja, die mögen die Menschen in Vietnam und  hinsichtlich Entwicklung und Konsum ist es ein Markt von 1º Interesse für den O&G Sektor in Europa“, sagt Oliver Huesmann als Berater für den internationalen Frischehandel.

Quelle/Autor: Eurofreshproduce, Oliver Huesmann

Veröffentlichungsdatum: 25.01.2019

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