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Schwerpunktthema Äpfel

BLE-Tagungsbericht: 31. Internationale Tagung Qualitätskontrolle für Obst und Gemüse

28. März 2017

Vom 13. bis 15. März 2017 trafen sich Kontrolleurinnen und Kontrolleure sowie Händler zur 31. Internationalen Arbeitstagung Qualitätskontrolle Obst und Gemüse in Bonn.

Peter Grauert - Referenten. Quelle BLE
Peter Grauert - Referenten. Quelle BLE

Der Themenbogen war weit gespannt und reichte vom Sorten- und Markenrecht über die Qualitätserzeugung von Äpfeln, Zwiebeln, Porree/Lauch und Knoblauch bis hin zur Kontrolle der Ursprungsangabe und Rückverfolgbarkeit. Darüber hinaus wurden intensiv die aktuellen Probleme bei der Kontrolle und die Vorschriften zur Kennzeichnung von frischem Obst und Gemüse behandelt.

Zu Beginn der Tagung betonte Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsidenten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die Wichtigkeit eines offenen, konstruktiven Austauschs zwischen Kontrolleuren und Händlern sowie zwischen Lieferländern und Empfängerländern. Sie alle seien Botschafter für einen Dialog, in dem sich niemand aufgebe, sondern der alle bereichere.

Schwerpunktthema Äpfel

Apfelsortenprüfung für den norddeutschen Anbau

Der erste Tagungstag war dem Apfel gewidmet und startete mit einem Blick auf die Sortenprüfung für den norddeutschen Anbau. Dr. Karsten Klopp, Leiter des Obstbauzentrums Jork, zeigte anschaulich, welcher Aufwand getrieben wird, um die für den Standort geeignete Apfelsorte zu finden, die gleichzeitig die Verbraucherwünsche erfüllt. Obwohl Elstar aktuell ein klein wenig an Beliebtheit einbüßt, ist er doch ein idealer Apfel für das Alte Land und wird weiter für dieses Gebiet empfohlen. Die Experten sind sich sicher, dass man mit gezielten Anbaumaßnahmen seine Festigkeit verbessern kann und er damit auch für die jüngere Generation wieder interessanter wird. Neu im Sortiment – speziell der Bio-Anbauer – ist die Sorte SQ 159 (Marke Natyra®), die sich durch ein feines Aroma, angenehme Knackigkeit und Saftigkeit auszeichnet. PREMA96 (Marke Rockit®) ist der neue Star der Snack-Szene und beeindruckt nicht nur durch seine Kleinheit und Süße, sondern auch durch seine Verpackung. Für andere vielversprechende Sorten ist die Sortenzulassung noch nicht abgeschlossen.

Christiane Poser - Referenten. Quelle BLE
Christiane Poser - Referenten. Quelle BLE

Sortenschutz und Markenschutz

Was es mit dem Sortenschutz auf sich hat, erläuterte Dr. Erik Schulte, Leiter der Prüfstelle Wurzen beim Bundessortenamt. Der Sortenschutz, der die langjährige Leistung der Züchter schützt und vermarktbar macht, bezieht sich auf das Vermehrungsmaterial. Damit kann der Name der Sorte für die Früchte, die nicht zur Vermehrung der Sorte verwendet werden können, problemlos zur Bezeichnung des Produktes verwendet werden. Da der Sortenschutz zeitlich begrenzt ist, sind Züchter vermehrt dazu übergegangen, ihre neuen Sorten unter einen Markenschutz zu stellen.

Das weite Feld des Markenschutzes erläuterte Thomas Leidereiter von der Kanzlei Green Rights. Für die Züchter bietet es die ideale Möglichkeit, einen wohlklingenden, marktfähigen Namen auszuwählen und insbesondere die Qualität des Produktes unter Schutz zu stellen. Der Eigner einer Marke kann klar definieren, welche Qualität das Produkt haben muss; zum Beispiel Mindestfärbung, Mindest-Zucker-Säure-Verhältnis oder Mindest-Festigkeit. Nur die Lizenznehmer dürfen diese Marke erzeugen und vermarkten. Sie müssen für die Einhaltung der festgelegten Kriterien garantieren und nur sie dürfen den Markennamen verwenden. Der Eigner der Lizenz ist jederzeit berechtigt, nicht seinen Regeln entsprechende Erzeugnisse aus dem Markt entfernen zu lassen. Nach diesen Erläuterungen war klar, weshalb auf einem Packstück von Äpfeln die Sorte angegeben sein muss und nur die Lizenznehmer die Berechtigung haben, zusätzlich auch den Markennamen anzugeben.

Mit dem Clubkonzept zur Markteinführung

Zur Marke gehört bei vielen Obstarten – nicht nur beim Apfel – auch das Clubkonzept. Hier sind die Clubmitglieder angetreten, das Konzept der Marke vom Anbau bis zur Vermarktung stringent durchzuführen. Tony Fissette, der Geschäftsführer von Enzafruit New Zealand, zeigte, was es bedeutet, einen mit viel Erfahrung und Einsatz erzeugten Marken-Apfel wie zum Beispiel Scifresh (Marke Jazz®) auf den Markt zu bringen. Auch die Händler müssen überzeugt werden, dass gelegentlich ein Produktwechsel angezeigt ist und dass sie dafür verantwortlich sind, die Saison einer Sorte rechtzeitig zu beenden, um ihren Marktwert langfristig zu erhalten und vor allen Dingen den frischen Sorten eine Chance zu geben.

Cao Menghui - Referenten. Quelle BLE
Cao Menghui - Referenten. Quelle BLE

Bio-Anbau – langfristig von großem Nutzen

Mit dem Vortrag von Dierk Augustin, Inhaber der Bio-Obst Augustin, tauchten die Teilnehmer tief in den Bio-Anbau und ein wenig in die Demeter-Welt ein. Für viele der ganzheitliche Ansatz, der bei jeder Anbauart langfristig von großem Nutzen sein kann, neu. Wer sich traut und bei sorgfältiger Beobachtung seiner Umwelt, in seinem Betrieb den Insekten eine Chance zu geben, muss nur Geduld haben, bis sich die Balance zwischen Schädlingen und Nützlingen eingestellt hat, und wird seinen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln zurückfahren können. Gleiches gilt für den Baumschnitt: Wer Luft in die Bäume lässt, entzieht den Pilzkrankheiten die Lebensgrundlage. Wer alles tut, um seinen Boden gesund und lebendig zu erhalten, sichert langfristig seinen Ertrag. Das Ergebnis der Anstrengungen sind Äpfel, die äußerlich und innerlich überzeugen und problemlos sowohl die Anforderungen der Vermarktungsnormen als auch die Wünsche der Verbraucher erfüllen. Der animierte viele Händler, sich näher mit dieser Anbaurichtung zu befassen.

Herausforderungen eines Apfel-Anbauers

Der Apfeltag wurde abgerundet von Reimer Esselborn, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Er zeigte die Apfelnorm aus dem Blickwinkel eines Anbauers, der mit diversen Herausforderungen wie Hagel, Schorf und Stippe zurechtkommen und nach diesen Schadereignissen ein marktfähiges Produkt sortieren muss. Die abschließende Bewertung der ausgelegten Proben zeigte ein relativ homogenes Bewertungsbild.

Download: Tagungsbericht zur Veranstaltung: Weitere detaillierte Inhalte zu den Schwerpunktthemen Zwiebeln, Lauch und Knoblauch (pdf).

Quelle: BLE

Veröffentlichungsdatum: 28.03.2017

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