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Kartoffeln für´s Klima: natürlich von hier!

04. Februar 2015

Mit jeder Bio Kartoffel, die gegessen wird, leistet jede/r einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. Doch es geht schon lange nicht mehr nur um die Kartoffel. Seit einigen Jahren stagniert die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Bundesrepublik, die auf ökologischen Anbau umstellen. Seit 2007 werden ohne Flächenausweitung auf ca.8.200ha Bio Kartoffeln angebaut. Gleichzeitig ist die Nachfrage im zweistelligen prozentualen Bereich gestiegen.

logo grootFür dieses Missverhältnis gibt es unterschiedliche Gründe. Ökologische Landwirtschaft ist in der Regel arbeitsintensiver und damit auch teurer in der Erzeugung. In der konventionellen Landwirtschaft kann diese Situation zum Teil über Steigerungen der Erntemenge durch Einsatz von Kunstdüngen und effektiveren Pflanzenschutzmitteln aufgefangen werden. Das ist im ökologischen Landbau nicht möglich.

Zusätzlich kommen neben klimatischen Extremen, wie Starkregen und Trockenheit, auch noch Pilzund Schädlingsbefall hinzu, denen wenig entgegengesetzt werden kann.

Bio-Lebensmittel, die hier angebaut werden, müssen auch hier gekauft werden und zwar zu einem kostendeckenden Preis. Davon kann zurzeit nicht die Rede sein. Extreme Preisschwankungen gekoppelt mit einer fehlenden Vermarktungssicherheit schwächen den ökologischen Landbau nachhaltig. Fachlich gibt es keine Zweifel mehr daran, dass Ökolandbau durch die Erhaltung der Artenvielfalt, CO² Bindung im Boden und Gewässerschutz einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leistet.

In Deutschland werden zurzeit auf über 1 Million Hektar Bio Lebensmittel erzeugt. Trotz steigender Nachfrage bei Bio Produkten, kommen kaum neue ökologisch bewirtschaftete Flächen dazu. „Der deutsche Markt ist für den Import sehr attraktiv. Das verführt dazu, dass die Mengen, z.B. aus Ägypten und Israel, aber auch aus unseren Nachbarländern, stetig steigen, ohne darauf zu schauen, wie viele Kartoffeln tatsächlich gebraucht werden. Die Platzierung im Handel wird häufig über den Preis geregelt, was aus kaufmännischer Sicht durchaus nachvollziehbar ist. Aus ökologischer Sicht eine Entwicklung mit fatalen Folgen.“, argumentiert Monika Tietke, Geschäftsführerin vom Bio Kartoffel Erzeuger Verein.

Um dem entgegenzusteuern wurde Ende 2013 ein „Runder Tisch“ mit allen Handelsbeteiligten von der Erzeugerebne bis zu den Handelsketten ins Leben gerufen. Das gemeinsame erklärte Ziel ist die Stärkung des ökologischen Landbaus durch flankierende Maßnahmen im Einzelhandel. Dazu gehört auch die Vermittlung des Mehrwerts von ökologischen Produkten.

Immer mehr Verbraucher/innen achten verstärkt auf die Herkunft ihrer Lebensmittel und nehmen so Einfluss.

Für den ökologischen Landbau ist diese Entwicklung von großer Bedeutung. In den letzten zwei Jahren hat es einen deutlichen Trendwechsel gegeben. Auch die Handelsketten, wie REWE, EDEKA, Tegut und Alnatura haben reagiert und vorrangig heimischen Bio Kartoffeln in ihr Sortiment aufgenommen. Selbst im Discountbereich wurden, besonders bei einem bundesweiten Anbieter, kaum Importe angeboten. Ein wichtiges positives Signal für den ökologischen Landbau. Auch in unsern Nachbarländern ist das Thema präsent.

„In Österreich erleichtert der LEH dem Bio-Kunden die Entscheidung und verzichtet gänzlich auf Importware. So vermarktet Rewe Austria seit mehreren Jahren praktisch ganzjährig heimische BioErdäpfel unter der Bio-Eigenmarke Ja! Natürlich“, freut sich Ackerl von der PUR, der in Österreich die meisten Bio Kartoffeln vermarktet. Auch Hofer sei dem Beispiel gefolgt und setze unter der BioEigenmarke „Zurück zum Ursprung“ ausschließlich auf österreichische Bioprodukte. Neben dem Heimataspekt überzeugen die österreichischen Erdäpfel mit ihrem Geschmack. „Unsere guten Lagersorten schmecken einfach besser als die frischen Wüstenkartoffeln“, sagt Ackerl.

Die werden aber trotz weiter Wege und hohen Transportkosten zum gleichen Preis angeboten. Ermöglicht wird das durch niedrigere Produktionskosten und Billiglöhnen. Ein Blick auf die Klimabilanz und den Wasserverbrauch wirft die Frage auf, ob wir uns eine Produktion unter diesen Bedingungen in der heutigen Zeit überhaupt noch leisten können.

„Wir billigen jedem Erzeuger von Lebensmitteln zu, seine Produkte dort anzubieten, wo er glaubt, den besten Markt zu haben. Aber hier vor Ort achten wir auf den Umweltschutz und das geht nur, wenn wir unsere Produkte auch zu angemessenen Preisen verkaufen können“, meint Tietke dazu.

bke verein grafik
Quelle: Land und Markt, Dr. Heike Kuhnert nach Berechnungen der AGRATEG/Universität Göttingen, 2010

Umweltschutz lässt sich nicht transportieren oder importieren

Die Verbraucher und Verbraucherinnen entscheiden beim Kauf, woher z.B. ihre Bio Kartoffeln kommen sollen. Auf jedem Beutel ist gekennzeichnet, in welchem Land die Bio Kartoffeln angebaut wurden.

Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung, denn kostendeckende Handelsstrukturen und die entsprechende Vermarktungssicherheit stärken nachhaltig den ökologischen Landbau in der Bundesrepublik und damit auch den Klimaschutz.


www.bke-verein.de



 

Veröffentlichungsdatum: 04.02.2015

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