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Österreich: Bauernbund zu russischem Importverbot

"Hilfe zur Selbsthilfe notwendig"
13. August 2014

Die österreichische Landwirtschaft ist massiv von den Einfuhrsperren Russlands für europäische Agrarprodukte betroffen. Preisschocks sind nicht auszuschließen. Österreich exportiert Lebensmittel um insgesamt rund 10 Mrd. EUR, nach Russland werden Lebensmittel im Wert von rund 240 Mio. EUR verkauft.

Die EU-Kommission hatte Europas Bauern am Freitag Unterstützung in Aussicht gestellt. Agrarkommissar Dacian Ciolos nannte Mittel aus einem Krisenfonds als mögliche Maßnahme. Er kündigte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe an, um die Folgen des russischen Importverbots zu prüfen. Für OÖ. Bauernbund Direktorin Maria Sauer dauert es zu lange bis es eine finanzielle Unterstützung für die heimischen Bauern und Lebensmittelverarbeiter geben wird. Die vom russischen Import-Stopp betroffenen Bauern und Lebensmittelverarbeiter brauchen jetzt schon Unterstützung, denn Milch, Gemüse, Obst, Fleisch etc. sind eben nicht unbegrenzt haltbar und können nicht ein paar Monate auf Halde gelegt werden.

Maria Sauer appelliert auf Grund dieser prekären Situation an die Verantwortlichen in den großen österreichischen Lebensmittelhandel-Zentralen: „Es liegt auch an Ihnen, den österr. Produzenten unter die Arme zu greifen und Ihre Einkaufsstrategie dahingehend abzuändern, dass Sie nun vorrangig die österreichischen Produkte in den Listungen berücksichtigen! Die Konsumentinnen und Konsumenten greifen gerne zu heimischer Ware, wenn sie angeboten wird!“

Das wäre ein wesentlicher Schritt zur Selbsthilfe! Noch dazu wenn man weiß, dass Österreich bei vielen Produkten gar keinen 100%igen Selbstversorgungsgrad mehr hat. Fakt ist, bei vielen Lebensmitteln ist heute der Bedarf im Inland aus eigener Produktion nicht gewährleistet. Der Grad der Selbstversorgung erreichte in Österreich bei Gemüse 68%, bei Obst 56% (ohne Trockenobst) und bei pflanzlichen Ölen nur 30%. Bei Geflügel liegt der Selbstversorgungsgrad bei 73%, bei Eiern 82% und bei Butter bei nur 75%.

Dazu Sauer: „Billigimporte – wo die Herkunft und Haltung bei Weitem nicht unseren Standards entsprechen – überschwemmen die Regale. Das wohl beste Beispiel ist Putenfleisch! Schauen Sie beim nächsten Einkauf doch selber mal drauf! Verlangen Sie ab Ihrem nächsten Einkauf konsequent heimische, regionale Produkte im Supermarkt! So machen wir uns zumindest schrittweise unabhängiger von Exportländern die nicht die wirtschaftliche Stabilität haben wie wir.“


Quelle: LKOÖ

Veröffentlichungsdatum: 13.08.2014

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