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Südtirol: Die Blattflecken der Kastanie

07. Dezember 2018

Vorzeitiger Blattfall bereitete den Südtiroler Kastanienbauern heuer Kopfzerbrechen. Am Versuchszentrum Laimburg haben darum die Arbeitsgruppen „Beeren und Steinobst“ und „Virologie und Diagnostik“ das Problem eingehend untersucht und den pilzlichen Erreger identifiziert, wie der Südtiroler Bauernbund berichtet.

Bildquelle: Shutterstock.com Kastanien
Bildquelle: Shutterstock.com

Die Edelkastanie, Castanea sativa, stellt seit dem Altertum eine wichtige Nahrungsquelle für die Menschheit dar. In Südtirol gedeihen jahrhundertealte, prächtige Kastanienbäume auf sauren, von Porphyr geprägten Böden, vom Eisacktal bis ins Unterland, vom Etschtal bis Meran und weiter bis in den Vinschgau. Kastanien locken zur Törggelezeit Tausende von Einheimischen und Touristen in die Buschenschänke. 
Mit einer Anbaufläche von südtirolweit rund 400 Hektar wird die Kastanie zwar als „Nischenkultur“ eingestuft, nimmt jedoch dank ihrer wertvollen Landschaftsprägung und ihrer gastronomisch-touristischen Bedeutung eine wichtige Rolle als Ergänzung zum Obst- und Weinbau ein. 

Befall durch die Kastaniengallwespe

Vor zehn Jahren hat das erste Auftreten der Kastaniengallwespe das Überleben dieser Kultur im gesamten europäischen Raum ernsthaft infrage gestellt. Auch in Südtirol waren im Jahr 2008 die ersten Symptome des gefürchteten Schädlings zu beobachten. Dank des gezielten Einsetzens ihres natürlichen Gegenspielers, der Schlupfwespe (Torymus sinensis), hat sich die Situation aber rasch verbessert. In der Folge haben sich die Kastanienbestände im ganzen Land bis heute fast vollständig erholt. 

Vorzeitiger Blattfall

In dieser Saison waren die Kastanien­bäume voll beladen, die Ernte war reich. In einigen Lagen Südtirols sorgte jedoch ein vorzeitiger Blattfall für Unbehagen bei den Kastanienanbauern, denn durch die Verringerung der Blattmasse kann es zu einer Verminderung der Fruchtgröße und so zu Ertragsverlusten kommen. Das musste beispielsweise in der Provinz Cosenza (Kalabrien) beobachtet werden, wo es in diesem Jahr sogar zu einem Totalausfall gekommen ist.

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen den Kastanienvereinen, welche mit 500 Mitgliedern den Großteil des regionalen Kastanienanbaus vertreten, und dem Versuchszentrum Laimburg konnte der Erreger dieses Krankheitsbildes im Labor für Virologie und Diagnostik identifiziert werden: Es handelt sich um den Pilz Mycosphaerella maculiformis (asexuelle Form: Cilindrosporium castaneiculum), einen Ascomyceten der Ordnung Capnodiales. 

Sonnige, trockene Standorte am stärksten betroffen

Erste Beobachtungen eines auffallend frühen Blattfalles waren von den Kastanienvereinen bereits Mitte September gemeldet worden. Schon beim ersten Lokalaugenschein im Raum Burggrafenamt fielen Blattnekrosen auf, welche zu einer frühzeitigen Entlaubung der Baumkrone geführt haben. 

Die Intensität dieses Erscheinungsbildes prägte sich in den verschiedenen Lagen des Landes aber unterschiedlich aus: Am stärksten betroffen sind die Bäume der sonnigen, trockenen Standorte. In den schattigeren Lagen weisen die Blätter hingegen die typischen punkt- bis fleckenförmigen Nekrosen auf, die dann aber kaum zu einem erwähnenswerten Blattfall führten.

Intensität von Witterung abhängig

Auch war zu beobachten, dass im gleichen Kastanienhain die Bäume unterschiedlich stark befallen sein können: Junge Bäume wirkten ausgetrocknet, während die älteren Baumriesen nur leichte Blattverfärbungen aufwiesen. Auch hier ist wahrscheinlich, dass die älteren Bäume ihren Wasserbedarf durch das größere Wurzelvolumen besser decken können. 

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Quelle: Versuchszentrum Laimburg/ Südtiroler Bauernbund
 

Veröffentlichungsdatum: 07.12.2018

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