Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Österreich: Bundes-Obstbauverband warnt vor Fehlinterpretation der EU-Apfelernteprognose

03. September 2018

Anfang August wurde im Rahmen der Prognosfruit-Konferenz in Warschau von der World Apple and Pear Association (WAPA) die Prognose für die diesjährige EU-Apfelernte präsentiert. Konkret wurde mit einer Apfelproduktion von insgesamt 12,6 Mio. t gerechnet, das entspricht einem Plus von 36% gegenüber dem sehr niedrigen Vorjahreswert und wäre eine Steigerung von 13% gegenüber dem Mittel der letzten drei Jahre. Der Bundes-Obstbauverband warnt jetzt vor einer Fehlinterpretation dieser Schätzung.

Bildquelle: Shutterstock.com Apfel
Bildquelle: Shutterstock.com

"Die Anfang August veröffentlichte EU-Apfelernteschätzung ist mit 12,6 Mio. t eine der höchsten der letzten zehn Jahre. Es besteht aber weder ein Grund zur Euphorie noch zu übertriebenen defensiven Aussagen hinsichtlich eines zu erwartenden überaus starken Preisdrucks", stellt der Präsident des Bundes-Obstbauverbandes, Rupert Gsöls, gegenüber aiz.info fest.

"In einigen EU-Ländern ist aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit noch mit einer Änderung der Ernteprognose zu rechnen. Dies betrifft unter anderem Deutschland, wo die Schätzung von 990.000 t bereits auf 934.000 t verringert wurde. Auch in den Niederlanden und in Belgien wird ein Update mit geringeren Mengen erwartet", gibt Gsöls zu bedenken.

Außerdem verfüge der europäische Apfelmarkt heuer über eine gute Startposition: Die Lager aus der knappen EU-Ernte 2017 seien bereits geräumt und durch den deutlich früheren Saisonstart bestehe mehr Zeit für die Vermarktung. Für Exporte bestünden heuer gute Chancen, so der Präsident. Der wichtige Absatzmarkt China verzeichne aufgrund von Nachtfrösten deutliche Produktionsausfälle (rund 12 Mio. t) und sei entsprechend aufnahmefähig. Für die großen Apfelexportländer der EU (Italien, Frankreich und Polen) wäre dadurch eine Marktentlastung möglich. In der Saison 2017/18 beliefen sich die EU-Exporte mangels verfügbarer Ware auf nur 750.000 t, Ziel der aktuellen Saison sind etwa 1,7 Mio. t.

Versorgung des Inlandsmarktes nach den schwierigen Vorjahren wieder gesichert

Für Österreich belief sich die WAPA-Schätzung der Apfelernte Anfang August noch auf rund 184.000 t. Dieser Wert bezieht sich jedoch nur auf die steirische Ernte (die knapp 80% der gesamtösterreichischen Ernte ausmacht). Im Vergleich mit dem Zehnjahresschnitt wurde für heuer eine Zunahme der Menge von rund 20% prognostiziert. Ob dieser Wert erreicht wird, hängt von den Rahmenbedingungen in den kommenden Wochen ab. "Wir erwarten jedenfalls eine qualitativ ausgezeichnete Ernte. Die Versorgung des Inlandsmarktes ist nach den schwierigen Vorjahren wieder gesichert, Importe sind also nicht mehr notwendig", betont Gsöls.

Faire Preise notwendig

Was den Streuobstbau und die Ware für die Verarbeitung betrifft, so verweist der Geschäftsführer des Bundes-Obstbauverbandes, Johann Greimel, darauf, dass heuer einer großen Ernte auch ein sehr aufnahmefähiger Markt mit entsprechenden Absatzchancen gegenüberstehe: "Aufgrund der geräumten Bestände an Apfelsaftkonzentrat und Direktsaft ist die Industrie aufnahmefähiger als in den Vorjahren. Der Markt für EU-Händler wird begünstigt durch das chinesische Erntedefizit und die US-Strafzölle auf chinesisches Apfelsaftkonzentrat", erläutert der Geschäftsführer. Die deutsche Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) rechne hier mit einem Absatzpotenzial von etwa 100.000 t Apfelsaftkonzentrat, das entspreche 750.000 t Mostäpfel.

Der Bundes-Obstbauverband empfiehlt daher den Erzeugerorganisationen, den Selbstvermarktern und privaten Händlern, diese Aspekte in ihren Verkaufsstrategien zu berücksichtigen. Er appelliert auch an die Verarbeitungsindustrie, die Preise für die Mostäpfel nicht zu niedrig anzusetzen. "Wenn die Produzenten keine Wertschöpfung mehr erzielen, werden irgendwann die Flächen nicht mehr bewirtschaftet und somit wird auch keine Rohware mehr an die Abnehmer geliefert", warnt Gsöls.

Quelle: APA-Ots/ Landwirtschaftskammer Österreich

Veröffentlichungsdatum: 03.09.2018

Schlagwörter

Bundes-Obstbauverband, Fehlinterpretation, EU, Apfel, Ernteprognose