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VOG: Nach einem Ausnahmejahr wieder eine Vollernte mit guter Qualität

21. August 2018

Für den VOG-Verband geht eine ungewöhnliche Apfelsaison zu Ende. Nach 3 schwierigen Jahren „Post-Embargo“ endete die Verkaufssaison 2017/2018 sehr früh, da die eigene Ernte bereits Ende Juni ausverkauft war.

Direktor Gerhard Dichgans. Foto © VOG
Direktor Gerhard Dichgans. Foto © VOG

„Das ist eine völlige Ausnahmesituation. Ich erinnere mich nicht, dass es dies jemals in der Vergangenheit gegeben hat“, so der Kommentar von Direktor Gerhard Dichgans. „In diesen letzten Sommermonaten lief das Angebot an europäischen Äpfeln frühzeitig aus und auch das Importvolumen von der Südhalbkugel, vor allem was Gala betrifft, kann den Bedarf wahrscheinlich nur bis zur dritten Augustwoche decken.“
„Die neue europäische Apfelernte“ – so Dichgans weiter – „wird, auch wenn man eine volle Ernte in Europa erwartet, große Spielräume am Markt vorfinden.“

Für dieses Jahr sprechen die, Anfang August auf der Prognosfruit in Warschau vorgelegten europäischen Ernteschätzungen Klartext: über 12 Millionen Tonnen, erneut eine Vollernte wie bereits 2014, 2015 und 2016.  Allerdings verbleiben noch einige offenen Fragen, vor allem in Bezug auf das genaue Ausmaß der Ernte in Polen. Diese macht allein schon mehr als ein Drittel der europäischen Gesamternte aus, aber weniger als die Hälfte ist Marktproduktion für den Frischmarkt. Einige Fragezeichen gibt es auch hinsichtlich Qualität und Fruchtgröße infolge der anhaltenden Trockenheit in den Frühjahrs- und Sommermonaten in den Anbaugebieten Nord- und Osteuropas.

Obwohl diese Erntezahl eine schwere Hypothek für das Gleichgewicht am Markt ist, bleibt Direktor Gerhard Dichgans optimistisch: „Die vergangene Apfelsaison hat uns etwas Wichtiges gezeigt: Obwohl die Verbraucherpreise auf allen europäischen Märkten sehr hoch waren, brach der Konsum nicht ein und die Verbrauchszahlen in den Hauptmonaten der Verkaufssaison waren stabil. Das gibt mir Hoffnung für die neue Saison: Wenn die Preise wieder auf ein ‚normales‘ Niveau zurückkehren, kann der Konsum, sofern er auf eine einwandfreie Produktqualität bauen kann, wieder richtig in Schwung kommen.“

Für die Mitgliedsgenossenschaften erwartet der VOG eine Tafeläpfelernte von 550.000 Tonnen, das entspricht einem Plus von 17 % gegenüber 2017, ohne jedoch das Ausnahmejahr 2016 zu erreichen, in dem mehr als 600.000 Tonnen Tafeläpfel geerntet wurden.
Die Ernte hat in der zweiten Augustwoche mit den allerersten Royal Gala begonnen und wird nun auch auf die späteren Erntezonen in den Hügel- und Berglagen ausgeweitet. Generell wird eine gute innere wie äußere Qualität erwartet, und der Reifegrad ist noch nicht zu weit fortgeschritten. Der Zuckergehalt liegt über jenen der Vorjahre. Das Fruchtgrößenwachstum in den Frühlingsmonaten war gut, hat sich allerdings in den letzten heißen Juliwochen etwas verlangsamt. Während die Ernte 2017 vor allem durch kleine Kaliber charakterisiert war weisen die Äpfel nun wieder eine durchschnittliche Größe auf.

Wenn in diesem Jahr in Südtirol nicht das volle Produktionspotential erreicht wird, dann liegt dies zum einen am starken Junifruchtfall und zum anderen der, in nicht wenigen Tallagen zu beobachtende starken Alternanz.

„Wenn wir die Schätzungen nach Sorten analysieren“– so Dichgans – „verzeichnet der Royal Gala eine Steigerung von +9 %, während wir bei Golden und Red Delicious ein Plus von +30 % bzw. +25 % gegenüber dem Vorjahr erwarten.”
Die erwartete Erntemenge für Granny Smith und Fuji ist stabil und wiederholt die Größenordnung der beiden letzten Saisonen. Die Ernte von Braeburn wird voraussichtlich in der der Mitte der beiden Vorjahre liegen.

Gut sind die Aussichten für die Clubäpfel mit einem Erntezuwachs für Pink Lady®, Kanzi® und JazzTM. Einen großen Schritt nach vorne macht der noch „junge“ envyTM, dank der Anpflanzungen in den vergangenen Jahren.
Auch die Produktion von Bio-Äpfeln wächst mit über 22.000 Tonnen. Das ist eine Steigerung von +48 % gegenüber 2017. Im Bio-Apfelbereich sind Royal Gala, Braeburn, Pinova/Evelina® und Cripps Pink/Pink Lady® die Top-Sorten.

LogoDichgans fährt weiter fort: „Die ersten LKW´s werden gleich nach dem 15. August verladen und ich erwarte mir einen sehr aktiven Start in die Verkaufssaison. Wir finden einen leeren Markt vor, ohne Überlappung mit alterntiger Ware und mit wenig Äpfeln aus Übersee.“

Die ersten Verkaufspreise spiegeln die Preise der Importware wider, aber es ist noch zu früh, um über die Gesamtentwicklung der Preise in den nächsten Wochen zu sprechen. Wir müssen warten, bis die großen Produktionsgebiete auf den Markt kommen. Mit Sicherheit werden wir die Preise der vergangenen Saison nicht mehr erreichen. Gleichzeitig erwarte ich mir aber auch keinen Preisverfall auf das Niveau von vor drei und vier Jahren. Die Ernten in den Hauptländern des „alten Europas“, Frankreich, Italien und Deutschland, werden 5 % bis 6 % unter dem Jahresdurchschnitt von 2014/15/16 liegen. Dies lässt auf einen etwas ausgeglicheneren Markt hoffen. Es bleibt noch die große Unbekannte der Exportmärkte im Mittelmeerraum, welche nach dem Russlandembargo als Ventilmärkte dienten. Unser Hauptaugenmerk muss es nun sein, die Märkte, die wir in der letzten Saison vernachlässigen mussten, widerzugewinnen. Wir müssen für unsere Kunden die volle Kontinuität der Versorgung sicherstellen, und so die Saison planbar machen.“

Quelle: VOG

Veröffentlichungsdatum: 21.08.2018

Schlagwörter

VOG, Ausnahmejahr, Vollernte, Qualität, Apfel