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Oliver Huesmann: "Uns fehlt noch die Erfahrung, um O&G in entfernte Märkte zu exportieren"

22. Februar 2018

Qualität, Sicherheit und Geschmack sind laut Oliver Huesmann, CEO von Fruit Consulting Hong Kong, die Schlüssel, um den asiatischen Markt zu erobern, aber bevor man sich dahin begibt, muss man seine Besonderheiten genau kennen.

Foto © Fruitconsulting
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Was sind die Vorteile eines Exports nach China?

Die Wirtschaft dieses Landes ist die größte der Welt geworden. In den letzten 20 Jahren ist es mit einer Rate von fast 10% pro Jahr gewachsen. Mit einer Bevölkerung von 1.4 Milliarden Einwohnern ist es ein Markt mit hoher Kaufkraft, geringer Kriminalität und großem Potenzial für europäische Exporteure, insbesondere für diejenigen, die im Lebensmittelsektor Möglichkeiten suchen. Für China, ein Land mit großen Umweltverschmutzung und Lebensmittelskandalen in der Vergangenheit, ist Europa eine sichere Quelle, mit qualitativ hochwertigen Produktion für eine gesunde Ernährung. Seine Bevölkerung verbraucht 120 kg. von Gemüse und 56 Obst pro Person und Jahr, was bedeutet, dass eine Nachfrage an frischen Produkten von derzeit 280.320.000 Tonnen besteht. Darüber hinaus sieht der chinesische Konsument die hohen Preise importierter Lebensmittel als normal.

Welche Nachteile hat der Export in diesen Markt und in welchen Bereichen müssen wir arbeiten?

Der erste Nachteil ist die Entfernung. Die Transitzeit beträgt bis zu 35 Tage mit dem Schiff oder wir müssen gegebenenfalls die hohen Kosten des Lufttransports übernehmen. Der größte Nachteil ist jedoch, dass wir insgesamt noch nicht bereit sind, Geschäfte außerhalb Europas zu tätigen. Uns fehlen Kenntnisse und Erfahrungen im Export in ferne Länder, wir kennen weder die Märkte noch die Sprache. Unsere größte Herausforderung besteht darin, in den kommenden Jahren Sprachen zu sprechen, die Märkte und ihre Arbeitsweisen zu verstehen und dies zu tun, bevor wir anfangen zu verkaufen, ohne zu wissen, wo, zu wem und zu welchem Preis. Wir müssen uns mit Fachleuten und den potentiellen Käufern zusammenschließen, welche die Situation kennen und uns auf diesen Wegen leiten können.

Kann der Export von Zitrusfrüchten aus Spanien ein Beispiel für die deutsche Steinfrucht sein?

Nein! Wir sprechen über zwei völlig unterschiedliche Produkte und auch ihre Entwicklung während des Transports ist anders. Während die asiatischen Konsumenten, in der Erwartungen bezüglich der Süße von Orangen nicht so anspruchsvoll sind, bevorzugt man die Steinfrüchte süß, weich und mit hellen Farben. Das z.B. zwischen Spanien und China unterzeichnete Protokoll für den Export von Steinobst macht es fast unmöglich, nach dem Geschmack des Marktes zu arbeiten. Während Zitrusfrüchte für eine lange Schiffreise geeignet sind, ist die Steinfrucht ein Produkt, das mit dem Flugzeug verschickt werden sollte. Cold Treatment erfordert aber vorher eine 20 Tage Behandlungen mit Kälte, um die mögliche Einführung der Mittelmeerfliege zu vermeiden. Hier müsste das Protokoll hinsichtlich anderer Desinfektionsformen nachgearbeitet werden, wie es Australien bereits gemacht hat. Deutsche Obstbauern, sollten dieses Protokoll von Anfang an verhandeln.

Gibt es eine Möglichkeit, die Protokolle zu verbessern?

Laut Experten gibt es mehrere Formeln, die die Beseitigung der Fliege garantieren, ohne die Behandlung mit Kälte so lange zu machen. So könnten wir mit einem qualitativ hochwertigen und aromatischem Produkt arbeiten und die Früchte mit ausreichenden Brix-Graden und den Farben, die der chinesische Verbraucher wünscht, ernten und Versenden. Der Preis des Lufttransports wird für hochqualitative Ware mit europäischem Ursprung akzeptiert, aber eine Steinfrucht, bei der an ihrem ersten Verkaufstag mindestens 25 Tage seit der Ernte vergangen sind, will niemand. Wenn wir auf diesem Markt bestehen wollen, sind Qualität, Sicherheit und Geschmack die Schlüssel. Asiaten sind Kunden von Gourmet-, Premium- und Markenprodukten und bezahlen dafür zusätzlich.

Lohnt es sich, den Weg nach Asien zu beginnen?

Definitiv, ja. Der nach Zahlen aufstrebendste Markt ist China: Jedes Jahr wächst er um 50 Millionen neue reiche Menschen, ein großer Teil der Mittelklasse wird in Zukunft aus diesem Land kommen und Asien wird zwei Drittel der Kaufkraft der Welt repräsentieren. Wir haben sicheres Obst und Gemüse, was die Chinesen derzeit wollen, und wenn wir nicht dorthin gehen, werden andere wie Mexiko, die USA, die Türkei oder andere europäische Länder gehen. Daher ist es eine Chance, die wir nicht verpassen können.
Wichtig ist aber die richtige Vorbereitung, nichts geht auf die Schnelle, die Faustformel ist: “Investition und Lernen, Verstehen und Disziplin, sowie Qualitätstreue und Zeit “.

Quelle: Oliver Huesmann, Fruit Consulting

Veröffentlichungsdatum: 22.02.2018

Schlagwörter

Oliver Huesmann, Erfahrung, Übersee, Märkte, fruchthandel