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Orangenanbau in Spanien – Aktuelle Lage März 2017

14. März 2017

"Kurz zu meiner Person: Ich bin Guillermo Bas, Orangen-Kleinbauer in Valencia (Spanien) und Betreiber der Webseite www.citrusricus.com über die wir unsere Orangen, Mandarinen und Zitronen sowie damit hergestellte Produkte direkt verkaufen. Meine Familie widmet sich schon seit 100 Jahren dem Orangenanbau und sehr oft werden wir über die aktuelle Lage bezüglich des Anbaus von Zitrusfrüchten in Spanien gefragt.

Bildquelle: Shutterstock.com Orangenanbau
Bildquelle: Shutterstock.com

Die aktuelle Situation ist katastrophal. Wir stehen vor sehr ernsten Problemen, manche davon sind für uns unmittelbar zu spüren, andere werden erst in ein paar Jahren sichtbar werden. Leider können diese Probleme durch die kurzfristige Politik trotz ihrer verheerenden Folgen nicht verhindert werden.

Eines der größten aktuellen Probleme ist der Preisverfall in der Landwirtschaft, im Klartext ist der Anbau von Zitrusfrüchten nicht rentabel. Deshalb geben immer mehr Orangenbauern ihre Plantagen auf, was zu einem großen Problem für die Umwelt und auch für das Gesundheitswesen führen kann, wenn nicht entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Warum ist der Anbau von Zitrusfrüchten in Valencia (Spanien) unrentabel? Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen:

a) Kleine Plantagen: In Valencia sind hauptsächlich Kleinbauern vorzufinden. Die größte Anzahl von spanischen Kleinbauern befindet sich in in dieser Region.
b) Oligopol: Es gibt nur sehr wenige Großeinkäufer, die große Mengen an eine Vielzahl von Nachfragern weiterverkaufen. Die Großkonzerne setzen die Preise der Früchte weit unter ihrem Wert an, was zu einer unhaltbaren Situation führt.
c) Alter der Zitrusbauern: Es kommen keine jungen Zitrusbauern nach, da man damit den Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann. Dadurch kommt es vermehrt zur Aufgabe der Plantagen.

Die Industrie hat eine Zukunft mit weniger Zitrusbauern und dafür größeren, hoch industrialisierten Plantagen vor Augen, so wie es bereits in den USA gehandhabt wird. Auch wenn dies logisch erscheinen mag, kann ich persönlich darin keine Lösung sehen und versuche deshalb, andere Wege zu finden.

Wir sind zwar ein Teil des Systems, versuchen jedoch auf sehr kleiner Ebene, die Spielregeln zu verändern. Auch wenn die aktuelle Lage sehr kritisch ist, glaube ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wir verkaufen den größten Teil unserer Ernte über Internet an den Endkunden. Im Moment ist dies für uns zwar noch nicht rentabel, da wir noch am Anfang stehen, viel lernen müssen und Anfängerfehler teuer zahlen. Doch es geht immer besser und wir haben große Hoffnungen, dass es uns die Direktvermarktung ermöglichen wird, unabhängig zu bleiben und zu wachsen. Unser langfristiges Ziel ist, auch andere Familienbetriebe und kleine Plantagen zu gruppieren, was für alle Beteiligten sehr vorteilhaft wäre.

Im Unterschied zur Ware aus dem Supermarkt liefern wir beste Qualität und legen großen Wert auf den direkten Kontakt mit unseren Kunden. Wenn wir Fehler machen oder wenn es beispielsweise durch den Transport zu irgendwelchen Schäden kommt, stehen wir auch dafür und ersetzen diese.

Nicht jede Orange oder Zitrone schmeckt gleich, dafür muss man kein Experte sein. Wer unsere Früchte kostet, wird die Qualität sofort feststellen. Wir bemühen uns in der Pflege der Bäume in jeder Phase und lieben unsere Arbeit.

Wir legen großen Wert auf nachhaltigen und umweltfreundlichen Anbau, denn das Gleichgwicht der Natur zu erhalten ist unsere Lebensgrundlage. Doch wir sind nicht extrem: Es gibt Ungeziefer, das nur mit chemischen Mitteln bekämpft werden kann, doch wir setzen diese Mittel nur minimal ein. Bis auf sehr wenige Ausnahmen verwenden wir dieselben Produkte wie im ökologischen Anbau.

Dieses Jahr hat uns das Klima sehr zu schaffen gemacht. Bis Dezember war es viel zu warm, im Dezember, Januar und Februar kam es immer wieder zu starkem Regen und Stürmen, im Januar hatten wir eine extreme Kältewelle, Hagel und starken Wind. Wir hatten deshalb viele Verluste und auch viele Bäume wurden beschädigt.

Die lange Wärme hat dazu geführt, dass sich das Ungeziefer viel mehr als normalerweise verbreiten konnte, insbesondere Spinnen. Ich liebe Spinnen, die ich als Löwen der Insekten betrachte und so gut wie möglich zu schützen versuche, doch wenn sie den Früchten schaden, müssen wir das natürlich verhindern.

Auch mit Pilzen haben wir in dieser Saison große Probleme, denn die ungewöhnliche Feuchtigkeit in dieser Jahreszeit hat bewirkt, dass sich diese in den Plantagen rasch verbreiten. Das Problem ist so groß, dass Früchte, die auf dem “normalen” Weg im Supermarkt landen, zum Teil zweimal chemisch nachbehandelt werden: Zuerst gleich nach der Ernte und dann wie üblich in der Zentrale, wo die Früchte gereinigt und dann auch gewachst werden. Da wir keine chemische Nachbehandlung anwenden und die Früchte gleich nach der Ernte so wie sie sind verschicken, hatten wir große Verluste, denn die Früchte werden viel schneller schlecht als normalerweise. Wir haben die Früchte teilweise von Hand getrocknet und mussten trotzdem viele Kunden mit Ersatzkisten beliefern. An vielen Tagen konnten wir aufgrund der großen Feuchtigkeit gar nicht ernten.

Dazu kommt, dass die Saison heuer kürzer als normal sein wird: Ein Grund dafür ist natürlich das Wetter, das uns dieses Jahr mehr als einen Streich gespielt hat. Doch ein anderer Grund ist, dass sehr viele unserer Früchte gestohlen werden. Richtig gehört. Da Schnee und Kälte in Valencia, Murcia und Andalusien zu vielen Verlusten geführt haben, werden auf dem Markt jetzt weniger Orangen angeboten, was die Früchte für Diebe attraktiv macht. Diebstähle haben dramatisch zugenommen, wobei es sich um organisierte Banden handelt, die die Früchte tonnenweise abtransportieren. Natürlich führt dies zusätzlich zu großen Verlusten.

Ich kann verstehen, dass wir dem Wetter ausgeliefert sind, dass wir einen Platz auf dem Markt erkämpfen müssen, doch nicht, dass unsere liebevoll angebauten Früchte ungestraft in großen Mengen gestohlen werden. Leider ist dies unser Alltag. Wir versuchen zwar Diebstähle zu verhindern, doch wenn man keine zusätzlichen Risiken mehr eingehen kann, sieht man sich oft gezwungen, die restliche Ernte billigst an Großkonzerne zu verkaufen. Zumindest weiß man so, von wem man bestohlen wird. Abschließend möchte ich noch ganz kurz erwähnen, dass wir ein Projekt haben, über das wir sehr glücklich sind, da es uns hilft, besser vorauszuplanen und uns etwas mehr Sicherheit gibt. Unsere Kunden erhalten dafür beste Qualität zu einem sehr fairen Preis. Wir bieten die Möglichkeit, eine Patenschaft für einen Baum zu übernehmen, wobei der Pate die Ernte des Baumes und einen Rabatt auf alle zusätzlichen Bestellungen erhält.

Mehr über dieses Foodfunding-Projekt ist hier zu finden:
https://erzeugerwelt.de/index.php/foodfunding/foodfunding-kampagnen

Natürlich geben wir auch gerne per E-Mail detaillierte Auskunft: hola@citrusricus.com 

Die Teilnahme an diesem Foodfunding-Projekt hat viele Vorteile für alle Beteiligten, wobei man gleichzeitig einen nachhaltigen, umweltfreundlichen Anbau der Zitrusfrüchte unterstützen kann."

Für mehr Informatione:
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Guillermo Bas
www.citrusricus.com 
 

Veröffentlichungsdatum: 14.03.2017

Schlagwörter

Orangen, Anbau, Spanien, Lage