Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH
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BREXIT und das aus Spanien folgende O&G Überangebot im deutschen Markt

30. Juni 2016

Hatte man sich als iberischer Argarproduzent gerade einigermaßen erholt vom Russland-Veto, da kommt der nächste Schock. Der Austritt des Vereinigten Königreichs als wichtiger Import-Markt spanischer Frischprodukte aus der Europäischen Union.

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Bild: Fruitconsulting SLU

Diese Entscheidung wird sich auf die Interessen des Obst- und Gemüsesektor in Spanien sehr negativ auswirken. Auf dem anschließenden EU-Gipfel in Brüssel wurde bereits gewarnt, dass es nach der überraschenden Entscheidung seiner Landsleute für den EU-Austritt keinen Weg zurückgebe. Das Brexit-Votum sei unumkehrbar, sagten auch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel der Weltpresse.

Nachdem der "Brexit" genehmigt ist, wird Großbritannien ein Drittland für die restlichen Mitgliedstaaten werden und auf die Interessen unserer gesamten O&G Branche offensichtlich sehr ungünstig auswirken wird, so Oliver Huesmann Berater bei Fruitconsulting.
Es stimmt, dass der Ausgang Großbritanniens aus der EU nicht das Ende der Exporte bedeutet, diese aber fortan unter anderen Bedingungen durchgeführt werden. Die offensichtlichste ist der Rückgang des Pfund gegenüber dem Euro, was in unserer Branche die Preisgestaltung in eine komplizierte Situation bringen wird, betonte Fermin Sanchez CEO GRUVENTA gegenüber Agroinformación.
Wir müssen abwarten und sehen, was in den nächsten Monaten passiert, und vor allem während der Übergangszeit bis der Austritt wirksam wird. Der Sektor wird sich aber mit den Nachteilen auseinander setzten müssen, welche diese neuen sozioökonomischen Bedingungen Großbritanniens, als Land außerhalb der EU bringen, meint Sanchez als Branchenkenner.

Eine kleine Hoffnung hat F. Sanchez noch in einer weiteren Abstimmung, bei welchem Schottland ein neues Referendum erzwingen und die Dinge könnten vollständig ändern. Aber bis das passiert, ist das Bild für unsere Obst- und Gemüse Exporte sehr unschön.
„ Spaniens Landwirtschaft ist mit der EU gewachsen, die meisten Betriebe sind seit Jahren an intraeuropäische Verkäufe angepasst und verfügen nicht über die Strukturen oder Kenntnisse eines Exportes in Drittländer“ sagt O. Huesmann. Das fängt schon bei der Software an welche die nötigen Meldungen an Finanzamt, Zoll , etc. weiterleitet oder die erforderlichen Dokumente erzeugt und geht weiter über die Mitarbeiter im Verkauf, Versand, Verpackung bis hin zum Transporteur. „ Keiner kann bis heute Ahnen was für Änderungen, neue Vorschriften oder Kosten auf uns zukommen“, äußert sich der.

Das englische Königreich ist drittgrößter Markt für spanische Obst- und Gemüseexporte. Im Jahr 2015 exportierte Spanien Gemüse und Obst im Wert von 1.781 Millionen Euro also ca. 1,566 Millionen Kilo nach Großbritannien. Diese Menge kann nun seitens der Produzenten teilweise nicht mehr an den britischen Kundenkreis versendet werden, da der Brexit auch die Versorgung des britischen Lebensmitteleinzelhandels trifft. Durch den Kursverfall des Pfund schwächt sich die Kaufkraft der britischen Verbraucher ab. Man kann erwarten, dass der Trend in Großbritannien nun nach und nach zu nationalen britischen Produkten geht oder solchen, zu denen die Briten zollfrei Zugang hätten. „Aldi und Lidl kaufen ohnehin schon einen beträchtlichen Anteil ihrer in Großbritannien angebotenen Waren auf der Insel selbst ein", sagte bereits Boris Planer, Chef-Ökonom von Planet Retail.

Auch wenn man seitens UK weiterhin den Zollfreien Handel mit der EU wolle, wir werden hier mit einem Überangebot an spanischer Ware vor allem im deutschen Markt rechnen müssen. Oliver Huesmann ist der Überzeugung dass die spanischen Erzeuger-Betriebe Jahre brauchen um die neuen Bedingungen umzusetzen, weshalb sie zwischenzeitlich auf für sie einfachere EU Märkte ausweichen werden. Ein Preisverfall wird folgen und Profiteur dieser prekären Situation werden die deutschen Einkaufszentralen des Lebensmitteleinzelhandels sein.

www.fruitconsulting.eu 

Quelle: Fruitconsulting SLU

Veröffentlichungsdatum: 30.06.2016

Schlagwörter

Brexit, Spanien, O&G, Überangebot, Deutschland, Markt