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Studie: TTIP kostet Österreich Arbeitsplätze und beschleunigt Bauernsterben

14. April 2016

Das US-europäische Freihandelsabkommen TTIP würde sich in Summe negativ auf den heimischen Arbeitsmarkt auswirken. Zu den stärksten Verlusten käme es in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelsektor. So lautet das Ergebnis einer umfassenden Studie zu den Beschäftigungseffekten von TTIP in Österreich, die am Mittwoch (13.04) in Wien präsentiert wurde.

Fotorechte: © SPAR / Andreas Tischler
Präsentierten die Ergebnisse der Studie, v.l.n.r.: Mag. Michael Miess (Institut für Höhere Studien), Dr. Werner Raza (Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung), Gertraud Grabmann (Obfrau Bio Austria), Mag. Alexander Egit (Geschäftsführer Greenpeace Zentral- und Osteuropa) und Dr. Gerhard Drexel (Vorstandsvorsitzender SPAR AG). Quelle: © SPAR / Andreas Tischler

Die vom Institut für Höhere Studien (IHS) und der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) durchgeführte Studie wurde im Auftrag von SPAR, BIO AUSTRIA, NÖM und Greenpeace erstellt und sieht vor allem die kleinstrukturierte heimische Landwirtschaft bedroht. Am stärksten betroffen wären Betriebe bis zu 20 Hektar, was der durchschnittlichen österreichischen Bauernhofgröße entspricht. Insgesamt könnte TTIP den Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsektor über 4.600 Jobs kosten.

 „Die Studie beweist nun, was wir seit langem versuchen aufzuzeigen: Der Feinkostladen Österreich ist tatsächlich bedroht“, kommentiert Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der SPAR AG, die Ergebnisse. „Die österreichische Lebensmittel-Kultur und damit ein Teil unserer Identität sind nachweislich gefährdet.“ Als Beispiel nennt Drexel das AMA-Gütesiegel-Qualitätsfleisch: Die Studie belege ganz klar, dass eine Marktöffnung im Rindfleischsektor die Importe aus den USA exorbitant ansteigen lassen würde. Österreich, so Drexel, sei geprägt von einer kleinstrukturierten Landwirtschaft, in den USA gebe es kaum Farmen, die weniger als 2000 Rinder hätten. „Im Massengeschäft ist aber nicht hohe Qualität gefragt, sondern ein möglichst homogener Rohstoff, der zwecks Verarbeitung in den genormten Herstellungsverfahren der Ernährungsindustrie von einem zum anderen Kontinent transportiert werden kann. Alleine der billige Preis wird das alles entscheidende Kriterium bei dieser Marktöffnung sein. Das können auf Dauer unsere Qualitätslandwirte nicht mitmachen“, warnt der SPAR-Chef. Es entstehe eine negative Preisspirale nach unten, das sogenannte „race to the bottom“. Preis und Qualität würden nach unten gehen, österreichische Qualitätsfleischprodukte und ihre Produzenten aussterben – so belege es nun eindeutig die Studie. Drexel weiter: „Diese aktuelle Studie sollte also unsere Politiker aufrütteln, damit sie sich ganz klar gegen TTIP in Position bringen.“

Gertraud Grabmann, Obfrau von BIO AUSTRIA, sieht ihre Kritik an TTIP durch die Studie bestätigt:  „Die Ergebnisse zeigen, dass die österreichische Wirtschaft durch das transatlantische Freihandelsabkommen nicht profitieren würde, die negativen Effekte von TTIP aber den Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor am stärksten treffen würden. TTIP wäre also ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel auf Kosten der Landwirtschaft. BIO AUSTRIA sieht sich daher in seiner ablehnenden Haltung gegenüber TTIP bestärkt.“ Zunehmende Konkurrenz mit Dumpingprodukten würde auch Qualitätsproduzenten wie Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern unter Preisdruck bringen. Denn eine steigende Preisdifferenz zwischen importierten Billigprodukten und Qualitätsprodukten würde die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen. „Der Faktor Qualität stellt daher – anders als oftmals argumentiert – keinesfalls einen ausreichenden Schutz vor den negativen Folgen durch TTIP dar. Zudem besteht das Risiko, dass TTIP durch eine Verwässerung der Umwelt- und Konsumentenschutz-Standards die Rahmenbedingungen für ökologische und nachhaltige Landwirtschaft massiv verschlechtert“, so Grabmann.

Quelle: SPAR

Quelle: SPAR

Veröffentlichungsdatum: 14.04.2016

Schlagwörter

Studie, TTIP, Österreich, Arbeitsplätze, Bauernsterben