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Kartoffeln: Kleine Ernte, große Wirkung?

04. Januar 2016

Im Wirtschaftsjahr 2014/15 waren die Kartoffelpreise und damit auch die Kartoffelerlöse unterdurchschnittlich. Das hat manchen Landwirt bewogen, den Anbau in 2015 einzuschränken oder aufzugeben. Das traf vor allem Konsumkartoffeln im Süden, Osten und Westen. Niedersachsens Landwirte dagegen bauten ihre Bedeutung für den Kartoffelmarkt dagegen noch aus.

Kartoffelernte

In Europa ging viel Fläche in Rumänien verloren. Spanier, Briten und Franzosen schränkten aber auch nennenswert ein. In Polen dagegen machte der Strukturwandel nach Jahren kräftiger Flächenverluste eine Pause, es wurden sogar deutlich mehr Kartoffeln angebaut.

Wetterkapriolen

Das Wetter hatte 2015 einige Besonderheiten zu bieten, die maßgeblichen Einfluss auf Anbau und Ernte hatten. Es sorgte zwar EU-weit für noch durchschnittliche Erträge, regional und sektorweise sind die Unterschiede aber groß. Zunächst verursachte ein sehr kaltes Frühjahr Verspätungen in West- und Mitteleuropa. Wichtigster Effekt davon: Im Sommer kamen die Ernten meistens zeitlich gut gestaffelt an den Markt und ließen den Anbietern die Möglichkeit, höhere Forderungen als sonst durchzusetzen. Nach einem heißen und trockenen Sommer blieb das, zumindest bei Speiseware, auch so. Die hierfür verwendeten frühen und mittelfrühen Sorten beendeten das Wachstum oft mit nur knapp durchschnittlichen Erträgen. Später reifende Verarbeitungskartoffeln dagegen profitierten in Westeuropa von einer sehr wüchsigen Endphase der Vegetation, die ein regenreicher August einleitete. Mit reichlich vollen Lägern und einigen Herausforderungen bezüglich der Qualität, war es für Chips- und Frittenrohstoff nicht möglich, ein hohes Preisniveau in den Winter zu retten. 

Schwierige Qualitäten prägten erste Wirtschaftsjahreshälfte

Eine besondere Herausforderung stellt diese Saison die Qualität dar. Spätes aber kräftiges Massenwachstum bei Verarbeitungskartoffeln senkte die Stärkegehalte der Knollen. Das hat negative Auswirkungen auf die Ausbeute. Gepaart mit einer viel zu warmen ersten Lagerperiode führt das auch zu Problemen mit der Haltbarkeit. Lange anhaltender Angebotsdruck nicht lagerfähiger Partien war die Folge. Bei Speisekartoffeln befürchten Lagerhalter Qualitätseinbußen durch Silberschorf, frühzeitige Keimung und Lagerdruck. Allerdings gibt es längst eine große Menge an Kartoffeln, die in Kistenkühllägern bevorratet werden und so viel sicherer vor Verderb sind.

Ausblick auf 2016 meistens positiv

Lagerkritische Verarbeitungsware besonders empfindlicher Sorten wird flott geräumt. Flächenläger mit Speisekartoffeln dürften früher geleert sein als im Vorjahr. Damit schwindet dann Angebotsdruck. Auf der Nachfrageseite sind die Einflussfaktoren generell hausseträchtig. Die Kartoffelverarbeitung wächst in West- und Mitteleuropa immer weiter. Die bedient eine immer größere Nachfrage vom Weltmarkt. Dort ist die Konkurrenz währungs- und strukturbedingt gering. Insbesondere Pommes frites sind sehr gefragt. 

Das teils starke Gefälle der Versorgung mit Kartoffeln von Nordwest nach Südost wird den in der EU in der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahres schon lebhaften Lieferverkehr noch weiter anheizen. Auf Preisaufschläge können vor allem Besitzer von guter Speiseware hoffen, wie sie in Frankreich oder Deutschland umfangreicher im Kistenkühllager vorhanden ist. Das schon vergleichsweise hohe Kursniveau könnte einen Preisanstieg aber rasch an die Decke stoßen lassen. Gedeckelt sind auch die Möglichkeiten, für Verarbeitungsrohstoff mehr zu erzielen, da die Verarbeiter sehr reichlich mit Vertragsware eingedeckt sind. Hier werden bessere Kurse für die Erzeuger auch länger auf sich warten lassen.

Insgesamt ist das Wirtschaftsjahr 2015/16 wohl für viele Anbauer positiv zu bewerten. Die Erlöse für Verarbeitungskartoffeln sind bei hohen Erträgen aber durchschnittlichen Preisen gut. Speisekartoffeln kommen im Norden noch besser weg. Im Süden gleichen besonders hohe Preise mäßige Erträge aber nicht immer ganz aus. Wer heftige Qualitätsprobleme hatte, dürfte auch nicht zufrieden sein. 

Quelle und Copyright: AMI-informiert.de (AMI, 28.12.2015)

Veröffentlichungsdatum: 04.01.2016

Schlagwörter

Kartoffeln, Ernte, Wirkung, Handel