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Saisonbericht 2015 aus Baden: Deutliche Unterschiede zu den Vorjahren

05. November 2015

Die badischen Erzeugermärkte in Bruchsal, Oberkirch, Vogtsburg und auf der Insel Reichenau ziehen eine vorläufige Jahresbilanz zur Obst- und Gemüse-Saison 2015. Die endgültigen Zahlen können erst nach Saisonende beim Jahresabschluss vorgelegt werden; die Vermarktung der wichtigsten badischen Produkte Spargel, Erdbeeren, Beeren, Kirschen, Zwetschgen, Äpfeln, Tomaten, Gurken und Paprika weist aber jetzt schon deutliche Unterschiede zu den Vorjahren auf.
 

Foto BWGV
Hohe Sommertemperaturen und eine starke Grillsaison in 2015 haben die Nachfrage nach Salaten und Gurken gesteigert. (Foto: BWGV)

Der Saisonbeginn des Jahres 2015 in den Obst- und Gemüsekulturen lag zwischen dem sehr frühen Beginn des Jahres 2014 und dem sehr späten Start des Jahres 2013. In Bezug auf den Erntestart betrachten die Erzeugermärkte das Jahr 2015 als „Normaljahr“.

Die Spargelernte begann in den letzten Märztagen. Die Vermarktungsmenge liegt auf Niveau der Vorjahresmenge von 6.000 Tonnen. Die Erlöse waren zufriedenstellend.

Mit der Saison bei Gurken, Tomaten und Paprika waren die badischen Gemüse-Gärtner und Erzeugermärkte zufrieden. Die hohen Sommertemperaturen und eine starke Grillsaison haben zu einem Nachfrageschub nach Salaten und Fruchtgemüse geführt. Das aufgrund von Flächenreduzierungen verringerte Angebot an badischen Gurken konnte im Vergleich zum Vorjahr zu höheren Durchschnittspreisen vermarktet werden. Die Anbaufläche bei Rispentomaten wurde ausgeweitet, bei der Reichenauer Inselperle und Romatomaten dagegen reduziert. Die Erntemenge bei Paprika fiel aufgrund der Hitzetage zwar geringer aus, mit der Qualität und Nachfrage waren die Gemüsegärtner jedoch sehr zufrieden.

Bei den badischen Erdbeeren konnten die frühzeitigen Anlieferungen aus dem Tunnelanbau gut vermarktet werden. Die Vermarktung der badischen Freilandware fiel mit Angebotsmengen aus den ausgeweiteten Ernteverfrühungsmengen der anderen deutschen Anbaugebiete zusammen. Die badische Erdbeeren-Absatzmenge wird deutlich unter dem Vorjahreswert von 13.500 Tonnen liegen. Insgesamt sanken die Durchschnittserlöse für Erdbeeren im Vergleich zum Vorjahr. Bis auf den frühen Bereich war die Erdbeerenvermarktung wenig zufriedenstellend.

Beim Verkauf von Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Heidelbeeren konnten im Obst- und Gemüsegarten Baden im Vergleich zum Vorjahr mit höheren Mengen auch höhere Durchschnittserlöse erzielt werden. Das bundesweite Angebot an Brombeeren fiel ebenfalls höher aus, die Schnittpreise sanken dagegen.

Tafelkirschen, Industriekirschen und Brennkirschen konnten in ihren Segmenten zufriedenstellend vermarktet werden. Der Frischmarkt verspricht nach Ansicht der badischen Obstmärkte bei konsequenter Qualitätsproduktion und –sortierung auch in den nächsten Jahren gute Vermarktungschancen.

Bei Zwetschgen konnten mit einer geringeren Menge als im Vorjahr höhere Umsätze erzielt werden. Nicht zuletzt aufgrund einer schwächeren Ernte im osteuropäischen Ausland und damit geringerer Einfuhren konnten die badischen Zwetschgen-Erzeugermärkte als größter deutscher Zwetschgenanbieter gute Schnittpreise erlösen.

Die Kernobstvermarktung der Ernte 2015 startete mit zufriedenstellenden Mengen und Erlösen. Auch für die Frühjahrsvermarktung hoffen die badischen Erzeugermärkte auf stabile Vermarktungsbedingungen.

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Die gesamte Saison stand für Erzeuger und Genossenschaften unter der Frage, wie sich der Mindestlohn mit allen formellen Anforderungen und Rahmenbedingungen und der damit verbundene Kostendruck auf die Ernte, die Anlieferungsmengen und auf die Vermarktung auswirken. 

Die Antwort aus Baden: Die gesetzeskonforme Umsetzung der formellen Anforderungen könnte und sollte noch praxisnäher gestaltet werden, um die bestehenden Verunsicherungen bei den Betrieben wieder abzubauen. Der Kostendruck durch den Mindestlohn wird mit den vorgesehenen Erhöhungen in den nächsten Jahren noch viel stärker zunehmen. Wenn keine ausreichenden Erlössteigerungen erzielt werden, müssen die Betriebe entscheiden, welche Kulturen noch kostendeckend angebaut werden können. 

Die badischen Erzeugermärkte in Bruchsal, Oberkirch, Vogtsburg und auf der Insel Reichenau beobachten die Entwicklung kritisch und befürchten „französische Verhältnisse“ in Baden in Bezug auf den Anbau von Sonderkulturen. Denn in der grenznahen französischen Region Elsass ist seit Einführung des Mindestlohnes der Sonderkulturanbau in den letzten Jahrzehnten nahezu verschwunden.
 

Veröffentlichungsdatum: 05.11.2015

Schlagwörter

Saisonbericht, Baden, BWGV, Unterschiede, Vorjahren, fruchthandel