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Deutsches Transportlogistikgewerbe verliert 2015 weiter Marktanteile

27. Oktober 2015

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. aus Frankfurt am Main verwies auf seiner Mitgliederversammlung 2015 in Hamburg darauf, dass das deutsche Transportlogistikgewerbe durch zunehmende Dumpingkonkurrenz immer stärker unter Druck gerät.

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Anlage 1: Mautkilometeranteile der Lkw aus den EU-Beitrittsstaaten 2007–2015. Quelle BGL

Gemessen an den in Deutschland gefahrenen Mautkilometern sinkt der Marktanteil deutscher Lkw seit Jahren kontinuierlich und zwar von 65,6 % im Jahre 2009 über 64,4 % anno 2010, 63,5 % in 2011, 62,6 % in 2012, 61,6 % in 2013 und 60,7 % in 2014 auf nur noch 59,6 % in den ersten neun Monaten des Jahres 2015! Lkw aus den EU-Beitrittsstaaten dagegen konnten ihren Marktanteil seit 2007 von 18,4 % auf stolze 30,1 % in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 – und damit auf den achten Marktanteilsrekord in Folge – ausbauen (s. Anlage 1). Allein Fahrzeuge mit polnischen Kennzeichen verfügen auf mautpflichtigen Straßen in Deutschland inzwischen über einen Mautkilometeranteil von 13,5 %.

Bis zur Mautausweitung auf weitere 1.100 km Bundesstraßen (bei denen der Anteil deutscher Lkw erfahrungsgemäß bei etwa 85 % liegt) zum 01.07. – also im 1. Halbjahr 2015 – hatten die Lkw aus den EU-Beitrittsstaaten sogar einen Marktanteil von 30,4 % und die deutschen Lkw nur noch einen von 59,0 %. Demnach hat sich das Tempo der deutschen Marktanteilsverluste gegenüber den Vorjahren sogar fast verdoppelt!

Von Januar bis September 2015 stiegen die von deutschen Lkw gefahrenen Mautkilometer (inkl. der neu mautpflichtig gewordenen Bundesstraßen) um lediglich 1,5 %, während die Wettbewerber und teils Dumpingkonkurrenten aus den EU-Beitrittsstaaten im gleichen Zeitraum um glatte 10 % zulegen konnten (s. Anlage 2).

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Anlage 2: Veränderung der Mautkilometer nach Herkunft des Lkw, Jan.–Aug. 2015. Quelle BGL

Experten sehen die Ursachen für diese Entwicklung u.a. in dem anhaltenden Lohn- und Sozialkostengefälle. Der zum 01.01.2015 in Deutschland eingeführte Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde erwies sich im Bereich des Straßengüterverkehrs bisher als augenscheinlich wirkungslos. Nach Beobachtungen des BGL sind keinerlei kostenbedingte Preisänderungen in grenzüberschreitenden Verkehren eingetreten.

Die Fahrzeuginvestitionen der deutschen Transportlogistikunternehmen entwickelten sich nach jahrelanger Zurückhaltung wieder etwas positiver, allerdings vorwiegend um überfällige Ersatzinvestitionen tätigen zu können. Wie die Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg zeigt, bewegte sich die Zahl der in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 in Deutschland neu zugelassenen Sattelzugmaschinen mit 27.617 Einheiten erstmals über dem Niveau des Zwischenhochs von 2011, lag aber immer noch 15 % unter dem Vorkrisenniveau von 2008.
 

Veröffentlichungsdatum: 27.10.2015

Schlagwörter

Deutschland, Transportlogistikgewerbe, Logistik, Marktanteile