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Indirekte Folgen des Importstopps machen den Bodensee-Obstbauern zu schaffen

29. Juli 2015

Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, warnt davor, die Folgen der Sanktionen zu unterschätzen. "Russland war einer der größten Abnehmer deutscher Agrarausfuhren außerhalb der EU", sagt er. 2011/2012 betrugen die Agrarexporte in den Osten 1,9 Milliarden Euro. Jetzt rechnet Hemmerling mit der Hälfte. Zum Vergleich: In die EU-Staaten führt die Bundesrepublik Agrarprodukte im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro aus.

Äpfel
Bildquelle: Petra Bork  / pixelio.de

Die Marktgemeinschaft Bodenseeobst hat die Sanktionen zu spüren bekommen. Pro Jahr lieferte sie nach Angaben des aus Oberkirch stammenden Geschäftsführers Egon Treyer zwischen 8000 und 15 000 Tonnen Äpfel nach Moskau und St. Petersburg. In Russland verkaufte die Erzeugerorganisation vor allem großkalibrige Äpfel mit einem Durchmesser über 80 Millimeter, für die sich im Inland nur schwer ein Markt fand.

Mehr als der fehlende direkte Russlandexport machen den Bodensee-Obstbauern allerdings die indirekten Folgen des Importstopps zu schaffen. Exportorientierte Länder wie Belgien (Äpfel, Birnen) oder Polen (Äpfel), die Niederlande (Äpfel, Birnen, Gemüse) seien wesentlich stärker von der russischen Nachfrage abhängig. Deren nicht mehr im Osten absetzbaren Mengen drängten woanders in den Markt, was auf die Preise drücke. Zwar hat die EU im vergangenen Jahr Marktrücknahmeprämien gezahlt, damit einige Äpfel und Birnen gar nicht erst geerntet wurden. Dieser Effekt hat jedoch den Wegfall der Exporte nach Russland nicht ausgleichen können, zumal es in ganz Europa eine sehr gute Ernte gab, sagt Treyer. 

Quelle und © Copyright: badische-zeitung.de, Autor: Bernd Kramer

Veröffentlichungsdatum: 29.07.2015

Schlagwörter

Russland, Sanktionen, Importstopp, Bodensee, Obstbauern