Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Der Gemüse-Anbau der Zukunft

18. Mai 2015

Gemüse ist gesund - und beliebt. Seit Jahren steigt die Nachfrage in Deutschland. Das meiste davon wird im Freiland gepflanzt und geerntet - nur ein Prozent kommt aus dem Gewächshaus. Allerdings: Der Anbau braucht viel Platz. Das muss aber nicht so bleiben. Drei Konzepte für die Landwirtschaft der Zukunft:

Der Gemüse-Anbau der Zukunft

Idee Nummer 1: Vertical Farming

Die Idee der Turmgewächshäuser gibt es zwar schon seit den 1960er-Jahren, aber erst jetzt entstehen aus den Ideen erste tatsächliche Bauten. Gemüse im Hochhaus, übereinander statt nebeneinander. In Singapur ist 2014 eine kommerzielle Vertikalfarm unter großem Medieninteresse in Betrieb gegangen. Am Technical College in Wigan, Großbritannien, wird seit eineinhalb Jahren der Anbau von Gemüse in  Stahlcontainern erforscht und praktiziert. Und auch in Deutschland beginnt die Idee zu gedeihen: Der Münchner Maximilian Lössl hat genau gerechnet und getüftelt und will mit seiner Vertikalfarm "Agrilution" in einem Jahr produktionsbereit sein: Schließlich braucht Gemüse in einem geschlossenen Kreislaufsystem bis zu 98 Prozent weniger Wasser als in der herkömmlichen Landwirtschaft, außerdem bis zu 60 Prozent weniger Düngemittel - und man kann zwei bis drei Mal schnellere Wachstumsraten erreichen. Für Lössls Startup-Unternehmen "Agrilution" interessieren sich jetzt schon eine ganze Reihe internationaler Investoren.

Fazit: Vertical farming wird schon länger als eine Lösung für den Gemüseanbau der Zukunft angepriesen. Dank moderner Technologien wie effektiverer Wärmedämmung, Netzwerksystemen, LED-Licht und Robotik erscheint eine Umsetzung auch bei uns sinnvoll.

Idee Nummer 2: Die Algenfarm

Etwa 200 verschiedene essbare Algenarten gibt es - sie gelten schon seit Jahrzehnten als Supergemüse, vollgepackt mit Eiweiß und Vitaminen. Tatsächlich werden sie bei uns aber in erster Linie zu Lebensmittelfarbstoff oder für die Nahrungsergänzung weiterverarbeitet. Algen aus dem Meer als Gemüse anzubauen und zu ernten, wie in Asien, kommt aber langsam auch in Europa an. An der Ostseeküste Dänemarks kultivieren zwei Biologen seit vier Jahren an langen Seilen das Meeresgemüse. Vier Tonnen Algen haben die Dänen im ersten Jahr verkauft, mittlerweile sind es schon zehn Tonnen jährlich. Dänische Lebensmittelproduzenten bieten inzwischen vegetarische Algenwürstchen und Nudelsoßr aus Algen an - weitere Produkte sollen folgen.

Fazit: Die Frischalge als Gemüse ist noch ein Nischenprodukt. Doch die Nachfrage steigt - langsam aber stetig. Angesichts ihrer Qualitäten könnte sie als Nährstoffquelle aber womöglich bald eine bedeutendere Rolle spielen.

Idee Nummer 3: Stadtfarmen

Die Idee kommt aus Detroit, der einstigen US-amerikanischen Autobauer-Hochburg. Mit dem Niedergang der Industrie erlebte die Stadt einen dramatischen Wandel: Arbeitsplätze wurden gestrichen, die Menschen zogen fort, Supermärkte gaben auf. Plötzlich gab es einen tatsächlichen Mangel an frischen Lebensmitteln. 
Da begannen die Einwohner, selbst Gemüse anzubauen - erst in ihren Gärten, dann überall auf freien Flächen. Inzwischen stellen die Menschen hier die Hälfte aller Lebensmittel, die sie brauchen, selbst her. Urban Gardening - nicht als Hobby, sondern als neue Form des organisierten Ackerbaus in einer Großstadt. Eine deutsche Forschergruppe hat vor kurzem begonnen, eine Karte zu erstellen, auf der alle größeren städtischen Landwirtschafts-Projekte weltweit verzeichnet sind. Fast 100 sind es schon. Die Forscher haben errechnet, dass sich allein in Berlin über 7.000 Dachflächen zum Bepflanzen eignen würden.

Fazit: Vom Boden komplett unabhängig ist Landwirtschaft noch nicht vorstellbar. Diese Form des Anbaus wird es wohl  immer geben - aber es kommen schon jetzt ganz neue Formen dazu.

Quelle: BR, Doris Tromballa

Veröffentlichungsdatum: 18.05.2015

Schlagwörter

gemüse, Anbau, Zukunft, Vertical Farming, Algenfarm, Stadtfarmen