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Wie steht es um die Bio-Beratung in Deutschland?

16. März 2015

Eine Studie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde untersucht die Zufriedenheit von Biolandwirtinnen und -landwirten mit der fachlichen Beratung. So erfahren und erfolgreich eine Biolandwirtin oder ein Biolandwirt auch sein mag, früher oder später ist fast jeder Betrieb auf eine fachliche Beratung angewiesen. Insofern ist die Güte der Beratung für die Entwicklung des Ökolandbaus von großer Bedeutung. Doch wie steht es um die Qualität der Öko-Beratungsanbieter in Deutschland? Wie zufrieden sind die Bio-Erzeugerinnen und -Erzeuger mit dem Beratungsangebot? Und wie viele Betriebe nehmen überhaupt Beratung in Anspruch?

Aufschluss hierüber gibt erstmals eine bundesweite Untersuchung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Um die Sicht der Beratungsnutzenden zu erfassen und um Ansatzpunkte für die Verbesserung der Bio-Beratung zu finden, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Professor Horst Luley im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) fast 600 Ökobetriebe aus fast allen Bundesländern befragt. Rund 70 Prozent der Befragten haben sich in den Jahren 2011 bis 2013 beraten lassen. In der Befragung betonte eine große Mehrheit, dass sie mit dem Angebot der Beratungsanbieter insgesamt sehr zufrieden sei und ihr Betrieb von der Beratung profitiert habe - unabhängig davon ob, es sich um einen privaten Anbieter, eine Ringberatung, einen verbandlichen, staatlichen oder halbstaatlichen Betragungsträger handelte. In hohem Maße stimmten sie der Aussage zu, dass "die Berater ihres Beratungsanbieters auf die Situation des Betriebes eingehen" und "ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten". Nur 17 Prozent der Befragten sahen in dieser Zeit für ihren Betrieb keinen Beratungsbedarf. Auch deshalb nicht, weil sie über langjährige Erfahrung verfügen und sich intensiv mit Kolleginnen und Kollegen austauschen können. Und nur drei Prozent versprechen sich von einer Beratung keine Hilfe oder wissen nicht, an wen sie sich für ihr Anliegen wenden sollen.

Grundsätzlich verstehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beratung "als eine auf den Betriebsleiter und den Ökobetrieb zugeschnittene, individuelle, kommunikative Dienstleistung". Gefragt sind also nicht nur Informationen, sondern passgenaue Lösungen. "Für den Beratungskunden zählt letztendlich, ob es ihm mithilfe der Beratung tatsächlich gelingt, seine subjektiv empfundenen Probleme zu lösen", betont Professor Luley. Dafür sei es wichtig, dass es auch auf der zwischenmenschlichen Ebene gut funktioniert. Dementsprechend hat die Befragung ergeben, dass es den ratsuchenden Betrieben nicht nur auf eine gute Qualifizierung der Beraterinnen und Berater ankommt. Für sie zählt zudem ein vertrauensvolles Verhältnis. Und dabei ist - vor allem für männliche Betriebsleiter - Kritik an ihrer Arbeitsweise seitens des Beratenden durchaus erwünscht. Dagegen legen Betriebsleiterinnen verstärkt Wert darauf, dass ihnen die Beratung verschiedene Alternativen zur Lösung ihres Problems aufzeigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler raten deshalb Beratungsanbietern zu einer  zielgruppenspezifischen Ansprache ihrer Beratungskunden, was deren Geschlecht und auch Alter betrifft.

"Beratung ökologisch wirtschaftender Erzeuger in Deutschland - Ihre Qualität aus Sicht der Nutzer und ihr Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe" lautet die offizielle Bezeichnung dieses Forschungsprojektes.

Der Abschlussbericht findet sich in Organic Eprints , eine Kurzfassung auf der Homepage der Hochschule für nachhaltige Entwickung Eberswalde.


Quelle: oekolandbau.de / BÖLN

Veröffentlichungsdatum: 16.03.2015

Schlagwörter

Bio, Beratung, Deutschland