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Russland investiert massiv in Gemüseanbau - Investitionsboom bei Gewächshäusern

12. November 2014

Gewächshäuser schießen in Russland zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Seit Russland kein Gemüse mehr aus der EU importiert, kommt neuer Schwung in die Branche. Kein Wunder: Denn das größte Land der Welt produziert nur ein Drittel seines verbrauchten Gemüses selbst. Hoch im Kurs steht Lager- und Sortiertechnik. Die soll es den Regionen ermöglichen, regionale Produkte von Kleinbauern zu sammeln und an den Großhandel weiterzuverkaufen, heisst es in einer Mitteilung von Germany Trade & Invest (gtai).

Russlands Verbraucherinnen und Verbraucher essen Jahr für Jahr rund 1,8 Mio. t Treibhausgemüse. Davon stammt nur ein Drittel aus russischer Produktion: ungefähr 600 Mio. t. Der Rest wurde vor den Sanktionen überwiegend aus der Europäischen Union importiert: aus den Niederlanden, Spanien, Griechenland oder Polen. Außer der in Russland beliebten roten Beete kommen zwischen November und Juli fast alle Gemüsesorten aus Gewächshäusern. Während sich russische Gewächshausbetreiber wie Belaja Datscha auf Tomaten, Gurken, Petersilie und Dill konzentrieren, mussten und müssen Zucchini, Paprika, Auberginen und Broccoli fast ausschließlich importiert werden.

Seit dem Embargo auf Lebensmittel aus der EU sind russische Importeure ausgewichen auf die Lieferländer Türkei, Iran und VR China. Doch auch da gibt es ein Manko. Gemüse aus diesen Ländern enthält oft Spuren von Pflanzenschutzmitteln. Der russische Gewächshaus-Verband macht sich daher für größere Kapazitäten in Russland stark. Verbandschef Natalja Rogowa etwa empfiehlt die Anbaufläche von heut 1.900 ha auf 4.000 ha zu erweitern. "Damit könnten wir uns zu 70 bis 80% selbst mit Gemüse versorgen", sagt Rogowa.

Auch wenn Gemüse aus russischem Anbau um 20% teurer ist als Importware, allein der komplexen Logistik wegen dürften russische Investoren gute Chancen am Markt und bei Supermarktketten haben. Schon heute gibt es in Russland eine Reihe großer Gemüsebetriebe, die mit staatlicher Unterstützung am Markt bestehen. Es befinden sich einige Treibhäuser im Bau, bestehende Anlagen werden modernisiert.

Investitionsboom bei Gewächshäusern

Das Unternehmen UK Technologi teplitschnogo rosta will bis 2016 sechs neue Treibhauskomplexe bauen. Vier davon befinden sich zurzeit schon im Bau: in den Gebieten Moskau, Astrachan, Tjumen und Saratow. Bereits zum Jahr 2015 - dann sollen die ersten Bauphasen abgeschlossen sein - erwarten die Investoren eine Ernte von 50.000 t Gemüse. Insgesamt dürften sich die Investitionen auf bis zu 310 Mio. US$ belaufen. Wenn alle sechs Projekte mit 150 ha Treibhausfläche verwirklicht sind, so könnte UK Technologi teplitschnogo rosta einen Marktanteil in Russland von 10% erreichen.

Die Marktführerschaft in Russland streben die Manager im Gewächshaus-Kombinat Nowosibirski in der gleichnamigen russischen Region zwar nicht an. Doch auch bei Nowosibirski sollen bis 2018 immerhin 50 Mio. Euro in die Erweiterung der Kapazitäten investiert werden.

In der Kaukasus-Republik Dagestan gibt es zurzeit zwei Treibhausprojekte. Eines davon in der Ortschaft Tjuba. Dort sollen Gurken und Tomaten gezüchtet werden. Ein anderes Gewächshaus siedeln private Investoren auf dem Betriebsgelände des Unternehmens OOO Agro Mir an. Dabei werden sie von der Regierung Dagestans unterstützt. Im November 2014 soll der erste 4 ha große Bauabschnitt fertig gestellt werden, danach wollen die Investoren das Territorium sogar auf 10 ha vergrößern und jährlich 3.000 t Gemüse produzieren.

Auf dem Gelände des bankrotten Agrarunternehmens Jubilejny in der Region Orlow will das Sankt Petersburger Unternehmen Kumir 10 ha große Treibhäuser für umgerechnet 20 Mio. Euro bauen lassen. Ein niederländischer Zulieferbetrieb soll das riesige Gewächshaus schlüsselfertig bauen, heißt es in lokalen Medien und in der überregionalen Wirtschaftszeitung "Kommersant". Die erste Ernte soll schon 2015 eingefahren werden.

Die Firma Lipezk Agro in der gleichnamigen Region baut für knapp 100 Mio. Euro zwei riesige Träubäuser zur Gemüseproduktion. Der Investor rechnet mit 5 Mio. Euro Zuschüssen aus dem föderalen und regionalen Haushalt. Im Gebiet Wolgograd investiert das Unternehmen OOO Owoschewod unter der Marke "Botanika" in einen 20 ha großen Treibhauskomplex mit angeschlossenem Logistikzentrum und Lagerhalle. Kosten: 35 Mio. Euro. Die Kapazitäten sollen 20.000 t Gemüse pro Jahr betragen.

Regionen bauen große Sortieranlagen und Lagerhallen

Das Wolgograder Projekt zeigt: In Russland fehlt es nicht nur an Treibhauskapazitäten, es mangelt auch an Lager- und Kühlhäusern für Obst und Gemüse. Denn neben den großen Agrarholdings in Russland gibt es Zehntausende Datschenbesitzer, die selbst Kartoffeln, Tomaten und Gurken anbauen und durchaus in der Lage wären, ihre Ware auch an den Großhandel zu verkaufen. Doch dazu mangelt es überall im Land an Sortieranlagen und Lagerhäusern. In der Region Rjasan soll sich das ändern. Für 54 Mio. Euro entsteht dort ein Lager für 49.000 t Kartoffeln, Gurken, Karotten und anderes Gemüse. Das Unternehmen Agropromyschlennoe chosjaistwo Ungor verwirklicht zurzeit gerade die erste Etappe für 8.500 t. Ungor will künftig Gemüse von Kleinbauern aus der Region kaufen, sortieren und für den Verkauf an den Großhandel vorbereiten.

Ein ähnliches Projekt plant auch die Agrofirma Rasdolje in der Region Pensa. Dort soll bis 2017 ein Logistikzentrum für 10.000 t Gemüse entstehen. Rasdolje baut außerdem drei Lagerhallen für Kartoffeln und zwei für Gemüse. Desweiteren sollen Förderbänder, Sortieranlagen, Verpackungsmaschinen, Kühlausrüstung und Ventilationstechnik gekauft werden.

Auch wenn russische Investoren neue Gewächshäuser gerne in den Niederlanden ordern, deutsche Zulieferer können trotzdem von dem Boom profitieren. Denn bei den Heizkesseln oder den Ventilationssystemen wird gerne deutsche Technik verwendet. Dasselbe gilt für die Lagerhallen. Sortieranlagen, Verpackungsmaschinen und Kühlausrüstung - die Liste deutscher Komponenten, die sich in russischen Logistikzentren wiederfinden, ist lang.


Quelle: Von Bernd Hones, Germany Trade & Invest

Veröffentlichungsdatum: 12.11.2014

Schlagwörter

Russland, Investierung, Gemüseanbau, Boom, Gewächshaus