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Biofach 2015: Bio-Handel im Wandel - Zunehmende Filialisierung verändert deutschen Bio-Handel

25. September 2014

In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz der gesamten Bio-Branche auf 7,55 Mrd. EUR verdreifacht, so die Zahlen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, BÖLW, Berlin (D). Über die Ladentheken des Bio-Fachhandels in Deutschland wanderten gemäß Umsatzbarometer des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren, BNN, Berlin (D), im Jahr 2013 Bio-Produkte für rund 2,5 Mrd. EUR. Bio steuert weiterhin unvermindert auf Erfolgskurs: Im ersten Halbjahr 2014 stiegen die Umsätze erneut knapp zweistellig. Nun gilt es, die Strukturen zukunftssicher aufzustellen und das Profilierungspotenzial zu nutzen.

biofach logo grootAlljährlicher Branchentreffpunkt für Akteure aus allen Bio-Handels- und Vertriebskanälen ist zum Jahresauftakt im Februar die BIOFACH. Das nächste Mal findet diese vom 11. bis 14. Februar auf dem Messegelände in Nürnberg statt.

2015 werden zur Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel erneut über 42.000 Fachbesucher erwartet. Sie gestalten mit Vertretern aus Gesellschaft, Politik und Medien die Zukunft der Branche. Die Herausforderungen im Handel sind vielfältig. Im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden gilt es heute, neue Konzepte zu kreieren, Einkaufserlebnisse zu schaffen und immer wieder Innovationen zu präsentieren. Inspiration hierfür holt sich die Branche auf der BIOFACH. Sie lädt Facheinzelhändler auch im Februar wieder in den Fachhandelstreff mit Forum und Club. 

Expansive Handelsentwicklung und wachsendes Verbraucherinteresse

Grundlage für den kontinuierlichen Zuwachs im Bio-Handel ist der deutliche Ausbau der Verkaufsflächen für Bio. Im Jahr 2013 eröffneten in Deutschland mit 105 Bio-Märkten so viele neue Läden wie noch nie ihre Pforten: Es waren 30 Prozent mehr Neueröffnungen als im Jahr zuvor. Nach Recherchen von Bio-Markt.info, Lauterbach (D), entspricht dies einem Zuwachs von knapp 46.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Damit hat sich diese innerhalb eines Jahrzehntes mehr als verdoppelt. Die expansive Handelsentwicklung verläuft parallel zum steigenden Interesse der Verbraucher an Bio-Lebensmitteln. Im aktuellen BMEL-Ökobarometer geben 23 Prozent der unter 30jährigen an, häufiger nach Lebensmitteln aus ökologischem Anbau zu greifen. Das sind 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Insbesondere fleischlose Convenience-Produkte können in der jungen Generation punkten. Nach dem Biovista Handelspanel zeigt sich ein starker Trend zur veganen Ernährung. So stieg der Umsatz bei Artikeln wie Tofu oder vegetarischen Brotaufstrichen im ersten Halbjahr 2014 um 20 beziehungsweise knapp 30 Prozent. 

Im Trend: Große Einkaufsstätten und Filialisten

Auf der Handelsseite geht die Entwicklung hin zu größeren Einkaufsstätten. Die durchschnittliche Verkaufsfläche eines neuen Marktes bewegt sich aktuell zwischen 450 und 500 Quadratmetern. Damit zeichnet sich ein deutlicher Strukturwandel hin zu Bio-Supermärkten ab. Deren Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren versechsfacht. Rund die Hälfte aller Bio-Fachmärkte und Bio-Supermärkte gehört einem Filialisten. So existieren in Deutschland derzeit 22 Bio-Handelsunternehmen, die fünf oder mehr Verkaufsstellen auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene betreiben und den Markt durch ihre Expansion gezielt weiter voranbringen. Als Marktführer agiert der Filialbereich des Biogroßhändlers Dennree mit insgesamt 130 Denn´s Biomärkten. Alleine im Jahr 2013 eröffnete das Töpener Unternehmen 23 neue Filialen. Auf Platz zwei rangiert das Darmstädter Bio-Handelshaus Alnatura, das sein Filialnetz mit 11 neuen Bio-Supermärkten im vergangenen Jahr auf insgesamt 83 Alnatura-Märkte weiter ausgebaut hat. Neben den beiden national aufgestellten Anbietern Denn´s und Alnatura, erhöhten zudem regionale Akteure wie beispielsweise die Berliner Biocompany das Expansionstempo. Mit weiteren Neueröffnungen im Jahr 2014 schreitet der Ausbau der Handelsflächen für Bio-Lebensmittel damit unvermindert fort.

„Wir haben uns rechtzeitig entschlossen, Tempo zu geben und betreiben inzwischen 35 Filialen. In den letzten Jahren konnten wir jährlich zwischen fünf und sieben neue Läden eröffnen. Dieses Wachstumstempo wollen wir weiter fortsetzen“, erklärt Georg Kaiser, Geschäftsführer der Berliner Bio Company. Die Bio Company setzt mit dem regionalen Schwerpunkt in der Hauptstadt auf ein klares Profil. „Die Ladenfläche in Berlin und Brandenburg ist in den letzten zwölf Jahren um 750 Prozent gewachsen“, so Georg Kaiser.

Unternehmergeist und einzigartige Konzepte sind gefragt

Angesichts des positiven Wachstumstrends sei Ausruhen derzeit nicht angesagt, sagt Kommunikationsberater Klaus Braun, Speyer am Rhein (D). Er befürchtet allerdings, dass derzeit zu viele Akteure dazu neigen, sich auf den aktuellen wirtschaftlichen Gewinnen auszuruhen. „Sie sind primär damit beschäftigt, den aktuellen monetären Erfolg zu festigen. Damit legen sie in ihrer Erfolgsphase die Grundlage für baldiges Scheitern“, konstatiert der Berater provokant in einem kürzlich veröffentlichten „Zwischenruf“.

Im Einzelhandel verschiebe sich der Wettbewerb immer stärker von einem konkurrierenden System unterschiedlich aufgestellter inhabergeführter Betriebe zu einem Strukturwettbewerb, in dem filialisierte Systeme einen rasant größer werdenden Teil des Marktes okkupieren. „Auch wenn vielerorts die inhabergeführten Einzelhandelsbetriebe noch dagegen bestehen können, so ist doch in manchen Großstädten bereits festzustellen, dass die Filialisierungswelle (auf hohem Ladengestaltungs-Niveau) mit zunehmender Gleichförmigkeit, Anonymität und Langeweile im Angebot einhergeht“, konstatiert Braun. Die Branche müsse mit Mut und Unternehmergeist einzigartige Konzepte und damit Einkaufserlebnisse für die Verbraucher entwickeln, fordert Braun. „Begriffe wie Genuss, Fairtrade, Regionalität, Manufakturen, Slow Food und Vegan ersetzen die Alleinstellungsmerkmale, die Bio ursprünglich von der „Grauen Masse“ des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels abgehoben haben“, befürchtet Braun. „Die Branche darf nicht riskieren, dass Bio die Vorreiterrolle verliert.“
Sich auf dem Erreichten auszuruhen ist für Michael Radau, Vorstandsvorsitzender der SuperBioMarkt AG, Münster (D), sicherlich keine Option. Der Bio-Handel lebe vom innovativen Input und habe die Aufgabe, immer schon einen Schritt weiter zu sein, als andere Vertriebsschienen. „Wir werden auch in Zukunft beobachten, welche Themen und Innovationen uns weiter nach vorne bringen“, ist Michael Radau sicher.

Informationen zum Fachhandelstreff der BIOFACH finden Interessierte unter: www.biofach.de/fachhandelstreff

Veröffentlichungsdatum: 25.09.2014

Schlagwörter

Biofach, Bio, Handel, Wandel, Deutschland