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DFHV: Obst und Gemüse aus der EU wahrscheinlich komplett betroffen

08. August 2014

Russland hat nach dem Einfuhrverbot für frisches Obst und Gemüse aus Polen weitere Sanktionen verhängt. Die offizielle Begründung war zunächst im Falle Polen die angebliche Belastung der Ware mit Schaderregern, diese Begründung fehlt aber bei den neuen erweiterten Sanktionen. Von Anfang an war jedem Marktbeteiligten klar, dass es nicht um Pflanzengesundheit, sondern um eine gezielte „Strafmaßnahme“ aufgrund der Haltung der EU und anderer Staaten im Ukraine-Konflikt handelt.

Hintergrund

Die russische Lebensmittelkontrollbehörde (Rosselhoznadzor) ist bekannt für ihre durchgreifenden Methoden. Betroffene Unternehmen der Exportwirtschaft bekunden, bei dieser Behörde gehe es weniger um Lebensmittelsicherheit oder Schutz vor Schadorganismen, sondern vielmehr um die Durchsetzung einer eigennützigen Machtpolitik, die Einfluss auf die Warenströme haben will.

Die deutsche Fleischbranche leidet seit Jahren unter Rosselhoznadzor, vielleicht weil man von Beginn an zu viele Zugeständnisse gemacht hat und sich auf die russischen Forderungen eingelassen hat. Aus Sicht der Obst- und Gemüsebranche hat es bislang bei Exporten nach Russland relativ wenig Probleme gegeben. Möglicherweise musste erst einmal ein hinreichendes Exportpotential geschaffen werden, damit einseitige Marktmaßnahmen zu gegebener Zeit ihre Wirkung zeigen. Polen hat im vergangenen Jahr über 804.000 t frisches Obst und Gemüse nach Russland exportiert mit einem Warenwert von knapp 336 Mio. Euro.

Dekret von Putin: Genereller Importstopp

Russland hat nun für ein Jahr generelle Einfuhrverbote und -begrenzungen für Lebensmittel verhängt. Betroffen sind jene Länder und Staatengemeinschaften, die im Ukraine-Konflikt Strafmaßnahmen gegen Moskau erlassen haben. Konkrete Staaten oder Produkte wurden bislang noch nicht veröffentlicht, aber entsprechende Listen sind offenbar in Vorbereitung. Agrarimporte aus den USA machen pro Jahr rund eine Milliarde Dollar aus. Die EU führte 2013 landwirtschaftliche Produkte im Wert von 11,8 Milliarden Euro nach Russland aus.

Aus den USA sollen alle Agrarimporte unter das Verbot fallen, ließ die russische Gesundheitsaufsichtsbehörde verlauten. Man gehe zudem davon aus, dass auch alle Importe von Obst und Gemüse aus der EU betroffen seien.

Gleichzeitig verhandelt Russland direkt mit Lieferländern vor allem aus Südamerika über direkte Einfuhren. Dabei dürften die Preise nicht im Vordergrund stehen, sondern vor allem die Liefermöglichkeiten als Ausgleich für die fehlenden EU-Importe.

Konsequenzen

Für Deutschland ergeben sich nach Einschätzung des DFHV folgende mögliche Konsequenzen:

  • Die EU-Exporte von Obst und Gemüse nach Russland entfallen, das heißt, die Exporteure werden versuchen, diese Waren vornehmlich auf dem europäischen Markt abzusetzen. Die möglichen Konsequenzen auf die Preise sind absehbar.
  • Wenn Russland in seinen Bemühungen erfolgreich ist, entstehende Versorgungslücken durch Importe aus Südamerika oder anderen Exportnationen zu decken, fallen diese Warenmengen für den Import nach Deutschland möglicherweise weg. Bei bestimmten Produkten könnten Lieferprobleme entstehen oder es sind zumindest Preisanstiege zu erwarten.

Möglichkeiten des DFHV

Es ist nachvollziehbar, dass der DFHV keine Möglichkeit hat, politische und ökonomische Entscheidungen in anderen Ländern zu beeinflussen. Wir werden die Lage aber weiter aufmerksam verfolgen und die Mitgliedsunternehmen weiter informieren.

Veröffentlichungsdatum: 08.08.2014

Schlagwörter

DFHV, Russland, Obst, gemüse, Einfuhrverbot