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VOG: "Äpfel, die noch hohen Lagerbestände in Europa bremsen die Preise"

13. Mai 2019

Gerhard Dichgans, Direktor des VOG-Verbands, erläutert, wie sich die Lage in Italien und auf internationaler Ebene entwickelt. „Während auf der Südhalbkugel die Exportsaison begonnen hat, steht der europäische Apfelmarkt durch die Verfügbarkeit hoher Lagerbestände, die die Erwartungen einer bevorstehenden Preiserholung dämpft, noch unter Druck”. Dies bekräftigt Gerhard Dichgans, Direktor des VOG-Verbands, der die aktuelle Lage auf internationaler Ebene analysiert.

Foto © VOG/Marlene
Foto © VOG/Marlene

Laut den Daten der World Apple and Pear Association (WAPA, Weltweite Apfel- und Birnenvereinigung) beliefen sich die Lagerbestände am 1. April auf 2,3 Millionen Tonnen. Das sind 1,1 Millionen Tonnen mehr im Vergleich zum „Ausnahmejahr” 2017/2018, aber auch 210.000 Tonnen mehr im Vergleich zu einer normalen Saison, wie die von 2016/2017. Die Lagerüberschüsse betreffen nicht nur Polen, sondern auch die traditionellen Anbaugebiete Westeuropas. „Der Lagerabbau in Europa in Bezug auf die Monate Februar, März und April liegt unter dem Durchschnitt” – so Dichgans – „trotz des niedrigen Preisniveaus und aggressiven Angebotsverhalten aus der Produktion. Die zu Jahresbeginn gehegten Hoffnungen auf eine Belebung der Märkte werden also nur teilweise und mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Sorten bestätigt.”

Bei den Äpfeln des VOG-Verbands laufen in den letzten zwei Monaten die Verkäufe an italienische Kettenbetriebe gut, während die Großmärkte in einen Tiefschlaf gefallen sind. Beim Export nach Deutschland wurde der Markt bis vor kurzem vom lokalen Angebot beherrscht. Seit wenigen Wochen aber kaufen die Kunden zunehmend und vor allem regelmäßiger Äpfel aus Südtirol bevor sie dann in den nächsten Monaten auf die Importe aus der Südhalbkugel umsteigen werden. England und die skandinavischen Länder halten sich aktiv, während Osteuropa wie erwartet nach wie vor im Stocken ist. Positiv überrascht hingegen der Export in die Mittelmeerländer. Wieder einmal beweist sich der Nahe Osten als verlässlicher Markt. Und auch der riesige Absatzmarkt Indiens, der sich den Importen aus Italien geöffnet hat, spielt in diesem Jahr eine entscheidende Rolle, da China (aufgrund der geringen Ernte) und die USA die Hälfte an Äpfeln liefert.

„Diese Aufsplitterung unserer Zielmärkte spiegelt sich genau in den Abbaukurven der einzelnen Sorten wider” – so der Direktor des VOG. „Die Verkaufssaison für die Sorte Royal Gala ging Ende März zu Ende, und durch die konstante Nachfrage aus den Mittelmeerländern konnten wir uns an unseren Absatzplan halten. Für die Red Delicious erwies sich Indien als Rettungsanker, aber auch aus dem Nahen Osten steigt nach Abschluss der Gala-Saison der Bedarf an dieser Sorte. Die Granny Smith Äpfel verzeichnen auf allen Märkten eine gemäßigte, aber regelmäßige Nachfrage. Völlig anders verhält es sich hingegen bei den Sorten Golden Delicious und Braeburn. Was die Sorte Braeburn anbetrifft, so setzte die starke lokale Ernte in Deutschland den Markt bereits ab Herbst unter Druck und ließ wenig Spielraum für die Importe. Erst jetzt wenden sich die Käufer der großen Ketten an uns, um sich die restlichen Wochen vor dem Eintreffen der Braeburn aus Neuseeland einzudecken. Der Absatzmark für die Sorte Golden ist Italien: die Preise bleiben aufgrund der ständigen Preisaktionen niedrig, ohne dass der Verbrauch auf irgendeine Weise angereizt werden kann. Zusätzlich benachteiligt ist diese Sorte durch den hohen Anteil an berosteten Früchten und Äpfel der zweiten Qualitätskategorie, der sich – bei einem reichlichen Angebot an Ware erster Qualität – schwer absetzen lässt. Diese Schwere des italienischen Marktes ist überraschend, da die Verfügbarkeit der Produkte dem Durchschnitt der letzten drei Saisons - mit Ausnahme von 2017/2018 - entspricht und ist angesichts des niedrigen „Pack-Out“-Anteils von Früchten der Prima-Waren sogar defizitär.”

Der Fokus aller Marktteilnehmer liegt jetzt auf der letzten Phase der Vermarktungssaison, die sich als positiv erweisen könnte. „Die Ernteschätzungen in der Südhalbkugel” – erläutert Dichgans weiter – „lassen hoffen, dass die Menge der für den europäischen Kontinent bestimmten Äpfel unter den Prognosen liegt. So hat zum Beispiel Neuseeland seine Schätzungen um 10 % gesenkt. Die Exporteure der Südhalbkugel werden sich in erster Linie auf die rentableren Märkte Südostasiens konzentrieren und Europa vermeiden. In der Tat scheinen die Prognosen für die Exporte nach Südostasien angesichts der bereits erwähnten schlechten chinesischen Ernte vielversprechend.”

Die ersten Statistiken in Bezug auf die Importe bestätigen solche Erwartungen: Ende März sind nur 10.000 Tonnen nach Europa gelangt, während sich in den beiden Vorjahren die Exportvolumen aus der Südhalbkugel auf fast das Vierfache beliefen. Die Importzahlen werden nur für Clubäpfel wie Pink Lady®, für die man in Europa keine ganzjährige Verfügbarkeit garantieren kann, steigen. „Europa wird sich daher auf den Abbau der eigenen Lagerbestände konzentrieren können” – schließt Dichgans ab – „ohne größere Störungen durch Importe befürchten zu müssen. Die Vermarktungssaison ist jedoch noch lang und sicherlich werden wir mit den Golden Delicious die Monate bis September decken und das Angebot der neuen Ernte 2019 überlagern. erwarte ich Ich erwarte keine Preissprünge in den nächsten Monaten, auch angesichts davon, dass die Restbestände eine kontinuierliche Rotation erfordern”.

Quelle: VOG/Marlene

Veröffentlichungsdatum: 13.05.2019

Schlagwörter

VOG, Apfel, Lagerbestände, Europa, Preise, fruchthandel