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VOG: die Erwartungen für die Saison 2014/15

20. August 2014

In Südtirol ist die Ernte mit der Sorte Gala bereits in der zweiten Augustwoche gestartet, 10 Tage früher als 2013. Dank gutem Behang und durchwegs guten Fruchtgrößen rechnen die Experten mit einer Anlieferung, welche mit der  guten Apfelernte von 2011  gleichziehen könnte.
Nach einer nur durchschnittlichen Apfelernte 2013 in der EU-28, ist für die bevorstehende Saison mit einer Rückkehr zu einer Vollernte in allen wichtigen Anbaugebieten in West- wie Osteuropa zu rechnen, die möglicherweise die 12 Millionen Tonnen erreichen wird.
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Wir haben uns mit VOG Direktor Gerhard Dichgans unterhalten, der von der Prognosfruit, dem Kongress der europäischen Apfelwirtschaft zur Schätzung der jährlichen Kernobsternte (dieses Jahr in Istanbul / Türkei) zurückgekehrt ist.

Nachdem die Verkaufssaison 2013/2014 zwar mit Verzögerungen, aber noch rechtzeitig abgeschlossen werden konnte, steht bereits die neue Ernte – 10 Tage früher als im letzten Sommer - vor der Tür. Es zeichnet sich eine volle Ernte nicht nur im Alpenraum und Italien, sondern auch in den wichtigsten Anbauzonen Europa ab.

„Die europaweite Ernte in EU-28 wird die 12 Millionen-Grenze nicht erreichen, ist aber dennoch die grösste Ernte der letzten Jahre. Vor allem in Polen wird eine Rekordernte von über 3,5 Millionen t erwartet, was angesichts des von Russland verhängten Importverbotes für Obst aus Europa den größten Unsicherheitsfaktor in dieser Herbstvermarktung darstellt.“

Frage: Herr Dichgans, bevor wir näher auf die anstehende Vermarktungssaison eingehen, lassen Sie uns doch einen Rückblick auf die Kampagne 2013/14 werfen.

vog dichgansDie Vermarktung der letztjährigen Ernte ist im Herbst 2013 mit viel Optimismus und hohen Preisen gestartet. Aber die seit Jahren schwelende Wirtschaftskrise und die daraus folgende Konsumschwäche haben die Ausgaben für Lebensmittel generell, aber auch für Obst und Gemüse wie auch speziell für Äpfel, in vielen Kernländer Europas eingeschränkt. So hat sich im Laufe der Saison der Abbau der eingelagerten Ernte Monat für Monat verzögert und wurde für einige unserer Hauptsorten wie Braeburn, Granny oder Red Delicious erst Ende Juni/Anfang Juli abgeschlossen.
Jetzt, zu Beginn der neuen Ernte 2014, lagern nur noch Restbestände an Golden, die aber bis Mitte September einen genau abgesteckten Absatzmarkt und eine feste Kundschaft haben , die wir auch in der Vergangenheit beliefert haben. Mit Eintreffen der neuen Golden-Ernte ist der alterntige Bestand verkauft.

Frage: Wie wird sich die neue Ernte in Südtirol gestalten?

Die Ernte in Südtirol wird auf knapp 1,2 Mio.Tonnen geschätzt, liegt damit knapp 9% über dem Vorjahr. Dies wäre für unser Land ein Spitzenergebnis. Aber abgesehen von dieser nackten Zahl, die für sich allein gesehen eine Schlagzeile wert ist, muss ich daran erinnern, dass wir dieses Erntevolumen bereits einmal - nämlich 2011 - erreicht haben.
Behang und Fruchtgröße stimmen. Um auch die richtige Fruchtqualität mit den notwendigen Lagereigenschaften zu ernten, wurden in diesem Frühjahr die Anlieferungsrichtlinien nochmals überarbeitet.

Insgesamt gehe ich für die Ernte 2014 von einer guten Qualität aus, auch weil bis zum jetzigen Zeitpunkt der Hagelschlag nur geringe Flächen betroffen hat.

Frage: Womit müssen wir im Hinblick auf die Preisentwicklung rechnen?

vog staand dichgansEs besteht bereits aktive Nachfrage nach ersten Gala. Bei dieser Sorte ist die Überseeware praktisch geräumt. Der Übergang von Importware auf die frische europäische Apfelernte scheint sich daher ziemlich reibungslos zu gestalten. Das niedrige Preisniveau, mit dem wir aus der alten Vermarktungssaison aussteigen, ist natürlich für unsere Kunden ein starker Anreiz zum schnellen Umstieg. Der Verkaufsdruck, der sich wie jedes Jahr während der Erntewochen aufbaut, wird ein Übriges dazu beitragen, dass die Saison flott starten kann. Darin sehe ich die beste Voraussetzung, um die erwarteten Erntevolumen planmässig abzubauen und um nach dem Jahreswechsel in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen.

Frage: Wie wird sich das von Russland verhängte Importverbot für europäische Lebensmittel, darunter Obst und Gemüse, auf das Gleichgewicht am Apfelmarkt auswirken?

Es war zu befürchten, dass es nicht bei dem vorerst beschlossenen Importstopp für polnische Äpfel bleiben würde. Aber mit diesem Beschluss wollte man die polnische Apfelwirtschaft an ihrem Lebensnerv treffen. Russland ist für Polen - schon in der Geschichte begründet - der allererste Absatzmarkt und damit lebenswichtig, der jedes Jahr 500.000 bis 700.000 Tonnen Äpfel abnimmt. Ein Fortdauern dieser Situation kann in der Tat - auch angesichts der Vollernte in Europa - das labile Gleichgewicht am europäischen Apfelmarkt in Frage stellen. Andererseits, muss Russland die fehlenden Importe aus Polen und Europa mit dem Import aus anderen Regionen ersetzen. Hier könnten Lieferungen aus China oder - ab nächsten Frühjahr - Zukäufe aus der Südhalbkugel in Frage kommen. Dies bedeutet, dass diese Mengen von anderen Märkten abgezogen werden. In der Summe handelt es sich um eine globale Verschiebung der Warenströme, bei der noch nicht klar ist, wer Verlierer und wer Gewinner sein wird. Eine Schlussfolgerung kann aber schon heute gezogen werden: nämlich dass Überseeäpfel in Zukunft immer weniger Platz auf dem europäischen Markt finden werden, und sich Europa mehr und mehr selbst versorgen wird.

Frage: Mit welchen Neuigkeiten ist in der neuen Saison zu rechnen?

Mit dieser Saison kommen viele der Neupflanzungen, die unsere Produzenten in den letzten Jahren getätigt hatten, in den Ertrag. Wir machen mit dieser Ernte einen großen Sprung in den verfügbaren Verkaufsvolumen der Sorten Nicoter/Kanzi® und Scifresh/Jazz®. Unser Schwerpunkt in der Saison ist, die Distribution dieser zwei hervorragenden Apfelsorten auszubauen. Darüber hinaus werden wir im Rahmen von der Messe INTERPOMA, die im November in Bozen stattfinden wird, offiziell und als Weltpremiere eine neue Sorte vorstellen: es handelt sich um einen gelbschaligen Apfel, der sich durch seinen hervorragenden Geschmack, Saftigkeit und Knackigkeit auszeichnet, und eine absolute Bereicherung im aktuellen Sortenangebot darstellt. Mehr Details kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht preisgeben, und muss um Geduld oder auf ein Wiedersehen in Südtirol in drei Monaten bitten.


Quelle: VOG - www.vog.it

Veröffentlichungsdatum: 20.08.2014

Schlagwörter

VOG, Erwartungen, Saison, Gala, Qualität