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Über 200 Besucher auf der 26. Fachtagung "Pflanzenschutz" des LALLF

11. Dezember 2017

„Die Kolleginnen des Landes-Pflanzenschutzdienstes gingen in diesem Jahr 31 Verdachtsfällen auf Abdrift (Verwehen von Pflanzenschutzmitteln) nach. Dies waren 60 % aller Anzeigen. Sofort anschließende Vor-Ort-Kontrollen, Probenahmen von Pflanzen und deren Analysen in den Fachlaboren des LALLF bestätigten in nur drei Fällen (Vorjahr: 7) ein Abdriftgeschehen, also Verstöße gegen gesetzliche Auflagen in der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“, sagt Dr. Joachim Vietinghoff, Leiter der Abteilung Pflanzenschutzdienst (PSD) des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) auf der Fachtagung „Pflanzenschutz“ am 6. Dezember in Rostock.

Bildquelle: Shutterstock.com Pflanzenschutz
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„Wir schulen, informieren und kontrollieren die Landwirte seit Jahren in diesem höchst sensiblen Bereich und gehen davon aus, dass inzwischen die überwiegende Mehrheit der Betriebe entsprechende gute fachliche Praxis walten lässt.“

Weiterhin ging es auf der Tagung für Landwirte, Berater und Interessierte um verschiedene Themenbereiche, die „unter den Nägeln brennen“. So werden Landwirte oft pauschal als Bienenkiller betitelt. „Aber: Die im Amt gemeldeten und untersuchten Bienenschäden hatten nachgewiesenermaßen nur in vier Fällen mit fehlerhaften Pflanzenschutzmittelanwendungen zu tun. „Hauptursache für die gemeldeten Völkerverluste scheinen Viruserkrankungen zu sein, die von der Varroamilbe übertragen werden und die hochpathogene Stämme gebildet haben“, weiß Vietinghoff. Unter anderem ist das Flügeldeformationsvirus ein zunehmendes Problem. „Die Aufklärung der Ursachen für Bienenvölkerverluste in unserem Land ist für uns wichtige Amtsaufgabe. Daher haben wir im LALLF seit Kurzem eine molekularbiologische Untersuchungsmethode eingerichtet, mit der der Virusstatus diagnostiziert werden kann.

Eingehend äußerte sich Vietinghoff zu den Aussagen aus der vielzitierten Studie zum „Insektensterben“. „Die Untersuchungsmethode, nämlich die Erfassung des „Abtropfgewichtes“ der Fallenfänge, gestattet keine Aussage zu den tatsächlichen Verhältnissen des Untersuchungsstandortes. Mindestens hätten die Individuenzahlen, besser die Zuordnung der Fänge zu den verschiedenen Insektengruppen erfasst werden müssen. Innerhalb der äußerst vielgestaltigen Klasse der Insekten gibt es enorme Unterschiede in der Masse der einzelnen Individuen, weshalb die Gesamtmasse von Fallenfängen keinen Rückschluss auf Anzahl der Individuen erlaubt. Die Autoren der Studie benutzen das Schlagwort vom Insektensterben darum auch nicht.“ Ein wissenschaftlich begründetes Monitoring zur exakten Einschätzung der tatsächlichen Verhältnisse ist unbedingt notwendig, um relevante Wirkungsfaktoren zu ermitteln“, unterstreicht er. Pauschalverdächtigungen ohne Kenntnisse der tatsächlichen Verhältnisse helfen weder den Landwirten, noch den Verbrauchern und erst recht nicht den Insekten!

Die konventionelle Landwirtschaft kommt derzeit noch nicht ohne chemische Pflanzenschutzmittel aus. Deren Verfügbarkeit nimmt jedoch recht schnell ab: Alte Substanzen gehen verloren, weil sie nicht mehr den human- und ökotoxikologische Anforderungen genügen oder sie aufgrund resistenter Unkräuter, Krankheiten, Insekten nicht mehr wirken. In den letzten Jahren wurden selten neue Wirkstoffe und sehr selten solche aus neuen Wirkstoffklassen zugelassen. Das zwingt Landwirte, ihre Anbausysteme unabhängiger vom chemischen Pflanzenschutz zu machen. Die mechanische Unkrautbekämpfung ist ein solcher Ansatz. Aus der Forschung berichtete dazu Andreas Titze (Landesforschungsanstalt M-V) über Potenziale und Grenzen von Striegel und Hacke. Doreen Riske, Landwirtin aus Groß Kiesow, teilte ihre zweijährigen positiven Erfahrungen mit der mechanischen Unkrautbekämpfung in Raps und Zuckerrüben mit den Tagungsbesuchern. Sie konnte damit ohne ökonomische Nachteile den Pflanzenschutzmitteleinsatz in beiden Kulturen deutlich reduzieren.

„Die Bereitstellung von Bekämpfungsempfehlungen ist und bleibt eine der Hauptaufgaben des Pflanzenschutzdienstes“, resümiert Vietinghoff. Vorbeugende Maßnahmen und die Nutzung biologihcher Regelmechanismen sind besonders zu beachtende Grundsätze dieses Fachgebietes.

Quelle: LALLF

Veröffentlichungsdatum: 11.12.2017

Schlagwörter

Fachtagung, Pflanzenschutz, Lallf, Abdriftkontrollen, Bienengesundheit, Insektensterben, Resistenzen