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TransFair auf der Biofach-Messe: Nachhaltig investieren in Fairtrade und Bio

17. Februar 2017

Alles bio und fair, oder was? So einfach ist es nicht, denn Kleinbauern in Entwicklungsländern, die auf Bio-Anbau umstellen wollen, brauchen oft externe Finanzierung. Nur so sind entsprechende Anschaffungen zu leisten und auch eventuelle Ernteeinbußen aufzufangen.

Bild: James Rodriguez
Bild: James Rodriguez

Für viele Organisationen ist die Fairtrade-Zertifizierung der erste Schritt zum Bio-Anbau. Stabile Preise und die zusätzliche Fairtrade-Prämie erhöhen die Planungssicherheit. Genossenschaften wie Oikocredit ermöglichen Kleinbauernorgani­sa­tionen Investitionen mit Hilfe von Darlehen. Über die Hälfte der Fairtrade-Organisationen sind zusätzlich Bio-zertifiziert. Auf dem deutschen Markt ist die Kombination beliebt wie nirgends sonst: 70 Prozent der verkauften Fairtrade-Waren trugen 2016 auch ein Bio-Siegel.

Immer mehr Städte und Kommunen setzen sich für eine ökosoziale Beschaffung ein. Im Rahmen der Biofach-Messe wurde die Metropolregion Nürnberg zur ersten „Fairen Europäischen Metropolregion“ ausgezeichnet.

Bio und Fair – Pioniere raus aus der Nische

„Deutschland ist der Markt mit der höchsten Bio-Dichte unter den Fairtrade-Produkten weltweit“, sagte Dieter Overath auf der führenden Fachmesse für Bio-Lebensmittel. So gibt es hierzulande beispielsweise ausschließlich Fairtrade-Bio-Bananen. „Wir freuen uns natürlich über die hohe Nachfrage nach fairen Bio-Bananen, aber es gibt genügend Fairtrade-Produzenten, die nicht biologisch anbauen können und denen fehlt mit Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt.“ Produktgruppen mit hohem Bio-Anteil sind Kaffee mit 74 Prozent Bio-Anteil, Tee mit 85 Prozent oder Reis mit 61 Prozent. „Von Anfang an haben Partner mit der Kombination bio und fair ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit gesetzt. Anfang der 90er war das echte Pionierarbeit“, so Overath weiter. „Vor 20 Jahren lag der Bio-Anteil bei Kaffee bei rund 25 Prozent, heute sind es 75 Prozent – und das bei insgesamt deutlich gestiegenen Verkaufsmengen.“ Insgesamt stieg der Anteil von biologischen Fairtrade-Lebensmitteln von rund 40 Prozent um die Jahrtausendwende auf 70 Prozent 2016.

Bild: TransFair e.V.
Bild: TransFair e.V.

Fairer Handel + finanzielle Unterstützung = nachhaltige Entwicklung

Um ihr Entwicklungspotenzial zu entfalten brauchen Kleinbauernorganisationen Zugang zu Finanzmitteln. Die Genossenschaft Oikocredit arbeitet mit vielen Fairtrade-Organisationen zusammen. „Oikocredit und der faire Handel teilen die gleichen Ziele: sozial verantwort­liches Wirtschaften, bessere Lebensbedingungen, soziale und wirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Regionen“, erläuterte Oikocredit-Geschäftsführer Matthias Lehnert. „Aktuell unterstützt Oikocredit rund 90 Partnerorganisationen im fairen Handel mit Darlehen und Kapitalbeteiligungen, Beratung und Schulungen.“ So werden Transport- und Lagerkapazitäten ausgebaut oder neue Produktionsanlagen eingerichtet. Auch die Umstellung auf Bio-Anbau kostet Geld: „Vor allem können viele Kooperativen den Aufwand für die Umstellung und die anfänglichen Kosten der Bio-Zertifizierung nicht ohne finanzielle Unterstützung tragen.“ Oikocredit ist eine der insgesamt 31 Mitgliedsorganisationen von TransFair e.V.

Von den Philippinen bis Pakistan – Klimawandel verursacht Kosten

Senthil Nathan ist Marketingleiter des Fairtrade-Netzwerks NAPP, das Produzenten in Asien und der Pazifikregion vertritt. „So unterschiedlich die Situation in den Ländern Asiens auch ist, es gibt zwei Herausforderungen, die alle Bauern verbindet: Klimawandel und Zugang zu Finanzmitteln“, sagte Nathan. „Wir von Fairtrade bauen das Fachwissen der Bauern aus, geben Schulungen und Trainings. Um den Klimawandel zu bekämpfen und sich veränderten Klimabedingungen anzupassen, sind aber jenseits von Beratung auch Finanzmittel nötig. Viele Bauern wollen auf Bio-Anbau umstellen. Auch wenn die Umstellung Geld kostet, sie wissen, dass sie langfristig Kosten reduzieren können, weil beispielsweise teure Pestizide und Düngemittel wegfallen und sie höhere Preise und Prämien für biologische Rohstoffe erhalten.“ 

Bild: Nathalie Bertrams
Bild: Nathalie Bertrams
 
Fair im Frankenland – ausgezeichnete Faire Metropolregion Nürnberg

Als erste „Europäische Metropolregion“ wurde Nürnberg auf der Biofach-Messe zur „Fairen Metropolregion“ ausgezeichnet. 3,5 Millionen Menschen wohnen hier. Die Region zählt 24 ausgezeichnete Fairtrade-Towns, drei Kommunen steht die Auszeichnung kurz bevor und vier weitere sind im Bewerbungsprozess. „Die Auszeichnung ist für uns vor allem Ansporn, den Gedanken des fairen Handels weiter auszubauen, um so die Metropolregion Nürnberg zum Vorreiter und Impulsgeber auf diesem Gebiet zu machen“, betonte Armin Kroder, Ratsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg und Landrat des Landkreises Nürnberger Land. Dass der faire Handel diesen gesellschaftlichen Wandel vorantreibt, bestätigt eine aktuelle Studie mit dem Titel „Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?“. Demnach wurde im Untersuchungszeitraum ein Trend hin zu einem veränderten Bewusstsein und Verhalten sowohl in Zivilgesellschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung als auch bei Handel und Herstellern sowie bei den Konsumenten festgestellt. 

25 Jahre TransFair – Handel neu denken mit Richard David Precht und Alain Caparros

2017 feiert der TransFair e.V. sein 25-jähriges Bestehen. Dreh- und Angelpunkt des Jubiläumsjahres ist ein Zukunftskongress am 23. Mai in der Berliner Kalkscheune. Unter dem Motto „Handel neu denken“ entwerfen Experten aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft eine Zukunftsvision für den fairen Handel 2025. Mit dabei: Philosoph und Autor Richard David Precht, Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group sowie Moderator Jörg Thadeusz. 

www.fairtrade-deutschland.de/handelneudenken 

Veröffentlichungsdatum: 17.02.2017

Schlagwörter

TransFair, Biofach, Messe, Nachhaltig, Fairtrade, Bio