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Südafrika: Sortenvielfalt und Pflanzenschutz mit Fliegen

14. März 2018

Früher war eine Pflaume einfach pflaumenblau außen und orangegelb innen. Heute gibt es Pflaumen in vielen Farben – zum Beispiel in Kirschrot, Sonnengelb und, neuerdings, auch in Grün mit rotem Fruchtfleisch. Was ist da passiert?

Foto Hortgro Bon Esperance liegt inmitten der wunderschönen Berglandschaft des Kapweinlandes. Foto Hortgro
Bon Esperance liegt inmitten der wunderschönen Berglandschaft des Kapweinlandes. Foto Hortgro

Der Pflaumenbau hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, sagt einer, der es wissen muss: Petru du Plessis baut auf seiner Farm Bon Esperance im südafrikanischen Stellenbosch die unterschiedlichsten Pflaumen an. Bei einem Besuch vor Ort zeigt er eine bunte Auswahl seines Sortiments und erklärt, dass die Wünsche der Verbraucher sich stark verändert haben. Außerdem richten die Produzenten ihren Blick heute auf einen internationalen Markt – und dessen Erwartungen sind so vielfältig wie es die Welt nun einmal ist.

„Sehen Sie hier“, sagt er und greift nach einer violettblauen Frucht. Sie ist von einer dünnen, milchigweißen Schicht überzogen, die er mit dem Finger abreibt. Dabei erklärt er: „Diese Wachsschicht entwickelt die Pflaume als natürlichen Schutz. Die Europäer mögen sie nicht, denn viele halten sie für einen künstlichen Pflanzenschutz. Aber in Asien wird für Pflaumen deutlich mehr bezahlt, wenn deren Wachsschicht unbeschädigt ist!“

Foto Hortgro
Pflaumen gibt es heute in unzähligen Sorten - denn Verbraucher überall auf der Welt erwarten, dass die Farmer ihre unterschiedlichen Wünsche erfüllen. Foto Hortgro

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Auch hinsichtlich der Farben haben die Nationen unterschiedliche Präferenzen. In einem Punkt sind sich aber fast alle Verbraucher weltweit einig: Süß sollen die Früchte sein! Und so spezialisieren sich die Farmer mehr und mehr auf Sorten, die einen hohen Zuckergehalt haben. „Früher hatten Pflaumen elf oder zwölf Prozent Zucker. Heute sind es oft 16 bis 20 Prozent. Ich weiß nicht, wohin sich das noch entwickeln soll“, berichtet Pflaumenkenner du Plessis. Während er geschickt mit dem Messer eine Anzahl verschiedener Pflaumen halbiert, um sie zu zeigen und zur Verkostung anzubieten, huscht seine sechsjährige Tochter heran, duckt sich unter seiner Hand hinweg, schnappt sich eine Pflaumenhälfte mit blutrotem Fruchtfleisch und rennt damit weg.

Die Journalisten lachen, und einer ruft: „Das war abgesprochen!“ Petru du Plessis schmunzelt nur und schüttelt den Kopf, verrät aber auch: „Wenn ich meiner Tochter die Wahl lasse, ob sie Süßigkeiten nimmt oder eine dieser Pflaumen, dann nimmt sie die Pflaume.“

Es handelt sich um eine ganz besondere Sorte aus Israel, die bislang am internationalen Markt nur den profanen Namen „Green-Red“ hat. Das liegt an ihrer Zweifarbigkeit: Die grüne Haut erinnert eher an eine Feige. Erst nach dem Öffnen offenbart sich das appetitliche Rot. Sie schmeckt köstlich – und doch muss sich erst zeigen, ob sie sich bei den Verbrauchern durchsetzen wird, denn die sind nicht immer offen für Früchte, die auf den ersten Blick weniger attraktiv aussehen als ihre klassischen Vorbilder.

Bevor der Besuch zu Ende ist, gibt es dann noch ein prickelndes Highlight für die Gäste: Jeder bekommt eine Tüte aus braunem Packpapier. Gefüllt mit Pflaumen? Nein, keineswegs: Drinnen summt und knistert es. Wer zimperlich ist, hat jetzt keine guten Karten: In jeder Tüte sind Hunderte oder Tausende von Fruchtfliegen, die es nun zwischen den Pflaumenspalieren zu befreien gilt. Warum das? Dahinter steckt eine technische Innovation, die das Ziel hat, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu begrenzen.

logo„Es sind männliche Fliegen, die alle sterilisiert sind“, erklärt der Pflaumenfarmer. Zwischen den Bäumen, an denen bereits viele reife Früchte hängen, suchen sie sich dann die Weibchen und paaren sich – aber da sie sterilisiert sind, bleiben die Nachkommen aus. So schützen die Landwirte ihre Ernte vor Fruchtfliegenbefall, ohne auf giftige Insektizide zurückgreifen zu müssen.

Quelle: Hortgro

Veröffentlichungsdatum: 14.03.2018

Schlagwörter

Südafrika, Sortenvielfalt, Pflanzenschutz, Fliegen, Journalisten, Pflaumenproduzenten, Stellenbosch